Geschichte wird lebendig: 80 Kinder und Jugendliche spielen die Vitalisnacht

Vitalisnacht in der Bad Hersfelder Stiftsruine.
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Vitalisnacht in der Bad Hersfelder Stiftsruine.
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Das neueste Stück "Vitalisnacht" des Projekts "Künste öffnen Welten" wurde jetzt in Teilen zum Mittelaltermarkt in der Bad Hersfelder Stiftsruine aufgeführt.

Bad Hersfeld - Lebendige Stadtgeschichte boten die rund 80 Kinder vom Projekt „Künste öffnen Welten“ am Wochenende in der Stiftsruine. „Vitalisnacht“ ist der Titel des Stückes, das die Kinde rund Jugendlichen von fünf bis 17 Jahren in vier Wochenend-Workshops erarbeitet hatten. Die Schüler besuchen hauptsächlich die Konrad-Duden-Schule (KDS) und die Gesamtschule Obersberg.

Innerhalb des „Mittelaltermarktes“ wurden nun einige Szenen des insgesamt rund anderthalbstündigen Stückes präsentiert. Die Bühnenfassung stammt von Festspiel-Musicaldarsteller Jurriaan Bles und Andrea Exner, Lehrerin der KDS. Bles führte auch Regie und choreographierte die Tanzszenen. Den Text nach der Sage von Rudolf Clermont verfasste Stefan Engel, ebenfalls Lehrer an der KDS, die Musik schrieb Stadtkirchenkantor Sebastian Bethge.

In der Vitalisnacht geht es um den Angriff des Stiftes unter Abt Berthold von Völkershausen im Jahr 1378, der sich mit den Sterner-Rittern verbündet hatte, um die Stadt und deren Bürger anzugreifen. Erfolglos, wie sich später herausstellen sollte. Ganz und gar nicht erfolglos waren die Aufführungen unter freiem Himmel im Innenraum der Stiftsruine, von denen am Samstag eine Präsentation wetterbdingt abgesagt werden musste. Die vier Berufsgruppen der Schmiede, Bäcker, Weberinnen und Brauer stellten sich vor und der Konflikt zwischen Stift und Stadt mit einer ausgeklügelten Choreographie standen am Ende der jeweils rund 25 Minuten. Zahlreiche Zuschauer hatten sich trotz der tiefen Pfützen auf dem Ruinenboden eingefunden und beklatschten die schauspielenden Kinder ebenso wie die Kantorettis und Musikmäuse der Hersfelder Singschule, die den sängerischen Part übernommen hatten.

Beeindruckende Darstellung

Die Darstellungen der Jugendlichen überzeugten schon in den kurzen Szenen – egal ob im großen Ensemble, als Berufsgruppe oder in solistischer Besetzung. Hier sind Lukas Landefeld als kampfbereiter Abt Berthold und Lana Doncev als ausgleichende, aber dennoch ihre Stadt verteidigende Bürgermeisterin. Emilia Wischer und Lunis Landefeld bezauberten als keusches Liebespaar und auch die anderen kleineren Sprechrollen wussten zu überzeugen. Doch das Gesamtbild war von den je nach Berufsgruppe mit gelben, roten, blauen, weißen oder grünen Ponchos gekleideten und den grau mit Kettenkapuzen gewandeten Ritter geprägt.

Schmissig war das Bier-Lied der Brauer, sanft klang das Lied die Weberinnen, effektvoll das der Bäcker und rhythmisch das der Schmiede. Dazu die von Bethge komponierte sehr melodische „Hersfeld-Hymne“ und marschartige Kampfmusik – auch musikalisch überzeugte das Stück.

 Bis zum Frühjahr des kommenden Jahres werden die Schüler und die Verantwortlichen, zu denen die weiteren Kooperationspartner von „Künste öffnen Welten“ Yvonne Spyt (wortreich), Christel Zimmermann (Hoehlsche Buchhandlung), Heide Aust („SMOG“) und Annelie Hopt (Hersfelder Singschule) gehören, den Rest des Stückes erarbeiten. Eines ist sicher: Der erste Einblick in das, was die Jungdarsteller zu leisten vermögen, lässt die Komplett-Aufführungen um Ostern herum und zum Hessentag mit Spannung erwarten.

Hintergrund

Als Programmpartner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) Bildungsbündnisse auf lokaler Ebene, in denen Akteure Kultureller Bildung mit Schulen und sozialräumlichen Partnern zusammenarbeiten und mittelfristige Projektvorhaben realisieren. Das BKJ-Förderprogramm im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" heißt Künste öffnen Welten. Bereits in der zweiten Förderphase nehmen die Konrad-Duden-Schule (KulturSchule des Landes Hessen), SMOG e. V. (Schule machen ohne Gewalt), die Hoehlsche Buchhandlung sowie das wortreich (Wissens- und Erlebniswelt für Sprache und Kommunikation) an diesem Programm teil; neu hinzugewonnen werden konnte die Hersfelder Singschule der Musik an der Stadtkirche.

