Großes Programm "Ein anderer Sommer"

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Von links: Reinhard Faulstich, Thomas Fehling, Joern Hinkel und Ralf Bauer bei der Programmvorstellung von "Ein anderer Sommer".

In Bad Hersfeld wurde heute das Alternativ-Programm zu den ausgefallenen Festspielen vorgestellt

Bad Hersfeld. „Ein anderer Sommer“ – unter diesem Motto startet am 17. Juli das Festival mit rund 100 Terminen anstelle der ausgefallenen Festspielzeit. Der Titel deutet bereits an, dass es sich nicht um Ersatz-Festspiele handelt, sondern etwas ganz Neues. In dieser Woche stellten Intendant Joern Hinkel, Bürgermeister Thomas Fehling und der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Reinhard Faulstich das umfangreiche Programm vor. Wie Bürgermeister Thomas Fehling erklärte, wolle man mit dem Alternativ-Programm ein Zeichen setzen, dass sich Kultur auch nicht von Corona unterkriegen lässt. Er dankte allen Sponsoren und Unterstützern, die gerade in schwierigen Zeiten mit ihrer Förderung dieses besondere Kulturevent möglich machten. Dazu gehört natürlich zuvörderst die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, die seit Jahren zu den verlässlichen Partnern der Festspiele zählt. „Wir sind dankbar, diesen besonderen Sommer begleiten zu dürfen“, sagte Reinhard Faulstich. Gerade in der Krise trage Kultur dazu bei, den Menschen Halt zu geben. Andererseits seien Umbrüche auch stets die Chance für Erneuerung – und dies passiere nun mit den Festspielen in diesem „anderen Sommer“. Intendant Joern Hinkel zeigte sich sehr erfreut über die große Resonanz auf das neue Veranstaltungsprogramm, denn zahlreiche Künstler waren sofort bereit, auch mit neuen, ungewöhnlichen Formaten teilzunehmen. Ebenso dankte er den Festspielbesuchern, die von der Option, ihre bereits gekauften Karten nicht zurückzugeben, sondern stattdessen Gutscheine für künftige Veranstaltungen zu erhalten oder den gezahlten Preis zu spenden, reichlich gebraucht gemacht haben: Rund 50.000 Euro wurden auf diese Weise gespendet und der Wert der Gutscheine beträgt 390.000 Euro. Für das Festival wurden eher erzählerische Formate als klassische Dramatik, ausgewählt, da auf Nähe und Körperkontakt verzichtet werden sollte. So werden viele Monologe, Dialoge und Lesungen geboten – und außerdem Musik, Gesang, Tanz und vieles mehr. Dabei soll bewusst das Coronavirus nicht im Vordergrund stehen (sonst hätte man natürlich Camus‘ „Die Pest“ oder das aus der Zeit des Schwarzen Todes stammende „Decamerone“ nehmen können), es soll vielmehr um allgemeinere Fragestellung gehen, nach der Bedeutung des Lebens und dessen, was wirklich wichtig und von Wert ist ebenso wie Menschen auf das unvermeidliche reagieren oder sich in Utopien eine bessere Zukunft ausmalen. Dabei wird es durchaus einige echte Premieren geben. So inszeniert Bettina Wilts „Marrakesch, Madrid oder Das böse Herz“ mit Carsten Hentrich und Dirk Höhner, Bettina Mönch und Armin Kahl werden in dem Kammermusical „The Last Five Years“ zu sehen sein. Mit dem Solostück „Nipple Jesus“ mit Andres Mendez gibt es sogar eine Art Wiederaufnahme eines Stücks aus der vorigen Saison. In einem für Corona-Zeiten besonders passenden Stück wird Ralf Bauer auftreten: „Gut gegen Nordwind“ handelt von einer Internet-Liebe: Eine fehlgeleitete E-Mail führt zu einer Brieffreundschaft und schließlich einer Liebesbeziehung – ohne dass die Liebenden sich direkt begegnen. Weitere neue Formate werden ausprobiert, zum Beispiel mit der „Stadt der Geschichten“ von Theater Anu. In dieser Zeltstadt im Stiftsbezirk begegnen die Besucher zahlreichen Geschichtenerzählern. In „Niemandsland“ begeben sich die Teilnehmer auf eine Expedition in die Verbotene Zone im Inneren der Stiftsruine. Ebenso werden zahlreiche neue Orte bespielt, darunter die Krypta der Stiftsruine, der Stiftsbezirk sowie die Probenhalle am Kurpark, die „Geschichtenapotheke“ in der Stadt, Hotels und sogar die Jugendherberge. Ganz besonders ist auch die Zusammenarbeit zahlreicher Kulturschaffender in der Stadt. So tragen unter anderem das Buchcafé, der Arbeitskreis für Musik, der Orgelsommer und der Kunstverein Bad Hersfeld mit eigenen Veranstaltungen zum Festival bei. „Wir sind alle sehr gespannt, wie das wird und wie die Zuschauer reagieren“, so Hinkel zum Abschluss. Das komplette Programm ist auf der neugestalteten Homepage der Bad Hersfelder Festspiele einsehbar. Und da wegen der geltenden Abstandsregeln die Karten für viele Veranstaltungen sehr begrenzt sind, sollte man frühzeitig buchen.

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