Heißt es Abschied nehmen? Heringer Stadtverordnete entscheiden über Abwahlverfahren gegen Ries

Heringen. Heute Abend ist es so weit. Heute Abend entscheidet sich, ob das Abwahlverfahren gegen Heringens Bürgermeister Hans Ries eingeleitet wird.

Heringen.Heute Abend ist es so weit. Heute Abend entscheidet sich, ob das Abwahlverfahren gegen Heringens Bürgermeister Hans Ries eingeleitet wird. Heute Abend stimmen die Stadtverordneten über den Antrag ab und stellen so die Weichen für die Zukunft das Heringer Rathauschefs. 21 der 31 Stimmen sind nötig, um das Abwahlverfahren einzuleiten. Eingereicht hatten den Antrag die Fraktionen von SPD und CDU Anfang März.

Zunächst sehr gelassen hatte Hans Ries den Vorgang hingenommen. Er kommentierte:  "Ich mache seit 41 Jahren Politik und kann die Dinge ganz gut beurteilen. Ich weiß, dass die Bürger hinter mir stehen und nur darauf kommt es an. Die Heringer Bürger wissen, dass ich mir nichts zu Schulden habe kommen lassen und gute Arbeit geleistet habe."

Gewurmt hat es den Rathauschef aber schon etwas. Das zeigte sich in der Bürger­meisterdienstversammlung Mitte März, als er von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt wissen wollte, welche Mitarbeiter im Landratsamt eine Heringer Delegation hinsichtlich seiner Abwahl beraten haben. Zu einem hitzigen Wortwechsel kam es, als der Landrat sich weigerte, die Namen herauszugeben.

Auf der Stadtverordnetenversammlung in der vergangenen Woche gab Ries eine persönliche Erklärung zum Thema ab. Noch bevor er zu Ende sprechen konnte, wurde ihm allerdings das Wort entzogen, weil die vereinbarte Redezeit überschritten war.

In der Rede stellte er unter anderem klar, dass es ihm in seiner Zeit als Bürgermeister nie an Korrektheit oder absoluter Geradlinigkeit gemangelt habe. Auch die Bevölkerung sieht er auf seiner Seite, schließlich sei er mit 65 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 76 Prozent gewählt worden. Der Bürgermeister kritisierte unter anderem auch, dass das Abwahlverfahren gegen ihn "im Hinterzimmer" verabredet worden sei.

So schließt Ries am Ende auch nicht mehr aus, seinen Posten als Bürgermeister abzugeben: "Zwei Drittel der Bürger haben mir persönlich ein wichtiges Mandat übertragen und man möge verstehen, dass ich auch selbst entscheiden möchte, wenn ich es aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen im Einvernehmen mit Ihnen vorzeitig zurückgeben möchte. Wenn es soweit sein sollte, werde ich es zunächst mit meinem Stellvertreter im Amt und dann mit meinen Freunden in der WGH und Mitgliedern der SPD so beraten, und zwar so, dass niemand – und am wenigsten die Stadt – Schaden nimmt."

Für interessierte Heringer, die sich vor Ort ein Bild machen möchten: Die Stadtverordnetenversammlung beginnt um 19 Uhr und findet im Heringer Bürgerhaus statt.

Heute Abend erfahren Sie ­online auf www.kreisanzeiger-online.de das Ergebnis.

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Persönliche Erklärung zur Stadtverordnetenversammlung am 21.03.2013:

Sie können sich vorstellen, dass ich immer wieder mit so einem Abwahlverfahren gerechnet habe, insbesondere von wenigen Akteuren in diesem Raume, die ihre jeweiligen heftigen Niederlagen, die ihnen die Bürger mit ihrer Stimme beigebracht haben, demnach immer noch nicht verwunden haben.