Mit einer breiten Palette künstlerischer und kulturpädagogischer Ansätze und dem vielfältigen Know-how aus dem kulturellen, pädagogischen und sozialen Bereich werden Projekte entwickelt und umgesetzt, welche Kindern und Jugendlichen im außerschulischen Bereich ganzheitliche Bildung ermöglichen und ihre Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Unser Projekt soll es den 43 schauspielenden sowie 35 singenden Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und siebzehn Jahren ermöglichen, Traditionen zu entdecken, zu bewerten und unter anderem in die heutige Zeit zu übertragen.

Dem Kennenlernen der lokalen Geschichte zur Vitalisnacht folgt bei der szenischen Umsetzung mit Musik der Einbezug der persönlichen Interessen, aktuell relevanter Themen und Fragestellungen. Die Teilnehmenden wählen aus vorgegebenen Arbeitsformen aus, kombinieren diese und entwickeln durchaus auch eigene kulturelle Ausdrucksformen.

Dabei bilden die individuellen Stärken und Talente die Grundlage für den gemeinsamen künstlerischen Prozess; Experten vermitteln genrespezifische Techniken. Ein in regelmäßigen Abständen präsentiertes Stück Stadtgeschichte gewährleistet sowohl eine kommunale Verankerung als auch im Sinne der Nachhaltigkeit die Möglichkeit, immer wieder neue Kinder und Jugendliche teilhaben zu lassen.

Die Vitalisnacht

Im Jahr 1373 schloss die Stadt Hersfeld ein Schutz- und Trutzbündnis mit den Landgrafen von Hessen und Thüringen ab. Immer häufiger kam es zu Ärgernissen zwischen dem Abt und der Stadt. Abt Berthold von Völkershausen stellte sich auf die Seite des Bistums Mainz und verbündete sich, um seinen schwindenden Einfluss auf die Stadt wiederherzustellen, mit dem Sternerbund, der sich wiederum gegen den Landgrafen von Hessen stellte. In der Vitalisnacht vom 28.4.1378 auf den 29.4.1378 versuchte der Abt des Stiftes Hersfeld Berthold von Völkershausen mit Hilfe des Sternerbundes, die Herrschaft über die Stadt Hersfeld zu erlangen. Die Vorbereitungen zum Sturm auf die Stadt wurden in aller Heimlichkeit getroffen: Abt Berthold wollte mehrere bewaffnete Sterner Ritter in der Stadtwohnung seines Dekans verstecken. Der Dekan sollte die Stadträte und Schöffen zu einer privaten Feier einladen. Sobald die Stadtoberen betrunken gewesen wären, sollten die Sterner Ritter diese töten und danach die Stadttore besetzen. Am frühen Morgen sollten sie diese dann für die Ritter öffnen, damit sie die unverteidigte Stadt besetzen können. Doch Simon von Haune konnte das mit seiner ritterlichen Ehre nicht vereinbaren und kündete durch einen Brief der Stadt die Fehde an. Am Morgen trafen die Ritter aus Richtung des Finstertals (heute die „Alpen“) kommend auf Höhe des heutigen Finanzamtes auf verteidigungsbereite Bürger. Beim Versuch, die Mauern zu stürmen, wurde einem der Anführer, Ritter Eberhard von Engern, der sich kurz zuvor gerühmt hatte, er habe schon neun Städte erstiegen und wolle nun auch mit der zehnten fertig werden, von einem Armbrustbolzen durch den eisernen Helm in die Stirn geschossen. Seine durchbohrte Haube hängte man als Siegestrophäe an das Rathaus. Trotz des Erfolges der Hersfelder gingen beide Seiten als Verlierer aus dem Kampf hervor. Heute erinnert das Vitaliskreuz an das Ereignis. Es steht an dem Ort, an dem die Sterner Ritter die äußere Stadtmauer übersteigen wollten. Neben zwei Texten in deutscher Sprache ist ein von Konrad Duden verfasstes lateinisches Chronogramm auf dem 1878 anlässlich der 500-Jahrfeier neu errichteten Sockel zu lesen.

Zum Stück

„Die Vitalisnacht - ein Stück lebendig gewordene Stadtgeschichte" nach der alten Sage von Rudolf Clermont neu erzählt von Stefan Engel

Bühnenfassung von Jurriaan Bles und Andrea Exner

Regie und Choreographie: Jurriaan Bles

Musikalische Leitung: Sebastian Bethge

Administration: Heide Aust

Koordination: Andrea Exner

Kostüm und Requisite: Yvonne Spyt und Andrea Exner

Betreuung der Teilnehmer: Andrea Exner, Annelie Hopt, Yvonne Spyt, Sebastian Bethge, Johannes Gunkel, Christel Zimmermann, Bärbel Lübeck und Hans Georg Lübeck

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