Die Gewinnspiel-Masche von Reader's Digest

Ludwigsau. Wer kennt sie nicht, die Werbepost, die große Gewinne verspricht: "Frau Keller, Sie haben es geschafft! 94 Prozent aller Einwohner

Ludwigsau. Wer kennt sie nicht, die Werbepost, die große Gewinne verspricht: "Frau Keller, Sie haben es geschafft! 94 Prozent aller Einwohner Deutschlands sind nicht berechtigt, von unseren exklusiven Chancen zu profitieren..." heißt es in einem Brief, der in der vergangenen Woche bei Maria Keller* im Briefkasten lag. In dem Schreiben von Reader’s Digest wird der 75-jährigen Rentnerin eine Verlosung schmackhaft gemacht, die einen Maximal-Gewinn von 600.000 Euro verspricht.

"Ich war sofort skeptisch", sagt Keller. "Wo bekommt man heutzutage schließlich noch etwas geschenkt? Vor allem, weil ich an keinem Gewinnspiel oder dergleichen teilgenommen hatte", sagt sie. Der Brief von Reader’s Digest verspricht aber noch mehr: Sollte Maria Keller gewinnen, würde sie mit einer Limousine von zu Hause abgeholt und zum Bahnhof gefahren werden, um dann mit dem ICE zur Scheckübergabe nach Baden-Baden gebracht zu werden. "Dort kann ich ein Luxuswochenende in einem exklusiven Hotel verbringen", sagt sie. In dem Brief wird angekündigt, dass Maria Keller in den nächsten Tagen ein weiteres Schreiben mit genaueren Anweisungen erhalten werde. Wenn sie diese schnell befolge und den Brief umgehend zurückschicke, habe sie zusätzlich die Chance auf einen neuen Fernseher.

Und tatsächlich: Vier Tage später findet sie einen weiteren Brief in der Post. Dieses Mal fordert Reader’s Digest Maria Keller auf, verschiedene Aufkleber an ausgewählte Stellen von Brief und Umschlag zu kleben, um an dem 600.000-Euro-Gewinnspiel teilzunehmen. Aber sie kann noch mehr gewinnen: Da ist der Sofort-Bonus von 40.000 Euro, eine Sonderverlosung in Höhe von 2.000 Euro und auch noch zwei Autos, die Keller möglicherweise schon bald ihr Eigen nennen kann.

Bei genauerer Lektüre wird allerdings klar, um was es Reader’s Digest wirklich geht: "Sie erhalten die Möglichkeit, ein geradezu einzigartiges Kartenwerk kennen zu lernen den Reader’s Digest Weltatlas." Die Kosten findet der aufmerksame Leser auf der Rückseite: 19,95 Euro.

Die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt auf ihrer Homepage: "Zwar ist die Teilnahme an den jeweiligen Verlosungen nicht zwingend an eine Produktanforderung oder einen Kauf gebunden. Die ausschließliche Teilnahme an den Gewinnspielen wird aber durch die umständlichen Anforderungen an die verschiedenen Registrierungen – "Kleben Sie hier....", "Stecken Sie da....", "Rubbeln Sie dort…" – auffallend erschwert. Hierdurch werden aus unserer Sicht Produktanforderungen provoziert." Um kein Risiko mit "unfreiwilligen" Buchsendungen einzugehen, rät deswegen die Verbraucherzentrale Hamburg: Diese Werbung von Reader’s Digest gehört in den Papiermüll!"

Internetrecherchen haben ergeben, dass Reader’s Digest mit seiner Masche kein Unbekannter ist. Viele Menschen beschweren sich im Internet über die ständige Post, die teilweise im Wochenrhythmus eintrudelt, andere stellen die Seriosität von Reader’s Digest in Frage. Bei der Ratgeber-Community "gutefrage. net" schreibt Uwe Horn, Pressesprecher Reader's Digest, am 14. Juli 2010: "Hallo, unsere Werbung ist Geschmackssache. Ich gebe gerne zu – dem einen gefällt sie, anderen nicht. Aber die Gewinne, die Reader's Digest auslobt, werden jedes Jahr ausgezahlt."

*Name wurde von der Redaktion geändert

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Stellungnahme von Reader's Digest

Der KA fragte bei Reader’s Digest nach. Hier die Stellungnahme von Karsten Seidel, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei Reader’s Digest Deutschland, Schweiz und Österreich

Sehr geehrte Frau Rübsam,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Gerne beantworte ich Ihre Fragen. Zunächst einmal, ja, wir verlosen ansehnliche Geldpreise und auch einige Sachpreise. Wir führen seit 1964 Verlosungen durch und haben in dieser Zeit an rund 475.000 Gewinner Preise im Wert von mehr als 35 Millionen Euro ausgeschüttet.

Die nächste Preisvergabe wird im März stattfinden, und zwar wie auch im vergangenen Jahr im Rahmen einer Veranstaltung in Baden-Baden. Sie können unter der Adresse http://www.gratisverlosung.info/ nicht nur die Liste der letztjährigen Gewinner abrufen, sondern auch einige Eindrücke von der Gewinnerparty 2012 gewinnen.

Was Ihre weiteren Fragen betrifft: Unsere Verlosung findet im Rahmen von Aufmerksamkeitswerbung statt. Unsere Werbung soll unsere derzeitigen und potentiellen Kunden über unser Angebot, insbesondere neue Produkte, informieren. Wenn wir dabei den Werbeempfängern zusätzlich die Möglichkeit einräumen, an der von uns veranstalteten Gratisverlosung teilzunehmen, geschieht dies unabhängig von einer Bestellung und auch immer unter dem Hinweis, dass es sich um eine Gewinnchance handelt.

Lassen Sie mich abschließend das Stichwort "Verbraucherzentrale" aufgreifen. Wir wünschen uns als Unternehmen eine differenziertere Betrachtungsweise unserer Werbung seitens der Verbraucherzentralen. Leider stoßen wir auch immer wieder auf sehr subjektive Bewertungen unserer Werbung durch einzelne Mitarbeiter von Verbraucherzentralen, denen unsere Werbung nicht gefällt.

Bezeichnenderweise behauptet auch die von Ihnen genannte Verbraucherzentrale Hamburg nicht, wir würden nicht rechtskonform handeln. Tatsächlich ist Werbung, wie von unserem Pressesprecher im Juli formuliert, Geschmackssache. Sie darf und soll polarisieren.

Die Kritik einzelner Verbraucherzentralen an unserer Werbung halten wir für unberechtigt. Zahlreiche Kunden, denen insbesondere die spielerischen und unterhaltenden Elemente in unserer Werbung gefallen und die daher gerne mitmachen, geben uns immer wieder positive Rückmeldungen. Werbung darf auch Spaß machen und muss nicht klingen wie der Beipackzettel eines Arzneimittels! Es steht außer Zweifel, dass wir in unserer Werbung sämtliche Gesetze und rechtlichen Vorschriften einhalten. Wir führen seit Jahrzehnten seriöse Gratisverlosungen durch. Die ausgelobten Gewinne werden lückenlos nachweisbar vergeben und ausgezahlt. Für unsere Produkte besteht keine Abnahmeverpflichtung.

Klar ist: Man muss lesen, was in der Werbung steht. Wir sehen den Verbraucher als mündig an: Verbraucher können selbst entscheiden, was sie nach der Lektüre unserer Werbung machen.

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