Manche maßen sich an, nicht mit einem Bürgermeister zusammen arbeiten zu wollen, der 65 Prozent der Stimmen bei fast 76 Prozent Wahlbeteiligung bekommen hat, obschon sie selbst nur einen kleinen Bruchteil der Zustimmung von den gleichen Bürgern erfahren haben, wenn man es nicht sogar treffender Ablehnung nennen sollte.

Das ist etwa so, als ob der Verlierer eines Rennens sich den Siegerkranz umhängen möchte und zudem dem Gewinner vorhalten will, dass er nicht schnell genug und richtig laufen kann und er deshalb vom Podest zu steigen hat. Ist das nicht absurd und anmaßend?

Man könnte es vielleicht noch verstehen, wenn dem Bürgermeister der Kassendeckel auf die Hände gefallen wäre oder er ansonsten nicht mit dem nötigen Fleiß arbeiten oder ideenlos oder ohne Sachverstand wäre oder die Bürger nicht angemessen informieren würde.

Hier sage ich einmal ganz selbstbewusst, dass es schwer ist, mir in all diesen Disziplinen das Wasser reichen zu wollen und immerhin haben wir in diesem Hause Mitarbeiter, die können Vergleiche über mehr als 40 Jahre ziehen.

Auch an Korrektheit und vor allem an absoluter Geradlinigkeit herrscht kein Mangel. Ganz im Gegenteil!

Genau hier scheint sogar das übergroße Problem für die eigentlichen Initiatoren des Abwahlverfahrens zu liegen.

Schaut man in die Vergangenheit, ist klar, dass einigen politischen Akteuren in dieser Stadt kaum auffallen konnte, dass es seit 1973 so etwas wie eine Straßenbeitragssatzung gab und die praktizierte Untreue für manche scheinbar etwas völlig normales war, wie die Uneinsichtigkeit selbst nach einer Verurteilung nur zu deutlich gezeigt zu haben scheint.

Der offensichtliche Schmerz und die folgende Wut, dass ich das geändert und mehrfach auch nicht nachgegeben habe, wirken hoffentlich bei nur wenigen.

Hinzu kommt, dass dieses Parlament, zumindest in seiner Mehrheit gescheitert ist, nämlich gleich eine ganze Satzung abzuschaffen, wenn da sonst schon nichts zu machen ist.

Man mag mit dem Gewähren von Privilegien oder vermeintlichen Vorteilen kurzfristig immer auch ein paar Freunde und Mitstreiter gewinnen, kommt es jedoch heraus, erntet man ein Vielfaches an Gegnern, weil das Privileg oder der Vorteil niemals die Masse betreffen kann.

Man gewinnt also fünf und stößt hundert vor den Kopf, die wiederum als Multiplikatoren wirken.

Beharrt man jedoch trotz größten Widerstandes und heftiger Angriffe auf dem Prinzip der Egalität, hat man die zuvor sich benachteiligt fühlende Masse der Bürger zu Mitstreitern und Multiplikatoren in eigener Sache gemacht.

Manche haben scheinbar vergessen, ihren Machiavelli oder Carnegie zu lesen oder haben ihn nicht verstanden.

Der artikulierte Wille zur absoluten Gleichbehandlung und folglich Gerechtigkeit ist immer positiv, weil es Anstrengung und das Überwinden menschlicher Defizite bedeutet.

Diese Attribute und das erkennbare Beharren darauf haben, z. B. der WGH, sehr lange eine unglaubliche Attraktivität und damit Erfolge verschafft.

Und noch etwas war das Prinzip: die eigenen Interessen der Mitglieder durften bei kommunalen Entscheidungen niemals eine Rolle spielen.

Solange das eingehalten wurde, war die Welt in der WGH und die Zustimmung der Bürger für sie noch in Ordnung. 46 % für die WGH und 65 % für den Bürgermeister waren ein großer Erfolg.

