Große Vorfreude: Ronny Miersch im Strandkorb-Geplauder

Ronny Miersch im Gespräch mit KA-Redakteur Philipp Ling.

"Prozess"-Hauptdarsteller Ronny Miersch fiebert der Premiere entgegen.

Bad Hersfeld - Der Hessentag ist vorbei und schon steht das nächste Highlight an: Die 69. Bad Hersfelder Festspiele stehen in den Startlöchern. Schon seit Mitte Mai wird eifrig für das Premierenstück „Der Prozess“ von Franz Kafka geprobt. Dennoch nahm sich Hauptdarsteller Ronny Miersch die Zeit zu einem kleinen Strandkorb-Geplauder. Eine Affinität zur Schauspielerei hatte Miersch schon immer: Bereits mit 13 beindruckte er mit einem Gedichtvortrag an der Schule und nahm bis zum Abitur an der Theatergruppe teil. Doch bei der Berufswahl war er sich unsicher, ob die Schauspielerei das Richtige sei und schrieb sich zunächst für ein Lehramtsstudium ein. Erst auf Anraten seiner Mutter, es doch wenigstens zu probieren, bewarb er sich auch an Schauspielschulen. „Wenn es wirklich sein soll, dann werde ich auch angenommen“, sagte er sich – und prompt erhielt er die Zusage der renommierten Schauspielschule in Leipzig. Da musste er nicht zweimal überlegen, und es erwies sich als die richtige Entscheidung. Auf das Studium folgte die Anstellung im Schauspielhaus Bochum, mit dem ein weiterer Herzenswunsch in Erfüllung ging. Anschließend war er mehrere Jahre als Gastschauspieler auf verschiedenen Bühnen unterwegs. „Das waren ganz tolle Erlebnisse und ich habe Ecken in Deutschland gesehen, wo ich vorher noch nie war“, erinnert er sich. Sein Engagement in Bad Hersfeld war wohl wiederum vom Schicksal geleitet. Von den Kollegen hatte er schon oft von den Festspielen gehört, doch zeitlich hat es für ihn nie gepasst, stets überschnitt sich die Festspielzeit mit anderen Engagements. Über die früheren Kollegen vom Schauspielhaus Bochum (die in diesem Jahr wieder in „Shakespeare in Love“ zu sehen sind) kam schließlich der Kontakt zustande. „Dann kam plötzlich der Anruf zum Casting – es war wohl wieder einmal so: Wenn es sein soll, dann passiert es einfach.“ Dabei ging er ohne besondere Erwartungen an seine neue Aufgabe, ließ die Dinge auf sich wirken – und fühlte sich in Bad Hersfeld gleich sehr wohl: „Es ist alles neu und aufregend hier – ein richtiges Abenteuer. Hier herrscht ein besonderer Geist, der einen beflügelt.“ Das liege aber auch an dem Ensemble: „Man hat nicht immer so ein super Team, alle sind sehr offen und experimentierfreudig.“ So machen die Proben auch großen Spaß und seiner Premiere sieht Miersch mit großer Vorfreude entgegen.

Einiges an Arbeit gehört natürlich auch dazu, zumal er als Hauptdarsteller fast durchgängig auf der Bühne stehen wird. „Zum Glück bin ich ein schneller Textlerner“, sagt er. Die Vorlage als Roman und die moderne Fassung gestatte außerdem einen gewissen Freiraum, da der Text nicht Wort für Wort wiedergegeben werden muss wie bei einer Versdichtung. Nichtsdestotrotz ist es eine anspruchsvolle Rolle. „Josef K. bleibt oft ganz unnahbar. Man kriegt keinen Zugang zu ihm, oft sieht man ihn nur reagieren“, berichtet Miersch. Als Sympathieträger wird die Figur eher nicht gesehen – doch Miersch will auch nicht um Sympathie buhlen: „Ich will ihn als Mensch zeigen, den man erleben und fühlen kann.“ Dabei sei Josef K. nicht nur Opfer: „Er ist jemand, der die Dinge nicht einfach hinnimmt, so wie viele andere das tun. Er legt sich mit dem System an – und ist sich der Gefahr durchaus bewusst. Das macht ihn dann vielleicht auch sympathisch.“ Von Joern Hinkels moderner Fassung, in der auch Kafkas hintergründiger, absurder Humor herausgearbeitet wird, ist er begeistert: „Wir hatten bei Proben schon viele witzige Momente – und schließlich soll das Stück auch unterhalten. Wir wollen einen modernen Zugang zu diesem komplexen Stoff vermitteln, und hier hat Joern eine tolle Arbeit geleistet.“ Und auch die Spannung kommt dabei nicht zu kurz, verspricht er: „Krimis oder Thriller gucken wir uns doch gerne an – und ‘Der Prozess’ ist ein richtig spannender Suspense-Thriller.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Polizei stoppt alkoholisierte Unfallfahrerin und sucht jetzt die Unfallstelle 

Thüringerin fährt betrunken vom Frankfurter Weihnachstmarkt heim und verusacht Unfälle... nur wo?
Polizei stoppt alkoholisierte Unfallfahrerin und sucht jetzt die Unfallstelle 

7. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Das sind die Gewinn-Nummern für den 7. Dezember
7. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

6. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Das sind die Gewinn-Nummern für Freitag, 6. Dezember
6. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

A7: Holztransporter steht in Flammen

Der Fahrer konnte sich zwar rechtzeitig in Sicherheit bringen, erlitt aber ein leichte Rauchgasvergiftung.
A7: Holztransporter steht in Flammen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.