Frühstücks-Talk: Sich selbst neu erfinden

Jurriaan Bles (links) spielt mit „Goethe!“ bereits im vierten Bad Hersfelder Festspiel-Musical mit. In diesem Jahr ist er Dance Captain und hat an den Choreografien mitgearbeitet.
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Jurriaan Bles (links) spielt mit „Goethe!“ bereits im vierten Bad Hersfelder Festspiel-Musical mit. In diesem Jahr ist er Dance Captain und hat an den Choreografien mitgearbeitet.

Juriaan Bles, Dance Captain in „Goethe!“, im GesprächBad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Jurriaan Bles ist Dance Captain des Musicals „Goethe!“ bei den diesjährigen Bad Hersfelder Festspielen. Am Café-Tisch mit unserer Zeitung sind unter anderem sein Engagement auf der Bühne und die Arbeit mit Bad Hersfelder Jugendlichen als Theater-Coach Gesprächsthemen.

Jurriaan Bles aus den Niederlanden kennt die Bühne der Stiftsruine in- und auswendig. Denn er tanzte, spielte und sang hier bereits in „My fair Lady“, „Titanic“, „Hair“, „Lenas Geheimnis“ und nun in „Goethe!“. Und er hat in diesem Jahr eine zusätzliche Aufgabe: „Als Dance Captain sorge ich dafür, dass die Choreografien von Kim Duddy jeden Abend korrekt umgesetzt werden“, erzählt der Niederländer. Jede Aufführung werde aufgezeichnet, so dass er immer überprüfen könne, was geklappt hat und was in der nächsten Show besser gemacht werden kann. „Man muss auch flexibel sein. Manche Choreografien können bei Regen nicht so getanzt werden, wie auf trockenen Brettern“, erzählt Jurriaan, der meistens Jurri genannt wird. „Wir wollen ja jede Show gut und sicher über die Bühne bringen.“

Die Welt-Uraufführung von „Goethe!“ ist für ihn ein besonderes Erlebnis. „Dabei kann man sich selbst neu erfinden“, sagt er. Die Choreografie von Kim Duddy sei sehr durchdacht, lasse aber Raum für eigene Bewegungen und Improvisationen. „Ich bin sehr stolz darauf, am Entstehungsprozess der Choreografien beteiligt gewesen zu sein.“ Jurriaan ist vor allem Tänzer, aber das gemeinsame Singen nach der langen Corona-Zwangspause war bewegend für ihn. „Goethe!“ ist seine erste Premiere nach mehr als sieben Monaten.

Wenn er die Produktionen in Bad Hersfeld vergleicht, so ist er sicher: „,Goethe!‘ ist das anstrengendste Musical, „My fair Lady“ war das entspannteste“, sagt er schmunzelnd. „Wir haben dieses Jahr Unmengen an Umzügen“, erzählt er. Student, Jurist, Polizist, Ensemble und sogar einen Baum stellt der Niederländer in diesem Jahr dar. Dafür braucht es eine gute Kondition. „Ich habe bereits im März mit meinem Training begonnen und vor dem Warm-up mit dem Ensemble mache ich mein eigenes Warm-up“, sagt er. „In diesem Job muss man sehr bewusst mit dem eigenen Körper umgehen.“

Jurriaan steht seit 1999 beruflich auf der Bühne, nachdem er seine Ausbildung an der Hochschule für darstellende Kunst in Amsterdam abgeschlossen hatte.

Neben seinem Engagement in „Goethe!“ arbeitet Jurriaan Bles auch beim Theaterprojekt „Künste öffnen Welten“ mit.

Neben der Arbeit auf der Bühne engagiert sich der sympathische Niederländer in Bad Hersfeld beim Projekt „Künste öffnen Welten“. Dabei arbeiten die Konrad-Duden-Schule, die Hoehlsche Buchhandlung, S.M.O.G, das Wortreich und die Singschule der Hersfelder Kantorei zusammen. „Wir möchten Jugendlichen einen Raum geben, sich mit dem Theater zu befassen“, sagt Jurriaan. Sie lernen dabei, sich körperlich zu präsentieren und sich mit Worten zu äußern. „Das sind Basisprinzipien fürs Leben“, ist er sicher. Dabei sollen alle Kinder erreicht werden, auch diejenigen, „die vielleicht von Hause aus nicht oft mit Kultur und Theater in Berührung kommen.“

Bei „Lenas Geheimnis“ bei den Bad Hersfelder Festspielen wurden erste Kontakte zwischen Andrea Exner, einer der Initiatorinnen des Projektes, und Jurriaan geknüpft. Seitdem arbeitete er vor Corona oft mit den Jugendlichen in Bad Hersfeld zusammen, seit Beginn der Pandemie läuft die Zusammenarbeit online und per Videochats. Entstanden sind dabei unter anderem das Stück „Die Vitalisnacht“ und der Film „Lullusreise“.

Am neuen Projekt, das sich mit den Themen BRD, DDR, Grenzen, aber auch mit den amerikanischen Ureinwohnern beschäftigt, wir derzeit gearbeitet. „Leider durfte ich diese Saison in Bad Hersfeld wegen Corona nicht live mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten“, bedauert Jurriaan. Er hofft aber darauf, im September wieder neu starten zu können. „Der Enthusiasmus der Jugendlichen ist sehr erfrischend. Talent muss erkannt und gefördert werden.“ Geplant ist, wieder einen Film zu drehen. Die Kinder sollen bei „Künste öffnen Welten“ auch lernen, bewusstere Zuschauer zu werden.

Zuschauer bei „Goethe!“ waren in diesem Jahr auch Jurriaans Eltern aus den Niederlanden. „Aber wir sind hier alle eine große Festspiel-Familie“, findet er. Nach Bad Hersfeld geht es für Jurriaan zu Engagements in die Schweiz und dann nach Wien. Aber er ist sicher: „Immer wieder nach Bad Hersfeld zu kommen, ist sehr schön!“

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