Halloween und Reformationstag müssen einander nicht ausschließen

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Philipp Ling

Halloween oder Reformationstag? KA-Redakteur Philipp Ling fragt: Wieso nicht beides?

Das meint KA-Redakteur ­Philipp Ling zu Halloween:

Alle Jahre wieder die gleiche Frage: „Wie hältst Du’s mit dem 31. Oktober – Reformationstag oder Halloween?“ Denn so manchem Traditionalisten ist die herbeibeschworene „Feiertags-Konkurrenz“ immer noch ein Dorn im Auge – zumal es sich bei Halloween ja bekanntermaßen nur um einen billigen Abklatsch aus den USA handelt. Demgegenüber ist der Reforma-tionstag ganz klar ein urdeutsches Fest: Welterschütternd, inhaltsschwer und – ehrlich gesagt – etwas dröge Kost. Mit dem Gruselklamauk kann der Thesenanschlag bei aller welthistorischen Bedeutung einfach nicht mithalten. Diesbezüglich wurde im Jubiläumsjahr wirklich alles versucht, doch so richtig wollte der Funke oftmals nicht überspringen. Nur in puncto Kommerzialisierung konnte Luther nun endlich mit umfangreichem Merchandise – vom Playmobilmännchen bis zur Luthersocke (darin steht man und kann nicht anders) – gegenüber Halloween ein wenig aufholen. Ein stückweit dürften die Vorbehalte gegenüber dem Feier-Import also schlicht dem Neid geschuldet sein: Halloween macht einfach Spaß. Die evangelische Kirche nimmt das Ganze übrigens eher gelassen hin: Wohl wissend, dass der erhobene Zeigefinger sowieso nichts bringt, empfielt sie stattdessen, die kleinen „Trick or Treaters“ mit ein paar Luther-Bonbons zu überraschen und sie so auf die andere Bedeutung des 31. Oktobers hinzuweisen. Und was spricht eigentlich dagegen, sich zu Halloween einfach als Martin Luther zu verkleiden? Was hingegen niemand zum doppelten Feiertag braucht, sind Miesepetrigkeit und Wehklagen über den „Kulturverfall“. Das hätte der feuerfreudige Luther sicher auch so gesehen.

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