Eine Halbzeitshow beim Fußball ist vor allem eines: zeitgemäß!

KA-Redakteur Rick Fröhnert meint: Eine Halbzeitshow beim Fußball ist absolut zeitgemäß. Foto: nh / Facebook.com/helenefischer.official

Am Samstagabend sahen 9,82 Millionen Zuschauer das DFB-­Pokalfinale zwischen Dortmund und Frankfurt im ZDF. Über das Spiel spricht seither niemand. Über die Halbzeit(show) aber ganz Deutschland.

Rund fünf Minuten trat Schlagerkönigin Helene Fischer im Stadion auf, wurde dabei gnadenlos ausge­pfiffen. Dass dieser Auftritt zum Scheitern verurteilt war, ­hätte man wohl schon vorher ­ahnen.

Als der Auftritt nämlich im Vorfeld bekannt wurde, startete direkt ­eine Welle der Empörung bei den Fußballfans. Ein wahrer „Shitstorm“ begann somit schon vor dem eigentlichen Ereignis. Überall beklagten sich die Fußballfans: ­Eine Halbzeit­show beim Fußball? Das hat es ja noch nie gegeben! Und außerdem sei das doch viel zu ­kommerziell. Mal im Ernst, da frage ich mich doch allen Ernstes: Geht’s noch?

Ob man nun die Musik von Helene Fischer mag oder nicht – einen Künstler dermaßen respektlos zu behandeln ist einfach eine ­Schande für alle Fans im Stadion. Anstatt den Hauch von Anstand zu zeigen und zumindest zu ­akzeptieren, dass Deutschlands mit Abstand erfolgreichste ­Sängerin beim DFB-­Pokalfinale auftritt, wird die komplette Zeit gebuht und gepfiffen.

Vermutlich von den gleichen Leuten, die bei der Welt­meister-Party 2014 am Brandenburger Tor lautstark zu Helene Fischers „Atemlos“ mit-­sangen und feierten. Aber das ist eben „typisch Deutsch“. Erstmal beschweren!

Eine Halbzeitshow gab’s noch nie, also braucht man das auch nicht! „War ja schon ­immer so“ ist aber eben die dümmste Begründung überhaupt – egal für was. In Amerika ist es gang und gäbe, dass es bei großen Sportveran­staltungen auch eine große Halbzeitshow gibt – ob beim Football, beim Basketball oder beim Wrestling. Der Sport steht im Vordergrund, die Showeinlage gehört aber dazu, macht den Event zu ­etwas besonderem und hebt das Ereignis von anderen Veranstaltungen ab.

Das Argument, dass Fußball mit ­einer Halbzeit-Show zu kommerziell sei, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. In Zeiten, in denen Spieler lächerliche hohe Gehälter fürs Fußballspielen bekommen, Länder sich Weltmeisterschaften erkaufen und ganze Turniere bald nur noch im Pay-TV laufen, ist eine Halbzeitshow zu kommerziell? Zeitgemäß wäre hier das richtige Wort. Denn genau das ist eine Show während der Halbzeit eines großen Fußballspiels.

Was ich mich ja dennoch frage: Was hat man denn beim Fußball in der Halbzeitpause zu tun? Ich meine, fehlte den Nörglern wegen Helene Fischers Auftritt etwas? War das Spiel kürzer? Die Pause länger? Nein, man hat sogar mehr geboten bekommen.

Ich hoffe auf eine Wiederholung der Halbzeitshow im kommenden Jahr – dann hoffentlich mit anständigeren Fans im Stadion.

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