Eine Erfindung aus Rotenburg

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Das jüdische Museum zeigt ein Handnagelgerät zum Besohlen von Schuhen - erfunden von zwei Rotenburger Bürgern.

Rotenburg. Das Jüdische Museum in Rotenburg ist um ein besonderes Ausstellungsstück reicher: Am Freitag wurde der Nachbau eines „Handnagelgeräts für Schuhmacher“ enthüllt. Das Original war 1913 von den beiden Rotenburgern Jakob Katz und Jakob Köpping gemeinsam entwickelt worden. Das besondere daran: Katz war Jude, Köpping evangelischer Christ.

Die ungewöhnliche Zusammenarbeit begann ganz unspektakulär: Köpping war ein guter Kunde in der Schuhmacherwerkstatt Katz. Als er dem Schuhmacher beim Besohlen der Schuhe zusah, kam dem gelernten Fernmeldetechniker Köpping die Idee, dass sich dieser mühsame Vorgang mit einer Maschine vereinfachen lassen müsste. Sogleich machte er sich daran, eine entsprechende Schuhbesohlmaschine zu konstruieren, unterstützt von seinem jüdischen Freund, der natürlich an einer Methode zur Erleichterung seiner Arbeit sehr interessiert war. Schließlich meldeten sie 1913 die Maschine gemeinsam zum Patent an und ließen sich zwei Prototypen bauen, von denen jedoch keiner erhalten blieb.

Doch die spannende geschichte um die Zusammenarbeit über Glaubensgrenzen hinweg ließ Dr. Heinrich Nuhn, Kurator des Jüdischen Museums in Rotenburg, nicht los, und so wurde der Plan gefasst, dieses besondere Stück Rotenburger Geschichte in Zusammenarbeit mit der Uni Kassel zu rekonstruieren. Dank der finanziellen Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen wurde daraus ein interdisziplinäres Forschungsprojekt des Fachbereichs Maschinenbau an der Uni Kassel und des Berufsfortsbildungsnetzwerks Nordhessen. Diplom-Ingenieur Christian Skaley übernahm die Aufgabe, das Gerät anhand der originalen Zeichnungen nachzubauen.

Nach der aufwendigen Rekonstruktion konnte das Ergebnis jetzt der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die feierliche Enthüllung des besonderen Ausstellungsstücks nahmen die Enkelinnen von Jakob Katz und Jakob Köppig vor, die zusammen mit weiteren Nachfahren der beiden Erfinder bei der Präsentation anwesend waren. Zuvor fand eine Gedenkfeier vor dem früheren Schuhgeschäft Katz im Steinweg statt. Dort erinnern Stolpersteine an das Schicksal der Familie Katz: 1933 – als die Nazis die Macht übernahmen – wurde Jacob Katz die Alleinvertretung der Firma Salamander gekündigt. Er musste sein Geschäft aufgeben und die Familie zog aus Rotenburg fort. Jakob und seine Frau Bertha Katz sowie ihre Tochter Frieda wurden Opfer des Holocaust, nur ihr Sohn Meinhold überlebte und floh nach Palästina.

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