Heringens Ex-Bürgermeister: Luther war voller Hass und Rassismus

Heringens Bürgermeister Hans Ries. Foto: nh

Hans Ries: Luther war ein abscheulicher Hetzer, der den Krieg verherrlichte und damit die christliche Welt in Brand steckte

Heringens Ex-Bürgermeister Hans Ries zum Lutherjahr:

Auch ich hatte bis vor einigen ­Monaten noch die zurechtgebogene Kunstfigur Luther im Kopf, als die sie uns über die Schule, den Konfirmandenunterricht oder das Elternhaus vermittelt wurde.  Mutig, bescheiden, und ehrlich soll er gewesen sein. In Wahrheit hat die historische Person nicht das Geringste mit dem gemein, was wir zumeist lernen mussten. Wer sich mit Luther beschäftigt erfährt sehr schnell, dass er der Goebbels seiner Zeit, zudem an Hass, Niedertracht, Fanatismus, Rassismus, Aufruf zu Mord und Totschlag  aber auch Feigheit kaum zu übertreffen war.

Ich konnte kaum glauben was ich da in Luthers Schriften und Reden zu Frauen, Hexen, Behinderten, Juden, Muslimen, leibeigenen Bauern, Fürsten und Soldaten las. Selbst die schlimmsten Fanatiker des heutigen IS könnten ihren barbarischen Zorn gegenüber Andersdenkenden kaum entsetzlicher ausdrücken. Auch einstige Weggefährten Luthers distanzierten sich von diesem nach oben kriechenden und nach unten tretenden Universitätsprofessor auf den sich die Nazis zu ihren schlimmsten Verbrechen sowohl in der Tat, als auch bei ihrer späteren Verteidigung in Nürnberg beriefen.

Und zu allem was uns heute so entsetzen muss, berief sich Luther immer auf Gott und zitierte genüsslich und zynisch aus der Bibel. Frauen  waren nichts wert, Behinderte Kinder sollten als unnützes Esser ersäuft werden, aufständische und leibeigenen Bauern konnten garnicht grausam genug gefoltert und hingerichtet werden, Hexen mussten brennen, Soldaten sollten im Namen Gottes morden und Fürsten waren grundsätzlich von Gott legitimiert, gleichgültig wie ungerecht und grausam sie auch waren. Mit seiner Judenschrift verfasste er geradezu wörtlich das Drehbuch für die spätere Pogromnacht, die nicht zufällig auf seinen Geburtstag fiel.

Vielleicht trug der junge Luther noch ein wenig Humanität und Mitgefühl in sich, der spätere Luther war jedoch zunehmend einer furchtbaren Demagogie sowie Fressen, Saufen und dem Mammon verfallen. Luther war ein abscheulicher Hetzer, der den Krieg verherrlichte und damit die christliche Welt in Brand steckte. 130 Jahre dauerte letztlich die von ihm ausgelöste religiöse Raserei und endete erst 1648 in völliger Erschöpfung. Unser Aleppo heißt u. a. Magdeburg.

Der größte Unterschied zwischen AbuBakr al-Baghadi und Luther scheint zu sein, dass der Eine hasserfüllt Abweichlern und Ungläubigen Köpfe abschneiden lässt, während Luther mit gleichem Zorn und der Berufung auf Gott, die Tortur, das Verbrennen, Aufspießen sowie das Rädern und Ädern gefordert hat. Was, so frage ich, soll mir an dem tatsächlichen Luther nicht zum Abscheu, sondern gar zum Vorbild werden?

Hans Ries

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