Bad Hersfeld las - mit Autor Thomas Brussig

+

Die Abschlussveranstaltung "Bad Hersfeld liest ein Buch"

Bad Hersfeld. Einen solchen Auftritt hat auch ein Erfolgsautor nicht alle Tage: Vor fast voll besetzter Stadthalle las am Donnerstagabend Thomas Brussig aus seinem Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee". Doch die Abschlussveranstaltung der Aktion "Bad Hersfeld liest ein Buch" war weit mehr als eine Autorenlesung; Nicht nur zahlreiche Bürger hatten sich in den letzten Wochen mit seinem Roman beschäftigt, auch an den Schulen war das Werk auf vielerlei Arten Unterrichtsthema. So wurden Brussig unter anderem von den Schülern erstellte Illustrationen zu seinem Roman präsentiert und ausgewählte Schlüsselszenen nachgespielt.

Darüber hinaus musste der Autor in mehreren Gesprächsrunden dem Publikum Rede und Antwort stehen, denn die Bad Hersfelder wollten alles über "ihren" Autor wissen.Gefragt nach seiner Jugend in der DDR fasste er zusammen: "Es war langweilig." Für ihn sei aber besonders bedrückend gewesen, dass  er als junger Mensch seine Talente nicht entfalten konnte, weil dies nicht erwünscht war. Deshalb habe er auch das Manuskript für seinen ersten Roman just am 9. November 1989, wenige Stunden vor dem Mauerfall, eingereicht: "Man konnte damals spüren, dass sich jetzt etwas ändert."

Fragen zum Inhalt des Romans stellten die beiden KDS-Schülerinnen Jolina Möller und Emily Nettelbeck, beispielsweise nach den Inspirationen für seine Figuren.

Brussig erklärte, er habe mit den Figuren eher so etwas wie einen "Streichelzoo der DDR-Sozialisation" schaffen wollen, also keine echten Personen abgebildet. Viele Figuren – wie der ABV oder der West-Onkel – seien Figuren, die wohl jedem DDR-Bürger vertraut waren. Deshalb werde auch Miriam nicht genau beschrieben, denn eine  "Schulschönste" gab es schließlich überall und sie sah überall anders aus. "Erinnerung ist immer verwaschen und nicht präzise", erklärte er, darum seien seine Figuren auch keine richtigen Romanfiguren mit vielschichtigen Persönlichkeiten. Insofern fand er es auch recht passend, dass die Schüler seinen Roman teilweise in Comicbildern dargestellt hatten, denn dies entspreche eher der Form seines Werks.

Er habe außerdem bewusst eine versöhnliche Herangehensweise an die DDR-Geschichte gewählt, denn für ihn war der Konflikt mit dem System glücklicherweise folgenlos geblieben. Es sei aber verständlich, dass andere, die schlimmere Erfahrungen gemacht haben, seinen Roman als verharmlosend empfinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Zwei Corona-Tote in Waldhessen: Zwei Bewohner (79 und 83) im Kreisaltenheim Niederaula gestorben

Die Männer (79 und 83) wurden vor ihrem Tod positiv auf Covid-19 getestet
Zwei Corona-Tote in Waldhessen: Zwei Bewohner (79 und 83) im Kreisaltenheim Niederaula gestorben

Trotz Corona-Krise: Deutsche Post weiterhin auf Trapp

Mit der Aktion „Wurfsendung“ möchte die Deutsche Post bundesweit auf die neuen Schutz- und Hygienemaßnahmen aufmerksam machen.
Trotz Corona-Krise: Deutsche Post weiterhin auf Trapp

Anwohner halfen  beim Löschen: Schuppenbrand in Wahlshausen 

Ursache: Vermutlich hatte sich Glut entzündet
Anwohner halfen  beim Löschen: Schuppenbrand in Wahlshausen 

Hoher Sachschaden nach Zimmerbrand in Einfamilienhaus

Einsatz für Feuerwehren am Montagabend im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft
Hoher Sachschaden nach Zimmerbrand in Einfamilienhaus

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.