Nach 40 Jahren im politischen Betrieb entwickelt man übrigens ein unglaubliches Gespür, ob man Dinge noch halten oder sogar wieder wenden kann oder ob trotz aller Anstrengung die Sache vor den Baum geht und einem sogar noch der Vorwurf treffen könnte, dabei mit am Lenkrad gedreht zu haben.

Nennt es von mir aus feige oder aufgegeben zu haben, an was man doch 10 Jahre selbst so intensiv und erfolgreich gearbeitet hat.Manchmal muss auch etwas vor den Baum gehen, habe ich mir gedacht, damit die, die sich zu Fahrzeuglenkern aufgeschwungen haben, auch einmal merken, wie schmerzhaft das ist und ihre Lehren daraus ziehen.

Dabei sein, das gebe ich zu, wollte ich nicht. Das hat mich wirklich geschmerzt.

Was absolut schädlich ist, ist auch noch provokativ zur Schau gestellte Verschlagenheit und die heimlich verabredete Intrige im Hinterzimmer. Das ist das Gegenteil von positiv angesehener Offenheit und Ehrlichkeit. Verschlagenheit ist hingegen boshafte, zum Negativen hingewendete Intelligenz und so wird sie auch von den Bürgern bewertet, weil sie immer eine Mehrheit zum Nutzen einer Minderheit zu Verlierern macht.

Ein schlichter Ehrlicher ist deutlich sympathischer als ein intelligenter Intrigant, der einem ins Gesicht lacht und alles Gute wünscht, während er schon plant, einem das Messer in den Rücken zu stechen.

Die Menschen stößt das ab und sie empfinden solche Charaktere als vertrauensunwürdig.

Selbst der Schlichte, der taktische oder strategische Fehler macht, weil er die Verschlagenheit nicht kalkuliert hat, wird – trotz, dass er verloren hat – mehr gemocht, weil man ihm nach wie vor moralisch vertrauen kann.

Die Menschen sehnen sich nach einer politischen Welt ohne Verschlagenheit und Intrige, jedoch nach Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, selbst wenn sie zunächst eine hohe Investition erfordert.

Sie ahnen jedoch, dass sie sich auszahlen wird.

Ich halte auch viele in der SPD für gute Leute, die nach Orientierung und Erfolgen für die Bürger suchen, um wieder selbst aus diesem desaströsen Dilemma herauszufinden, in das die Partei geraten ist.

Der derzeit eingeschlagene Weg ist jedoch falsch, weil er unmöglich mit Sympathie aufgenommen werden kann.Allerdings kann hier nicht von Verschlagenheit die Rede sein, sondern von Verzweiflung und Zerrissenheit.Ich glaube, da ist nichts Falsches gesagt und nehmen Sie es als aufrichtigen Hinweis.

Es fehlt ganz einfach auch der Mut, die eigene Situation mit der gebotenen Schonungslosigkeit zu analysieren und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

Die Bürger würden liebend gerne ihre alte SPD wieder haben und wählen und sich anschmiegen an die wohlige Wärme, die sie einmal verströmt hat. Jedoch hat jemand den Ofen einfach ausgehen lassen und keiner weiß, wie er ihn anzünden soll.

Ihr habt Euch die Streichhölzer immer wieder von einem wegnehmen lassen, der nun andere Feuer anzündet und dazu sogar noch Euer Holz verwendet.

Ihr hängt Euch für jedermann sichtbar und trotz anderer Möglichkeiten verzweifelt an Leute, die von den Heringer Bürgern mehrfach konsequent wegen ihrer Art abgelehnt wurden.

Drei Prozent oder selbst 14 Prozent sollten keine Perspektive sein, die man anstreben sollte, weil drei Prozent Antisympathie bedeutet, die sich überträgt, je heftiger und erkennbarer man sich öffentlich an sie klammert, weil man – nebenbei bemerkt – damit auch signalisiert, selbst bei solchermaßen gescheiterten Leuten noch nach Führung und Hilfe nachzusuchen.Habt ihr das wirklich nötig? Ich glaube: NEIN!

