Die Geschichte von Emil wird auf der Bühne gelebt

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Marc Schubring, der Schöpfer des Familienmusicals „Emil und die Detektive“, besuchte die Premiere des Stückes bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Musicalkomponist Marc Schubring im Gespräch über „Emil und die Detektive" bei den "Bad Hersfelder Festspielen".

Bad Hersfeld - Marc Schubring, der Komponist des Familienmusicals „Emil und die Detektive“, besuchte die Premiere des Stückes bei den Bad Hersfelder Festspielen. Der KREISANZEIGER nutzte die Gelegenheit und sprach mit dem Komponisten über sein Werk und die Inszenierung von Rainer Niermann auf der Festspielbühne.

KREISANZEIGER: Wie kam es dazu, den berühmten Klassiker „Emil und die Detektive“ in ein modernes Musical umzuarbeiten?

Marc Schubring: Ich bin gebürtiger Berliner und schon als Kind habe ich Kästners Buch geliebt und hatte bald nach meinem Kompositionsstudium die Idee, die Geschichte als Musical zu adaptieren, zumal ich in Wilmersdorf aufgewachsen bin, also der Gegend, in der Emil, Gustav und die Detektive ihre Verbrecherjagd beginnen. Es sollte so klingen, als hätten Wolfgang Adenberg, der Textautor, und ich mit Kästner an einem Tisch gesessen. Deshalb haben wir das Stück in den 20er Jahren belassen, auch was die musikalische Stilistik betrifft. Dieser Ansatz und die ersten Lieder überzeugten den Verlag. Wir bekamen die Rechte, und 2001 wurde unsere Musicalfassung am „Theater am Potsdamer Platz“ in Berlin uraufgeführt.

 

KA: Sie haben auch „Pünktchen und Anton“ zu einem Musical gemacht. Verbindet Sie etwas mit Erich Kästner?

MS:

Erich Kästner ist ein großartiger Autor, seine Texte haben inhaltlich und sprachlich eine Qualität, die ihresgleichen sucht, geistreich, relevant, mit Tiefe, Augen- zwinkern und voller Gefühl. Er macht keinen Unterschied, ob er für Kinder oder Erwachsene schreibt. Das ist auch mein Anspruch. Neben „Pünktchen und Anton“ habe ich auch eine Fassung vom „Doppelten Lottchen“ geschrieben, das unter dem Namen „Double Trouble“ 2015 in Washington seine amerikanische Uraufführung hatte. In gewissem Abstand kann ich mir auch noch weitere Werke Kästners vorstellen, sie in Musiktheater zu verwandeln.

 

KA: Worin besteht der Unterschied, Musik für Kinder oder Erwachsene zu schreiben? Was sollte ein Komponist bei einem Kindermusical besonders beachten?

MS:

Eigentlich gibt es keinen Unterschied. Wir sollten nicht den Fehler machen, Kinder zu unterschätzen. Im Gegenteil: Kinder wie Erwachsene vertragen es, gute Stücke zu sehen. Und auch wenn die Geschichte und die Musik vordergründig eingängig ist, kann sie trotzdem gut gebaut und komplex sein. Deshalb würde ich „Emil und die Detektive“ auch als Familienmusical bezeichnen.

 

KA: Die erdachte Musik auf eine Bühne mit echten Akteuren zu erleben – was löst das in Ihnen aus?

MS:

Bei einer Uraufführung ist immer ein ganz besonderer Moment, wenn das Orchester zum ersten Mal probt und meine Musik erklingt und die Lieder zum ersten Mal gesungen werden. Auch jetzt war es wieder wunderbar mitzuerleben, wie unser Musical auf dieser so besonderen Freilichtbühne zum Leben erweckt wird.

 

KA: Was sagen Sie zur Aufführung bei den Bad Hersfelder Festspielen? Wie hat es Ihnen gefallen?

MS:

Dieser Theaterraum ist umwerfend und der Regisseur Rainer Niermann mit seinem hervorragenden Team hat ihn wunderbar gefüllt, beispielsweise wenn die Berliner Kinder zum ersten Mal die Bühne stürmen, der böse Grundeis aus den Untiefen auftaucht, Koffer auf Reisen gehen oder wenn sich Emil in der großen Stadt verirrt. Dazu ein mitreißendes Ensemble, ein versierter Erzähler, große und kleine Akteure, die mit ihrer Spielfreude und Begeisterung nicht nur mich überzeugt, sondern auch das Publikum bei der ausverkauften Premiere von den Stühlen gerissen haben.

KA: Die Stiftsruine Bad Hersfeld als Spielort – haben Sie „Emil“ jemals auf einer so großen Bühne gesehen? Wie wirkte Ihr Musical auf dieser Bühne auf Sie?

MS

: Die Bühne bei der Uraufführung am „Theater am Potsdamer Platz“ war zwar auch recht groß. Dort haben wir teilweise vor 2.000 Zuschauern gespielt, aber Bad Hersfeld bietet natürlich allein von den Gegebenheiten faszinierende Möglichkeiten und eine unvergleichliche Atmosphäre. Mit wenigen effektiven Mitteln fühlt man sich sogar in die Großstadt Berlin der 20er Jahre versetzt. Ich bin Intendant Joern Hinkel sehr dankbar, dass er „Emil“ hierher geholt hat.

 

KA: Ihre Meinung zum Bad Hersfelder Ensemble, das Ihr Musical in dieser Spielzeit auf die Bühne bringt, würde mich noch interessieren.

MS:

Es ist kolossal, was das Kreativteam um Regisseur Niermann in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat. Die Spielfreude ist durch die Bank zu spüren. Bei den „großen Kindern“, also den Erwachsenen, fiel mir stimmlich und schauspielerisch besonders Matthias Schlung als Erzähler auf, der in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft. Auch weil er den Stil der 20er Jahre so wunderbar trifft. Und zu sehen, mit welcher Begeisterung das Kinderensemble diese Geschichte lebt, und wie der Zusammenhalt zwischen Emil, Gustav beziehungsweise Gustinchen, Professor, Pony Hütchen, dem kleinen Dienstag und all den Detektiven sich auch hinter der Bühne fortsetzt, ist eine wahre Freude. Ich wünschte, ich könnte alle Vorstellungen sehen, denn es ist besonders spannend, wie sich die Kinder in dieser Zeit künstlerisch entwickeln.

Schubring besuchte die Festspiele mit seiner Gattin Ulrike Frank, der „Katrin Fleming“ in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

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