Schuldenschock in Heringen: Rathaus-Chef im Interview

Im Heringer Rathaus hat man es derzeit nicht leicht: Bürgermeister Iliev spricht von rund 102 Mio. Euro Schulden.

Heringen hat 102 Mio. Euro Schulden – Bürgermeister Daniel Iliev gibt sich im lokalo24-Gespräch aber kämpferisch

Heringen.  Schuldenschock in Heringen: Wie Bürger­meister Daniel Iliev am Mittwochnachmittag im KA-Gespräch erklärte, steht die ­Gemeinde mit satten 102 Mio. Euro in der Kreide. Der Haushalt, der in der kommenden Woche verabschiedet werden soll, weist ein Defizit von rund 10 Mio. Euro auf. Darum sei es nun zunächst das große Ziel, überhaupt ­eine Genehmigung für den Haushalt zu erhalten, so ­Bürger­meister Daniel Iliev im KA-Gespräch.

Dennoch gibt er sich ­kämpferisch: „Wir müssen uns in Heringen an unsere Stärken erinnern und alle – egal welche politischen Ansätze man vertritt – an ­einem Strang ziehen.“ Auch wenn der Weg steinig und schwer werde, könne man so einigermaßen vernünftig durch die nächsten Jahre kommen.

„Klar muss aber auch sein, dass wir uns keine Prestige-Projekte leisten können“, so Iliev. Das sei aber sowieso nie sein Ansinnen gewesen. „Denn das wurde in der Vergangenheit viel zu oft gemacht – anstatt Geld für schwere Zeiten zurückzu-­legen“, kritisiert er. Statt-­dessen werde man nur in ­Projekte investieren, die gemacht ­werden müssen. Alles andere steht hinten an.

Doch woher kommt ein ­solcher Berg Schulden? ­Neben der Erhöhung der Schulumlage ist es vor allem der riesige Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen aufgrund der ­aktuellen Situation rund um K+S, der ein Loch in die Haushalts­kasse reißt.

So sind regelmäßige und ­vorausgeplante Gebühren-­erhöhungen unumgänglich. Unter anderem ist geplant, in Heringen in Zukunft Kita-Plätze nicht mehr wie bisher Einkommensabhänging zu verrechnen, sondern Pauschal mit 150 Euro zu veranschlagen, um durch das einkommenabhängige Modell nicht mehr Land und Kreis zu bezuschussen. „Damit liegen wir aber immer noch unter dem Schnitt im Kreis.“ Doch auch Gebühren für Dorfgemeinschaftshäuser, den Friedhof und das fritz-kunze-bad muss man an­­heben. Glücklicherweise müsse die Vereinsförderung nicht gestrichen werden. „Dafür habe ich hart gekämpft“, erklärt Iliev, denn: „Wir dürfen uns auch nicht kaputt sparen. Und das Gemeinschaftsleben ist eine der großen Stärken in Heringen – hier hilft jeder ­Jedem und alle sind stolz ­darauf.“

Das zeigt nicht zuletzt der am 29. April geplante Aktionstag „Pilgern mit Traktoren“ an-­läss­lich des Reformationsjubiläums. „Trotz unserer kleinen Mittel werden wir hier etwas Tolles aus dem ­Boden stampfen“, so Iliev, der sich sehr darüber gefreut hat, dass die Traktorenpilgerfahrt – die am Bad Hersfelder Eichhof beginnt – in Heringen den Abschluss findet. „Das zeigt, dass wir alles schaffen können, wenn wir zusammenhalten“, so Daniel Iliev. Er möchte bis zum Ende ­seiner Amtszeit in fünf Jahren den Haushalt ausgleichen können. „Denn wie sollen wir Schulden tilgen, wenn wir ­immer wieder Neue machen?“

Positive Zahlen in Sachen ­Demografischer Wandel zeigen, dass Heringen immer noch ­lebenswert ist. „Und das ist eine umheimlich Moti-­vation – für mich und alle ­anderen.“

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