„Ich liebe Bad Hersfeld“

Kultstar Bata Illic ber seine Erinnerungen an die KreisstadtVon CORALINE HARGESHEIMERBad Hersfeld. Im Rahmen der hr4-Radtour kam es vergangene W

Kultstar Bata Illic ber seine Erinnerungen an die Kreisstadt

Von CORALINE HARGESHEIMER

Bad Hersfeld.Im Rahmen der hr4-Radtour kam es vergangene Woche zu einem groen Schlagerabend auf dem Hersfelder Linggplatz. ber 1.500 Schlagerfreunde kam zu dem bunten Abend bevor es jedoch losging, nahm sich Kultstar und Dschungelbewohner Bata Illic die Zeit, fr ein ausfhrliches Gesprch mit dem Kreisanzeiger.

Sie waren vor langer Zeit schon einmal in Bad Hersfeld. Haben Sie noch Erinnerungen daran?

Oh ja! Das war in den sechziger Jahren und fr mich damals ein wunderbares Erlebnis. Ich bin im August 1962 nach Deutschland gekommen. