Harte Abrechnung: „Brief an den Vater“ bewegte die Zuhörer

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Lesung mit Musik im Kapitelsaal mit Christian Nickel und Joern Hinkel.

Rezitator Christian Nickel las Franz Kafkas "Brief an den Vater, Intendant Joern Hinkel begleitete im Kapitelsaal am Klavier.

Bad Hersfeld - Rund 80 Zuhörer fanden sich am Sonntagabend im Kapitelsaal ein, um zum einen dem Schauspieler Christian Nickel beim Rezitieren aus „Brief an den Vater“ von Franz Kafka zu lauschen, und zum anderen den Festspiel-Intendanten Joern Hinkel am Klavier zu erleben.

„Brief an den Vater“ ist eine harte Abrechnung des Sohnes Franz Kafka mit seinem Vater Hermann. Kafka verfasste den Brief im Jahr 1919, schickte ihn aber niemals ab. Es ist nicht klar, ob Franz diese Zeilen tatsächlich als Anrede an den Vater verfasste, oder ob es sich um ein literarisches Werk handelt, das nur in Teilen Kafkas tatsächliche Erlebnisse im Zusammenleben mit dem Vater thematisiert.

Lesung mit Musik im Kapitelsaal mit Christian Nickel und Joern Hinkel.

"Übervater Hermann"

Franz Kafka, der zurückhaltende, in sich gekehrte und grüblerische Sohn, der sich dem „Übervater“ Hermann ausgeliefert sieht. Der dessen Erziehungsmethoden aufs Schärfste anprangert, der dessen ganzes Wesen in einem überaus negativen Licht darstellt, so dass Hermann, der Geschäftsmann, dem Leser – in diesem Fall Zuhörer – als wahres „Vater-Monstrum“ erscheinen muss. Kafka nennt ihn einen „Tyrannen“, der Regeln aufstelle, die aber für ihn selbst nicht gälten. Christian Nickel las die Anklageschrift Kafkas lebendig und klar, stets den Inhalt des Textes deutend und deutlich artikulierend.

Joern Hinkel setzte mit seinem ruhigen und akzentuierten Klavierspiel mit Stücken von Schostakowitsch und Kabalewski einen sanften Gegenpart zu den harten Worten Kafkas. Eine Antwort des Vaters gibt es leider nicht, doch wäre es durchaus interessant gewesen, dessen Sichtweise zu erfahren. Da der „Brief an den Vater“ jedoch diesen niemals erreichte, blieb den Zuhörenden nur das, was Franz dem Vater in den Mund gelegt hat. Und das eben auf seine eigene Art und Weise.

Lesung mit Musik im Kapitelsaal mit Christian Nickel und Joern Hinkel.

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