JVA Fulda: Ein Besuch hinter Gittern

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Wie das Leben eines Sträflings aussieht, zeigen exklusive Einblicke, die JVA-Leiter Winfried Michel lokalo24.de ermöglichte.

Fulda. Aufstehen ab 5 Uhr. Auf zur Arbeit. Mittagessen um 12 Uhr. Weiterarbeiten bis Feierabend um 15 Uhr. 60 Minuten Hofgang. ­Danach Abendessen und abendliche Freizeitveranstaltungen. Nacht-ruhe ab 22 Uhr.Der Alltag in Fuldas Justizvollzuganstalt (JVA), einer der kleinsten Anstalten Hessens, ist streng durchgeplant. Und das muss er auch, denn: "Hier trifft der Eierdieb auf den Mörder", wie JVA-Leiter Winfried Michel erklärt. Das heißt im Klartext: Gefangene, die schwere Delikte begangen haben, treffen auf Gefangene, die leichte Delikte begangen haben.

Um eventuelle Zwischenfälle zu vermeiden werden die Insassen bestmöglich betreut und beschäftigt. ­Insgesamt rund 70 Straftäter sitzen derzeit in Fulda ein – Platz wäre für 86. Zu den 86 Haftplätzen zählen auch neun Plätze für den offenen Vollzug. Michel sagt: "Zwar sind wir im Moment etwas ‘unterbelegt’. Doch kleine, schlagkräftige Anstalten sind mir lieber, da wir so besser auf die einzelnen Gefangenen eingehen können."

Solche, die nach strenger Beobachtung als "geeignet" erachtet werden, können in den offenen Vollzug verlegt werden. Dies ist laut Michel "die höchstmögliche Form der Integration eines Gefangenen". Die Häftlinge, die diese Form der Inhaftierung erfahren, ­arbeiten außerhalb des Gefängnisses und kommen meist nur zum Schlafen in die Zelle. Doch in den offenen Vollzug werden nur die wenigsten Insassen übermittelt. "Im offenen Vollzug leben nur Menschen, die nicht hochgradig suchtgefährdet sind, keine offene Strafverfahren haben und die nicht als rückfällig eingeschätzt werden", so ­Michel.Und weiter: "Nur wer sich im geschlossenen Vollzug richtig verhält und integriert, erhält die Chance, in den offenen zu wechseln."

Mit unterschiedlichen Beschäftigungstherapien sorgt die JVA dafür, Insassen bestmöglich zu resozialisieren und auf die Zeit nach dem Gefängnisaufenthalt vorzubereiten. Zum Beispiel mit einer festen Tagesstruktur. Da die meisten Fuldaer Häftlinge "nur" Strafen von bis zu 24 Monaten absitzen müssen, reicht die Zeit nicht, um eine Ausbildung zu beginnen. Stattdessen arbeiten die Häftlinge in der Küche, planen und bereiten das Essen zu – das  in der Regel "lecker und Mensaessen ähnlich" sei – oder verrichten Hilfsdienste innerhalb des Hauses. Der Großteil jedoch arbeitet in einem der drei Unternehmerbetriebe: Externe Firmen lassen bestimmte Dinge in der JVA anfertigen, unter anderem Bohr- und Schleifarbeiten im Metallbereich.

"Hartzhaftes Kochen"

Neu von Sozialpädagogin ­Andrea Koch auf den Weg gebracht wurde das Projekt "Kreativwerkstatt" mit der dazugehörigen Initiative "Hartzhaft Kochen": Unter Anleitung lernen die Gefangenen, ihr Essen preiswert und gesund zuzubereiten.

"Papas Treff" bietet Gefangenen die Möglichkeit, ihre Kinder in regelmäßigen Abständen (von 2 bis 3 Monaten) zu sehen. Die Termine werden ausschließlich dazu genutzt, Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Der Anstaltsleiter weiß: "Dann kommt es auch schonmal vor, dass selbst die härtesten Gefangenen mit ihrem Sohn auf dem Auto-­teppich spielen."

Und auch Sport ist ein gutes Mittel, um soziales Verhalten zu trainieren und Aggressionen abzubauen. Deshalb gibt es in der JVA Fulda nicht nur mehrmaligen Gruppensport pro Woche, sondern auch einen Fitnessraum.

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