Hahne zu Gauck und der Ukraine... „Absage vom Bundespräsidenten reicht“

Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.
+
Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.

Sehr geehrter Joachim Gauck,Sie sind evangelisch-lutherischer Pfarrer, früherer Volkskammerabgeordneter zu DDR-Zeiten, ehemaliger Bundesbeauftragter

Sehr geehrter Joachim Gauck,

Sie sind evangelisch-lutherischer Pfarrer, früherer Volkskammerabgeordneter zu DDR-Zeiten, ehemaliger Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Und aktuell sind Sie der Bundespräsident und repräsentieren unser Land.

Schon vor der Wahl wusste man genau, dass Sie sich für die Freiheit stark machen. Manchem war das schon zu viel ("Macht er schon lange genug") oder zuwenig ("Ein Thema allein reicht nicht").

Jetzt haben Sie Ihre Überzeugung konsequent in die Tat umgesetzt und haben einen Besuch der Ukraine abgesagt. Mit Erfolg – die ganze restliche Politikertruppe hoppelt wie die Hasen hinter Ihnen her. Und nicht nur das. Jeder versucht, Sie noch links zu überholen. Selbst der Innenminister von Sachsen-Anhalt fordert nun, dass die deutsche Nationalmannschaft nicht am Turnier teilnehmen soll.

Sehr geehrter Herr Gauck, dass Sie diese Fahrt abgesagt haben, finde ich absolut richtig und konsequent. Die ganze Trittbrettfahrertruppe hingegen sollte sich mal entspannt zurücklehnen. Irgendwie schauen die mir alle zuviel Fernsehen. Taucht da eine halbwegs brauchbare Idee auf, wird sie sofort von allen kopiert. Und wer noch nicht begriffen hat, was gerade in den Medien in ist, kann sich jetzt ein Computerprogramm kaufen, das alle Themen im Auge hat und genau auflistet, was wie oft im Internet gelesen wird.

So ein Programm braucht man nicht, wenn irgendwo ein weltweit interessantes Sportereignis im Terminkalender steht. Das interessiert sowieso. Wenn dann ein Innenminister, den nur Eingeweihte kennen, die Möglichkeit sieht, seinen Namen an ein Mega-Event zu hängen, gibt es natürlich kein Halten mehr.

Neu ist so etwas natürlich nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, was mit Boris Becker passisert ist, als er mit 18 Jahren Wimbledon gewonnen hatte. Schon standen so ein paar merkwürdige Medienvertreter um den armen Kerl herum und wollten von ihm wissen, wie er die Lage in irgend einem kriegsführenden Land beurteile. Und als der arme Kerl zu so einem Schwachsinn nur stottern konnte, wurde er erbarmunslos durch die Medien getrieben. Ich bin mal gespannt, wann unsere Nationalspieler dran sind. Aber, Gott sei Dank, sind Schweinsteiger und Co. mittlerweile ausgebuffte Medienprofis. Selbst die blödsinnigsten Fragen beantworten sie charmant.

Die Frage, ob Sportler die Ukraine boykottieren sollten, beantworte ich hier mal. "Auf gar keinen Fall." Vielmehr sollten alle Politiker und Journalisten den Aufenthalt in diesem Lande nutzen, um auch in die letzten Winkel zu schauen. Die Plattform EM-Berichterstattung trägt nicht nur folkloristische Beiträge über schöne Seiten der Ukraine. Ein Sportboykott bringt nichts.

Mit demokratischen Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

PS. Ich habe gerade einige Briefe vor mir liegen, die auf die dunklen Seiten von Frau Timoschenko hinweisen. Was ist die Wahrheit?

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

„Anderer Herbst“ statt Lolls
Hersfeld-Rotenburg

„Anderer Herbst“ statt Lolls

Bad Hersfeld stellt alternatives Veranstaltungsprogramm für Oktober vor
„Anderer Herbst“ statt Lolls

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.