Folter, Tod und Leidenswege: Geflüchtete Familie aus Bebra berichtet

Tafari wurde in seiner Heimat Eritrea gefoltert – heute lebt er mit seiner Familie in Bebra. Beispielfoto: nh

Von Eritrea nach Deutschland: Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Bebra. Die Geschichte von Familie Saalem aus Eritrea geht unter die Haut. Die damals dreiköpfige Familie beschloss im Jahr 2011, ihr Heimatland endgültig zu verlassen. Der Lohn für die damals lebensgefährliche Flucht ist heute ein Leben im behüteten Bebra.

Der Leidensweg der Familie – insbesondere von Vater Tafari – war lang. Er wurde verhaftet, körperlich misshandelt und von der Außenwelt isoliert. In der Heimat von Familie Saalem ist es nicht sicher – die Menschenrechte in Eritrea sind katastrophal. Folter und willkürliche Verhaftungen sind der Alltag in dem Afrikanischen Staat, der von einer Einheitspartei regiert wird.

Bereits im Kindesalter von acht Jahren trat Tafari unfreiwillig dem Militär bei. Dass er dem Militär zwischenzeitlich den Rücken kehrte, um seiner Familie in einer Notsituation zu helfen, kostete dem heute 35-Jährigen seine Freiheit – er saß sieben Monate in Einzelhaft. „In Eritrea hatten wir kein Recht auf eine eigene Meinung, wir waren in allem was wir taten eingeschränkt “, so Tafari. Neben den Einschränkungen wurde er durch das Regime auch der Lüge bezichtigt: „Als meine Eltern Hilfe brauchten und ich zu meiner Familie zurückgekehrt bin, wurde mir unterstellt, dass ich flüchten wollte. Obwohl das nicht stimmte, wurde ich in Einzelhaft gesteckt. “ Um ein neues Leben in Freiheit zu beginnen fiel nach der Gefangenschaft dann der tatsächliche Entschluss zur Flucht. Ein langer Weg und mehr als eine handvoll Länder lagen vor Papa Tafari, Mama Aiyana und Tochter Milena, bis sie endlich in Deutschland angekommen waren.

Die Bedingungen während ihrer gefährlichen Flucht waren menschenunwürdig. Die Geflüchteten wurden in einem völlig überfüllten Pick-Up Geländewagen transportiert: „Wir saßen mit 37 Personen auf der Ladefläche und einige von uns waren gefesselt“, erinnert sich Aiyana und weiter: „In dem Wagen sind Menschen vor unseren Augen sogar gestorben. Das war das Schlimmste“.

Vier Jahre Flucht und die Geburt von Sohn Rahel lag hinter ihnen, als sie schließlich im September 2015 im behüteten Bebra ankamen. Ohne Papiere, ohne festen Wohnsitz und zunächst auch ohne Hilfe anderer haben sie sich durchgekämpft. Heute erhält die Familie tatkräftige Unterstützung von Ute Schütz vom Netzwerk „Frühe Hilfen“. Sie kümmert sich ehrenamtlich um Familien in Notsituationen. Und Hilfe können die Saalems gut gebrauchten, denn mittlerweile ist die Familie zu fünft. Neben Milena und Rahel wurde auch Sohn Noah vor zwei Jahren geboren. „Es macht Spaß der Familie zu helfen und ihre Fortschritte zu beobachten. Ich verbringe vor allem gerne Zeit mit den Kindern“, so Schütz.

Auch wenn die Saalems ihre Familie vermissen: Heute führen sie ein Leben in Freiheit und sind mehr als zufrieden in Bebra. Die Familie hat nur noch einen Wunsch, der hoffentlich bald in Erfüllung gehen wird: Papa Tafari sucht dringend Arbeit, um finanziell unabhängig zu sein und um sich noch weiter zu integrieren. „Ich liebe es zu basteln, daher möchte ich gerne einen handwerklichen Beruf ausüben. Eine Arbeitsstelle zu finden ist mir sehr wichtig, ich möchte mich einfach anpassen. Ich wäre dankbar für jede Arbeit“, so der Familienvater.

Tafari verrät außerdem, welchen Traum er sich von seinem Verdienst erfüllen möchte: „Ich würde gerne den Führerschein machen. Jeder hat seine Kindheitsträume und meiner ist es, Auto zu fahren“, lacht er.

Das Familienglück der Saalems ist also fast vollständig. Zum Happy End fehlt nur noch eine passende Arbeitsstelle für den Familienvater Tafari.

(Die Namen sind der Redaktion bekannt und wurden geändert)

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