Hitzige Wahlkampfdebatte mit den fünf Bürgermeisterkandidaten von Ludwigsau

Kurz vor Beginn der Wahlkampfdebatte zeigten sich die Kandidaten etwas angespannt (v.li.): Tino Hölzer, Daniel Stange, Martin Grebe, Wilfried Hagemann und Martin Grebe. Foto: Buschky

Überfüllte Besengrundhalle: Beim großen Bürgermeisterkandidaten-Forum der HZ versuchten die fünf Anwärter, die Wähler für sich zu gewinnen.

Tann. Heiß her ging es am Donnerstagabend auf dem großen Bürgermeisterkandidaten-Forum in der Besengrundhalle. Von der Hersfelder Zeitung organisiert und von Redaktionsleiter Kai Struthoff moderiert, waren zum Forum alle fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Ludwigsau zu einer Wahlkampfdebatte geladen: Daniel Stange, Martin Grebe, Frank Rößing, Tino Hölzer und Wilfried Hagemann. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass weder Sitz- noch Stehplätze übrig waren und die Besengrundhalle aus allen Nähten zu platzen drohte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es auch schon ans eingemachte. Dass sie Partei-unabhängige Kandidaten seien, bekräftigten alle fünf – sie alle halten nichts von parteipolitischem taktieren sondern wollten unabhängig mit der Gemeinde und den Gremien zusammenarbeiten.

Sparen oder investieren?

Zum Thema Schuldenfreiheit hatten die Kandidaten ähnliche Ansichten: Die Schuldenfreiheit müsse gewahrt werden. Ludwigsau sei für seine Schuldenfreiheit quasi weltberühmt, wie Hölzer anmerkte. Investieren sollte man vorerst nur bei dringend notwendigen Dingen, die einen Nutzen haben, erklärte Rößing. Grebe zeigte sich zu dem Thema etwas mutiger: „Wir haben uns zwar ans Sparen gewöhnt, aber wir müssen auch endlich mal investieren.“

Zur Frage, ob sie sich zutrauen, eine Verwaltung zu führen, erklärte Hölzer, wie alles begann: „Es gibt ja leider keine Ausbildung zum Bürgermeister, deshalb habe ich Bürgermeister Baumann besucht und mit ihm gesprochen.“ Nach langen Überlegungen und vielen Gesprächen war er sicher, diese Aufgabe angehen zu wollen. Auch Stange, der 400 Mitarbeiter unter sich hat, die er quasi verwalten muss, und Grebe, der bisher Gelder und Güter anderer Menschen verwaltet hat, sowie Rößing, der seit 25 Jahren selbstständig ist und einen anderen Ansatz bieten kann, fühlen sich der Aufgabe gewachsen. Bei dieser Fragerunde musste Hagemann einen Seitenhieb einstecken: „Ich würde mich freuen wenn Willfried Hagemann uns in der Ludwigsauer Verwaltung erhalten bleibt – falls ich gewinne“, verkündete Hölzer. Dem schlossen sich Rößing, Stange und Grebe an. Hagemann ließ sich davon jedoch nicht beirren und nahm es locker. Schließlich habe er, aufgrund seiner langjährigen Arbeit für die Gemeinde Ludwigsau, viel Erfahrung und das größte Know-How.

Betriebe ansiedeln, Bauplätze schaffen

Die nächste Runde lief unter dem Motto: „Ohne Moos nix los – wie wollen Sie die Einnahmen für Ludwigsau erhöhen?“. Dafür hatten die Kandidaten wieder ähnliche Ideen: Mit der Gewerbesteuer könne man durch das Ansiedeln von kleinen bis mittelständischen Betrieben die Einnahmen steigern. Für Grebe sei nicht nur wichtig, Gewerbe anzusiedeln, sondern auch neue Bauplätze zu schaffen, damit Familien in Ludwigsau bauen können. Es gebe alte und marode Gebäude und Flächen, die als Bauplätze umfunktioniert werden können, damit sich junge Familien in der Gemeinde ansiedeln können. Da musste Stange einlenken: „Wir haben einige schöne Fachwerkhäuser. Die haben manchmal mehr Charakter als so mancher Mensch.“ Er selbst renoviere momentan ein Fachwerkhaus.

Ein Tunnel bis zur Autobahn – Spinnerei?

Ein direkter Anschluss an die Autobahn wie etwa mit einem Autobahntunnel war eine weitere Idee von Martin Grebe. Ein Tunnel könne die B27 in Friedlos und Mecklar ent-lasten und würde dem Gewerbegebiet zugute kommen. „Für ein Gewerbegebiet sind drei Dinge wichtig: Lage, Lage und Lage. Deshalb wäre eine Autobahnanbindung für das Gewerbegebiet Mecklar/Meckbach sehr wichtig“, so Grebe. Überraschung, Skepsis und Fragezeichen, aber auch Faszination waren die beherrschenden Gefühle in der überfüllten Besengrundhalle, so sah es zumindest aus. „Es gibt Ideen, und es gibt Schnapsideen. Wichtig ist, dass Ideen geerdet und realistisch sind, und man keinen Ballon mit heißer Luft steigen lässt“, kommentierte Rößing die Idee des Tunnels. Daniel Stange, der seit Jahren bei der DB Cargo arbeitet, hätte lieber noch einen Bahnanschluss als einen Tunnel, scherzte er. Einig waren sich alle fünf Kandidaten: Mit dem Gewerbegebiet müsse etwas geschehen.

Nicht jede Straße teeren

Zum Thema Straßenbeiträge stoß Grebe mit einer kuriosen Idee auf fassungslose Gesichter: Man müsse ja nicht alle Straßen teeren, wie zum Beispiel bei Zufahrten zu nur ein oder zwei Häusern. Zustimmung fand er mit dieser Idee kaum.

„Darum sollten Sie mich wählen“

Am Ende der Wahlkampfdebatte appelierten die Kandidaten an alle Bürger, am 8. April auch wirklich wählen zu gehen.

In einer Minute durfte jeder Kandidat nochmal für sich selbst werben: Der ehrenamtliche Daniel Stange, der die Leute so oder so bei der Stange halten muss; der ehrliche, echte und sachorientierte Querdenker Frank Rößing, der einen anderen Ansatz verspricht, Martin Grebe, der etwas riskieren will, wobei Bürgerbeteiligung ganz wichtig ist; Tino Hölzer, der als echter Teamplayer für gute Zusammenarbeit garantiert und sich richtig „reinknien“ wird und Willfried Hagemann nach dem Motto „Hagemann geh du voran“, mit nötigem Sachverstand, Ideen, Kompetenz und Erfahrung.

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