Hahne-Briefwechsel zu Rossing, Salzmann und der Multifunktionhalle

Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.
+
Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.

Sehr geehrte Stadtverordnete der Stadt Kassel,die Geschichte der Multifunktionshalle, die wahrscheinlich nie gebaut werden wird, zieht sich wie eine S

Sehr geehrte Stadtverordnete der Stadt Kassel,

die Geschichte der Multifunktionshalle, die wahrscheinlich nie gebaut werden wird, zieht sich wie eine Spur des Versagens durch die ganze Stadt. Verbunden sind damit mittlerweile unendliche Anekdoten. Begonnen hatte alles mit den Giesewiesen. Dort sollte schon zu Lewandowskis Zeiten als Oberbürgermeister gebaut werden. Die Planungen und die Finanzierung sollen gestanden haben. Angeblich habe der damalige Bundesfinanzminister Eichel das hintertrieben, um die Wiederwahl Lewandowskis zu verhindern. Schöne Geschichte, nicht wahr?

Munter ging es weiter. Da hatte ein sogenannter Investor aus Bad Hersfeld eine Industriebrache namens Salzmann gekauft und hoffte, die Politik dazu bringen zu können, dort Einzelhandel ansiedeln zu dürfen. War wohl nix. Anekdote dazu: "Der Einzelhandel in der Stadt hat Oberbürgermeister Hilgen bei der Wahl unterstützt. Im Gegenzug verhindert er Einzelhandel außerhalb des Zentrums." Auch nicht schlecht. Oder?

Dann machte Hilgen die Multifunktionshalle zur Chefsache. Über 80 Millionen sollten in Bettenhausen verbaut werden. Der Konkurs der Huskies kam dazwischen. Der Investor und Eishockeyfachmann wollte ohne seinen "Ankermieter" nicht bauen.

Was also tun? Der sogenannte Investor hatte die nächste Idee und rannte Ihnen die Fraktionssitzungen ein. "Mieten Sie sich mit Beamten bei Salzmann ein. Wenn der Vertrag feststeht, kaufe ich sofort die Eissporthalle für fünf Millionen und baue sie für 15 Millionen zu einer Multifunktionshalle um."

Völlig selbstlos unterstützte der edle Kaufmann sodann die Huskies, die so schnell aus der Versenkung wieder auftauchten, dass ringsum schon die Frage aufkam, ob in Kassel Ölquellen gefunden worden seien.

Sie, liebe Stadtverordnete, wussten natürlich genau, dass Sie keine Möglichkeit hatten, den listigen sogenannten Investor vertraglich an seine Versprechen zu binden. Hässliche Begriffe wie Quersubventionierung hätten die Runde gemacht. Der Dolchstoßlegende 3. Teil. Gehofft haben Sie aber bis zur letzten Sekunde, er werde sein Wort halten. Fehlanzeige!

Jetzt standen Sie in Ihrer Sondersitzung vor den Trümmern Ihrer Multifunktionshalle. Gebaut wird stattdessen ein technisches Rathaus. Der sogenannte Investor wird sich die Taschen füllen bis zum Rand, die Hände reiben und in regelmäßigen Abständen die Mieten erhöhen. 25 Jahre hat er dafür Zeit. Als kleines Dankeschön für gebrochene Versprechen bekommt er jetzt auch noch zu allem Überfluss öffentliche Mittel für Parkplätze.

Noch ist der Mietvertrag nicht unterschrieben. Verhandeln sie nach. Geld genug ist vorhanden.

Mit investierenden Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

PS. Waren doch schöne Pläne, die der Architekt Schulze von der Eissporthalle entworfen hat. Die können Sie jetzt nutzen, um feuchte Schuhe auszustopfen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Hitze und Blitze heizten den Sportlern beim Vulcano Race und Battle ein

Bildergalerie: Hobbysportler auf dem Weg zum Gipfel.
Hitze und Blitze heizten den Sportlern beim Vulcano Race und Battle ein

Waldhessen erkunden: Jetzt zur Sommertour mit dem Landrat anmelden

Am Donnerstag, 13. August, und Freitag, 14. August, findet die Sommertour mit Landrat Dr. Koch statt. Anmeldungen sind ab heute möglich.
Waldhessen erkunden: Jetzt zur Sommertour mit dem Landrat anmelden

Memorabilien aus vergangenen Theater-Aufführungen

Am Sonntagnachmittag gab es im "Anderen Sommer" einen kleinen, aber feinen Verkauf von Requisiten, Kostümen und Ausstattungsstücken der vergangenen Festspieljahre.
Memorabilien aus vergangenen Theater-Aufführungen

Richy Müller bei den "Nachteulen": "Ich gehe nach meinem Bauchgefühl"

2016 spielte er in "Hexenjagd" und in der Nacht zu Sonntag plauderte Richy Müller bei Dominic Mäckes "Nachteulen" in der Stiftsruine.
Richy Müller bei den "Nachteulen": "Ich gehe nach meinem Bauchgefühl"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.