Geschäfte mit Altkleidern – Kindersuchhilfe: Wieviel von den Spenden kommt an?

Ludwigsau-Mecklar/-Meckbach. Am Mittwoch tauchte in den Briefkästen vieler Waldhessen ein Flyer mit der Bitte auf, ausgetragene Schuhe und Kleider zu

Ludwigsau-Mecklar/-Meckbach.Am Mittwoch tauchte in den Briefkästen vieler Waldhessen ein Flyer mit der Bitte auf, ausgetragene Schuhe und Kleider zu spenden. Diese sollen zur Unterstützung des Vereines Kindersuchhilfe dienen. Neben Kleidung bittet der Sammler unter anderem um Töpfe, Geschirr und "gut erhaltene, brauchbare Autoreifen, mindestens 3,5 mm Profil". Stellt sich die Frage, was Obdachlose, bedürftige Familien und Kinder, die sich angeblich zwei Mal im Jahr kostenlos bei der Kindersuchhilfe einkleiden dürfen, mit Autoreifen anfangen sollen.

Doch eine mögliche Erklärung findet der aufmerksame Leser weiter unten im Kleingedruckten. Dort steht: "Verantwortlich für die Durchführung und Organisation dieser gewerblichen Sammlung ist die Firma Ercan, Industriestraße 1, 63150 Heusenstamm".

Die Betonung liegt auf "gewerbliche Sammlung". Recherchen im Internet haben ergeben, dass das Recyclingunternehmen Ercan nicht unbekannt ist.

Im Online-Blog roedelheim.blogspot.de schreibt Andreas Nöthen Ende März 2012: "Gesammelt wird von dem Recyclingunternehmen Ercan nicht etwa im Auftrag der Kindersuchhilfe. Sondern in erster Linie sammelt Ercan, um die alten Klamotten und Schuhe zu Geld zu machen. Ein Teil wird geschreddert, besser erhaltene Stücke finden ihren Weg zurück in den Wertschöpfungskreislauf in Secondhand-Läden Ob und wie viel des Erlöses tatsächlich bei der Kindersuchhilfe ankommt, vermag niemand richtig zu sagen. Verbraucherschützer schätzen den Anteil auf maximal 8 bis 10 Prozent."

Das wird auf der Homepage der Kindersuchhilfe sogar offen zugegeben. Allerdings etwas schwer einsichtig in einer Online-Nachrichtenlaufleiste. Dort heißt es wörtlich: "Der Verein Kindersuchhilfe e.v., erhält aus dem Erlös der gespendeten Waren eine monatliche Zuwendung und Sachspenden, sowie brauchbare Kleidung, Geschirr und Spielwaren."

In einem Artikel der Lausitzer Rundschau, der auf der Homepage der Kindersuchhilfe zu finden ist, steht es noch deutlicher: "Der gemeinnützige Verein Kindersuchhilfe profitiert nur indirekt mit zehn Prozent des Gesamtumsatzes."

Die Vorgehensweise der Kindersuchhilfe wird auch vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das die Öffentlichkeit über die Seriosität von Spendenorganen informiert, skeptisch betrachtet. Auf ihrer Homepage heißt es, dass man sich bei den Verantwortlichen der Organisation mehrfach um aussagekräftige Informationen bemüht habe, der Bitte jedoch nicht entsprochen wurde. Deswegen sei dem DZI eine umfassende Einschätzung der Organisation nicht möglich. Und weiter: "Es (das DZI, Anm. d. Red.) kann unter anderem nicht beurteilen, ob die von der Organisation veröffentlichten Werbe- und Informationsmaterialien klar, wahr, sachlich und offen gestaltet sind und die Werbe- und Verwaltungsausgaben im vertretbaren Rahmen liegen."

Die Vorgehensweise der Kindersuchhilfe, deren Sitz in Aschaffenburg ist, bleibt fragwürdig. Wer seine alten Kleider spenden möchte und damit Gutes tun will, sollte dies eher bei einer waldhessischen Organisation tun.

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