Focus-Journalist watscht Kasseler Kunstschau ab: „Dümmste documenta aller Zeiten“

Blick nach Kassel. Am vergangenen Wochenende war Halbzeit auf der documenta. Fast 380.000 Gäste haben die weltweit bedeutendste Schau für zeitgenös

Blick nach Kassel. Am vergangenen Wochenende war Halbzeit auf der documenta. Fast 380.000 Gäste haben die weltweit bedeutendste Schau für zeitgenössische Kunst bislang besucht, ein Zuschauerrekord kündigt sich an.

Und obwohl die Kritiken bislang überwiegend wohlwollend ausfielen, regt sich nach 50 Tagen auch harte Kritik: Im aktuellen Focus-Magazin lässt Kunstprofessor und Medientheoretiker Wolfgang Ullrich kein gutes Haar an der Schau und ihrer Leiterin  Carolyn Christov-Bakargiev ("CCB"): Ironiefrei und humorlos sei die diesjährige documenta. Nicht wie erhofft skeptisch, sondern zynisch. Und der Kritiker schließt mit dem vernichtenden Urteil: "Die dOCUMENTA 13 ist die dümmste documenta, die es je gegeben hat."

Doch warum übt der Professor der Karlsruher Uni so harsche Kritik? Im Magazin Focus nennt er verschiedene Gründe: Die "selbstherrliche" CCB habe durch die Beauftragung junger Künstler versucht, ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Schließlich seien gerade junge, noch unbekannte Künstler "dankbar dafür, überhaupt an einer documenta beteiligt zu sein". Kritik und Distanz zur Auftraggeberin gingen so verloren. Vielfalt? Fehlanzeige!

Die Künstler selbst seien ohnehin die großen Verlierer dieser Schau: Sie hätten zwar brav an CCB "abgeliefert". Doch da viele Werke "seltsam uniform, kontrolliert und kühl" daherkommen, sei nicht mit einem künstlerischen Durchbruch der Erschaffer zu rechnen.

Besonders großen Schaden sieht Ullrich für die Kunstszene allgemein. Bakargiev als documenta-Leiterin habe die Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringe nicht erfüllt: Den hunderttausenden Besuchern bliebe bei dem Dargebotenen nur die Wahl zwischen "absurd und geschmacklos".

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Rainer Hahne hat diesen Artikel mit einem Briefwechsel kommentiert:

Rainer Hahne kommentiert die Focus-Kritk an der dOCUMENTA 13: "Viel Feind, viel Ehr" (vom 2. August 2012)

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Und ein Antwort von Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich hat auf diesen Briefwechsel auch schon geantwortet:

Zu "Dämlicher dOCUMENTA 13": Kunsthistoriker Ullrich antwortet auf Hahne-Briefwechsel (vom 3. August 2012)

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