„Für die Fauna und Flora desaströs“

+

Ein Leserbrief zum Thema „Landraub nur Wahlkampf-Thema“ von Dieter Gothe, stellv. Vorsitzender des NABU Kreisverbandes

Ein Leserbrief zum Thema "Landraub nur Wahlkampf-Thema" von Dieter Gothe, stellv. Vorsitzender des NABU Kreisverbandes:

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Naturschutzbund  Menschen aller politischen und gesellschaftlichen, sowie beruflichen Ausrichtungen in seinen Reihen hat. Darunter befinden sich auch zahlreiche Landwirte mit Zugang zum Natur- und Artenschutz. Mit Sorge sehen wir, dass der Faktor "Boden" auch zum Spekulationsobjekt von Firmen und Anlegern verkommt. Mit bekannten ­Folgen, die sich weiter ver-­schärfen. Das Artensterben in der Agrarlandschaft ist derzeit dramatisch und wird durch intensive Landwirtschaft verursacht. Mit der Entsorgung von medikamentenbelasteter Güllefracht aus Massentierhaltung werden die Böden vielfach überstrapaziert, Grundwasser und Bodenleben gefährdet. Für die natürliche Fauna und Flora desaströs.

Dabei werden an landwirtschaftliche Betriebsinhaber fünf- oder sechsstellige Summen aus den staatlichen Direktzahlungen und sogenannte ELER-Ausgleichszulagen in benachteiligten Gebieten gezahlt. Das "Cross-Compliance-Instrument" soll das Grund­wasser, Streuobstwiesen, Hecken und Arten erhalten. Dieses Ziel wird jedoch verfehlt. [...] Äcker und Wiesen als Kulturlandschaft für Mensch und ­Natur verarmen. CDU, SPD und Grüne sind sich auf Bundes- und Landesebene einig, dass dagegen entsprechende Schritte unternommen werden müssen. Landwirte sollen laut Bundesumweltministerium spätestens ab 2020 nur für konkrete Naturschutzleistungen bezahlt werden. Damit zukunftsorientierte, umsichtige Landwirte die Chance ergreifen können, die Grünlandflächen, Streuobstbestände, wertvolle Blühflächen, Feuchtflächen, Hecken- und Baumbestände durch gemeinsame Strategien zu pflegen und zu erhalten, um damit auch Geld zur Sicherung ihres Betriebes zu verdienen, setzt sich der NABU Hersfeld-Rotenburg für die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes ein. [...]

So fragwürdig die neue Streuobstwiese beim Umspannwerk in Mecklar sein mag; sie kann auch weiterhin von einem Landwirt genutzt werden und ist keinem "Landraub" oder   "Landfrass" zum Opfer gefallen. Das Land Hessen, vertreten durch den RP Kassel, hat mit dem Energieunternehmen und der Gemeinde eine Lösung gefunden und vorgreiflich eine beseitigte Streuobstwiese neu angelegt. Der Eigentümer hat dies freiwillig so akzeptiert. Naturschutzverbände und auch der Bauernverband haben an der Maßnahme nicht mitgewirkt.

Dies sollte Herr Diegel wissen, da der KBV im Naturschutzbeirat (!) des Kreises vertreten ist! Er sollte seine Ansichten und Attacken überprüfen und dazu beitragen, dass wir im Kreis durch LEADER-Förderung mit einem Landschaftspflegeverband ein Instrument in die Hand bekommen, um tatsächlich intelligentes Flächenmanagement im Interesse des Allgemeinwohls zu realisieren. Zeitgemäße Landwirtschaft und Artenschutz sind vereinbar. Den Kommunen kann damit ein deutlicher Vorteil erwachsen, wenn Graswege, Wegeseitenstreifen und viele andere Flächenteile, die weggeackert worden sind, endlich ökologisch – im Sinne des Gesetzgebers – fachgerecht genutzt werden.

Der KBV und sein Vorsitzender haben sich der wissenschaftlich hinterlegten politischen Zielsetzung zu stellen. Sie sind Teil der Gesellschaft und haben keine alleinige Verfügungsgewalt auf alle Flächen im Agrarbereich.

Artenvielfalt, saubere Bäche und Flüsse, Trinkwasser ohne Herbizid und Nitratbelastung und die Verringerung der Erosion auf Ackerstandorten in Auen und Hanglagen haben Gemeinwohlvorrang. Hierfür muss die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten und bekommt dafür Geld vom Staat.

Dieter Gothe,stellv. Vorsitzender desNABU Kreisverbandes

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen
Fulda

Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen

Der Benzinpreis nähert sich historischem Hoch: Ein Klartext von Redaktionsvolontärin Martina Lewinski.
Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen
Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben
Kassel

Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben

Die Glinicke Gruppe, eine der großen familiengeführten Automobil-Handelsgruppen Deutschlands mit Gründungssitz in Kassel, trauert um ihren Seniorchef Peter Glinicke, der …
Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben
Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Kassel

Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese

Der Kasseler Oktoberspass lockt vom 1. bis zum 24. Oktober mit vielen Attraktionen auf die Schwanenwiese Kassel.
Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Homberg: Asylbewerber bedroht Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit Messer
Kassel

Homberg: Asylbewerber bedroht Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit Messer

Asylbewerber bedrohte Mitarbeiter der Ausländerbehörde Schwalm-Eder mit einem Küchenmesser und wird durch Polizei festgenommen. Es wurden keine Personen verletzt.
Homberg: Asylbewerber bedroht Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit Messer

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.