Die SPD wird der eigentliche Verlierer werden, weil sich einige an die Repräsentanten der CDU geklammert haben. Warum, so werden sich die Bürger fragen, sollen wir noch unsere alte SPD wählen, wenn sie sich politisch und moralisch mit den hiesigen CDU-Führungsleuten gemein macht, die wohl auch im bundesweiten Vergleich für sich in Anspruch nehmen können, für Scheitern und Ablehnung schlechthin zu stehen.

Sind solche Ergebnisse wirklich zukünftiges Ziel und Maßstab für die SPD oder hat man schon einmal darüber nachgedacht, mit eigenständigen Ideen das soziale Gefüge in der Stadt weiter zu verbessern und dem Besinnen auf die politischen Traditionen und Wurzeln wieder Grund unter die Füße zu bekommen?

Ich habe die WGH übrigens immer vor Herrn Bock gewarnt, dass nämlich diejenigen, die mit diesem Herrn politisch gemeinsame Sache machen, genau daran zugrunde gehen werden. Solange man das neben den genannten Prinzipien berücksichtigt hat, ging es mit der WGH nur bergauf.

In dem angerichteten und sich abzeichnenden Desaster kann jedoch auch eine Chance liegen, wenn man noch rechtzeitig die richtigen Schlüsse zieht und Entscheidungen trifft.

Noch ist nämlich Zeit darüber nachzudenken, wie man sich verhalten will, sollte am Ende nicht der Bürgermeister zum Verlierer werden, sondern die Akteure dieses Abwahlverfahrens?

Wie wollte man den Bürgern wohl erklären, dass man einerseits erwartet, dass der Bürgermeister im Falle seines Scheiterns aufzugeben hat, man selbst im Versagensfall wie selbstverständlich weitermachen will, als ob nichts geschehen wäre?

Die CDU mag ihren Plan für eine angestrebte Nachfolge des jetzigen Bürgermeisters fertig haben, bei WGH und SPD steht sicher nichts dergleichen.

Also, wer will aus dieser Komödie wohl als Gewinner hervorgehen und wer steht zwangsläufig schon jetzt als Verlierer fest, zumindest, wenn man sich nicht noch besinnt.

Hat man sich in der WGH, wie auch der SPD auch nur im Ansatz vorher die Mühe gemacht, die Sache vom Ende her zu betrachten, sich einen Plan B zurechtgelegt und bedacht, wie die Konsequenzen jeweils für die nächsten Jahre aussehen könnten?Das ist doch eine der wesentlichsten Entscheidungen, die nicht nur von einem Einzelnen im Hinterstübchen getroffen werden sollte, sondern zuvor gemeinsam beraten werden.

Zwei Drittel der Bürger haben mir persönlich ein wichtiges Mandat übertragen und man möge verstehen, dass ich auch selbst entscheiden möchte, wenn ich es aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen im Einvernehmen mit Ihnen vorzeitig zurückgeben möchte.

Wenn es soweit sein sollte, werde ich es zunächst mit meinem Stellvertreter im Amt und dann mit meinen Freunden in der WGH und Mitgliedern der SPD so beraten, und zwar so, dass niemand  – und am wenigsten die Stadt  – Schaden nimmt.Sie können sich darauf verlassen, dass zumindest ich die Dinge vorher zu Ende denken werde.

Im Mittelpunkt stehen schließlich die Interessen der Stadt und der Bürger und gewiss nicht die Interessen weniger Leute, die von den Bürgern nicht das erste Mal konsequent abgelehnt wurden.

Gegnerschaft aus Prinzip geht also ebenfalls immer schief und Herr Fischer, diesmal an Sie gerichtet, ich habe mit der streitbefangenen Äußerung vom 12.08.2010 weder eine Straftat noch die Kenntnis davon unterstellt. Ich glaube aber, dass die Bürger die ständigen Anzeigen usw. gegen meine Person einfach leid sind.

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