Hersfeldpreisträger Günter Alt: "Keine glatten Rollen"

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Strandkorb-Geplauder mit Günter Alt, dem Hersfeldpreisträger 2019.

Strandkorb-Geplauder mit Günter Alt, Hersfeldpreisträger 2019, über Kafka, die Festspielstadt und die Bürokratie.

Bad Hersfeld - „Eigentlich wollte ich nach meinem Lied nach Hause gehen“, erzählt Günter Alt. Die Rede ist von der Hersfeldpreis-Verleihung, die der Schauspieler mit seiner Version von „Sex Appeal“ bereichert hatte – ohne zu wissen, dass er kurz darauf auf die Bühne zurückgerufen wurde.

„Ich habe auf keinen Fall damit gerechnet, den Hersfeldpreis zu bekommen“, sagt der Schauspieler, der im hessischen Büdingen zur Welt kam und derzeit als freischaffender Künstler in Bochum lebt. In „Der Prozess“ spielt Alt den Onkel Albert und den Mann im Dom, in „Shakespeare in Love“ die Rolle des Wirtes und der Amme. „Bei Onkel Albert dachte ich mir, als ich das erste Mal im Kostüm dastand, dass ich aussehe wie Heinz Erhardt“, schmunzelt Alt. Aber noch mehr beschäftigte ihn etwas anderes: „Ich hatte großen Respekt vor der schauspielerischen Urgewalt Dieter Laser“, gibt er offen zu. Man habe dann aber schnell zueinander gefunden.

Schwergetan mit dem Roman

Sein Mann im Dom ist für Günther Alt ein Charakter, der sich mit dem System arrangiert hat, „weil es sich dann leichter leben lässt“. Nach der Interpretation des Regisseurs Joern Hinkel (und auch seiner eigenen) ist der Mann im Dom keine religiöse Figur. Sie sei indifferent, weil sie nicht mehr wie bei Kafka ein Priester sei. Zur Vorbereitung hat Alt „Der Prozess“ gelesen, aber „damit habe ich mich echt schwergetan“, sagt er.

Für den Schauspieler sind alle Rollen spannend, die „nicht so glatt sind“. Ein böser Charakter dürfe sich mehr vom Alltag entfernen, eine lustige Rolle sei schwieriger zu spielen. „Letztendlich geht es aber darum, die Menschen zu berühren und zu erreichen“, sagt Alt über die Schauspielkunst. Im Jahr 2018 stand Günter Alt zum ersten Mal auf der Bühne in der Stiftsruine. In „Shakespeare in Love“ besetzt er mit dem Wirt eine komische Rolle. „Erst war ich Piratenkönig, jetzt bin ich Amme. Das ist komisch“, dürfte ein Satz Alts sein, der den Zuschauern im Gedächtnis bleibt.

Strandkorb-Geplauder mit Günter Alt, dem Hersfeldpreisträger 2019.

Die Bürokratie als Problem

Alt war 30 Jahre fest an Theatern engagiert, zuletzt in Bochum. Mit einem neuen Intendanten wurden die Verträge allerdings nicht verlängert. „Die Situation jetzt ist für mich äußerst gewöhnungsbedürftig und unbefriedigend“, sagt Alt. „Ich habe festgestellt, dass ich nur schwer mit der Bürokratie umgehen kann“, konstatiert er. Er müsse vor Beendigung eines Engagements wie bei den Bad Hersfelder Festspielen beim Jobcenter in Bochum persönlich auftauchen, um sich zu melden. „Zweimal vier Stunden Fahrt für 15 Minuten“, sagt Alt kopfschüttelnd. Schon bei der Verleihung hatte der Schauspieler in der Stiftsruine gesagt: „Da wird sich die Frau im Jobcenter in Bochum aber freuen, wenn ich ihr das zeige“. Was dort lustig rüberkam, ist aber für den 57-Jährigeren bitterer Ernst. „Es wäre aber schön, wenn mir der Hersfeldpreis helfen könnte, einen Job zu bekommen, von dem ich auch leben kann“, sagt er.

In Bad Hersfeld fühlt sich Günter Alt sehr wohl. „Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt. So ein angenehmes Ambiente muss man in der deutschen Theaterlandschaft erstmal finden“, sagt er. Er freut sich auch darüber, wenn fremde Menschen in der Stadt ihm gratulieren. „Mir wurde wegen des Preises schon viel Sympathie entgegengebracht“, so Alt. „Hier lasse ich mich treiben, wenn ich keine Aufführungen habe.“ Er brauche aber bestimmte „Rituale“ vor den Aufführungen. „Ich kann nicht direkt aus dem Auto steigen und auf der Bühne präsent sein“, sagt er.

Für Alt gehört auch das Singen zum Beruf. Im vergangenen Jahr bereicherte Alt die Abschlussgala der Festspiele mit „Sex Appeal“, eben jenem Lied, das er auch kurz vor seiner Ehrung sang. „Ich singe gerne, hatte aber nie Gesangsstunden“, erzählt er. In „Der Prozess“ ist Günter Alt noch bis zum vorletzten Spieltag dieser Saison zu erleben. Und vielleicht darf man sich auf eine neue Gesangseinlage mit dem 57-Jährigen bei der diesjährigen Abschlussgala am 1. September freuen.

Zu Gast bei den "Nachteulen"

Zunächst einmal ist er am Samstag, 27. Juli, ab Mitternacht bei den „Nachteulen“ gemeinsam mit Jürgen Hartmann Gast von Dominic Mäcke im Kapitelsaal des Museums.

Strandkorb-Geplauder mit Günter Alt, dem Hersfeldpreisträger 2019.

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