Frust auf Homeschooling

Schon ein halbes Jahr im Homeschooling: Schülerin Leni Eisel ist unzufrieden.
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Schon ein halbes Jahr im Homeschooling: Schülerin Leni Eisel ist unzufrieden.

Schülerin aus Solz möchte wieder Präsenzunterricht

Solz/Obersuhl. Die Schülerin Leni Eisel aus Bebra-Solz besucht die 7. Klasse an der Blumensteinschule in Wildeck – doch in der Schule war sie schon lange nicht mehr. Regulärer Unterricht fand für sie zuletzt im November statt. Wechselunterricht gab es seither, wenn es möglich war, nur für Jahrgangsstufen 5 und 6 sowie die Abschlussklassen, die 7. und 8. Klassen mussten die ganze Zeit zu Hause bleiben. Nach so langer Zeit möchte Leni gerne wieder zur Schule gehen, denn beim Homeschooling hapert es. Während einige Lehrkräfte sich große Mühe geben, Onlinekonferenzen organisieren und auch außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeit erreichbar sind, verteilen andere nur ihre Aufgaben und erwarten, dass diese abgearbeitet werden. Sie selbst ist eine fleißige Schülerin und erledigt ihre Aufgaben gewissenhaft, doch das ist nicht bei allen Schülerinnen und Schülern so. Deshalb fragt sie sich, wie Lehrer, die kaum Kontakt zu ihren Schülern pflegen, am Ende gerechte Benotungen erteilen können. Das Online-System funktioniert ihrer Ansicht nach gut, doch gibt es auch hier immer wieder technische Probleme, denn längst nicht alle Schüler und Lehrer kommen mit der neuen Technik zurecht. Auch ist die Internetanbindung an der Schule selbst nicht sehr gut, so dass Lehrer mitunter von Zuhause und manchmal sogar mit Laptop oder Handy aus dem Auto heraus arbeiten müssen. So kommt es, dass die Schülerinnen und Schüler sich oftmals selbst organisieren, sich gegenseitig Hausaufgabenhilfe leisten und sich in Videokonferenzen zum gemeinsamen Lernen verabreden. Auch Lerninhalte aus anderen Online-Quellen, wie zum Beispiel Bildungs-Channels auf YouTube, nutzen sie eigenständig. Doch das kann natürlich die Schule nicht ersetzen. „Wir wollen endlich wieder gemeinsam lernen und mit unseren Mitschülern Lachen“, erklärt sie. Neben dem Fehlen der sozialen Kontakte belastete Leni in den vergangenen Monaten aber vor allem die Perspektivlosigkeit. Die ganze Zeit über nur Zuhause zu sein, zerrt an den Nerven. „Man hat einfach keinen Ansporn mehr“, berichtet sie. Um ihren Tagesablauf zu strukturieren, hat sie sich eigens ein neues Hobby zugelegt: Die Familie hat nun einige Hühner angeschafft, um die Leni sich täglich kümmert. Auch für die Familie bedeutete der neue Schulalltag Belastungen, angefangen bei den technischen Voraussetzungen. Ein neuer Laptop musste her, da der alte Computer den Anforderungen nicht genügte – dafür ging bereits der Großteil der Unterstützungsleistungen, die gezahlt wurden, drauf. Außerdem hat sich der Verschleiß an Druckerpatronen deutlich erhöht, denn die erledigten Aufgaben müssen ausgedruckt und in einer Mappe abgeheftet werden. Diese muss dann zur Kontrolle an die Lehrkräfte geschickt und auch wieder abgeholt werden. Auch sind Lenis Eltern nicht gerade begeistert darüber, dass die Kinder nun fast den ganzen Tag über ‚dienstlich‘ am Handy und Computer verbringen, denn es muss ständig geschaut werden, ob Nachrichten oder neue Aufgaben eingetroffen sind. Dabei hat die Familie Verständnis für den Ernst der Lage und auch die Maßnahmen. Nur dass einzelne Klassen monatelang vom Unterricht ausgeschlossen werden, ist ihnen unverständlich. Um ihrem Ärger Luft zu machen, entschied sich Leni, einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schreiben. Aus dem Bundeskanzleramt kam tatsächlich eine Antwort: Die Kanzlerin bat um Verständnis und Geduld, verwies aber in Sachen Schule auch an das Land Hessen als Schulträger. Ein weiterer Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier blieb jedoch unbeantwortet, was Leni sehr enttäuschte. Unterstützung erfährt sie jedoch durch die Lehrkräfte. Ihre Klassenlehrerin Lisa Herteux kann den Frust nachvollziehen. „Wir haben sehr viel Verständnis für die Schüler und ihre Situation. Das ist für uns alle nicht einfach.“ Manche Entscheidungen von oben seien tatsächlich nur schwer nachzuvollziehen. Zudem wurde auch die Lehrerschaft von den plötzlichen Schließungen überrascht und musste genau wie die Schüler erst einmal lernen, mit den neuen Verhältnissen umzugehen. Sehr stolz ist die aber über Lenis Initiative, auf die Probleme aufmerksam zu machen. Und nach den Monaten der Ungewissheit gibt es nun einen Lichtblick: Angesichts der sinkenden Indidenzwerte konnte die Schule am Freitag endlich wieder geöffnet werden.

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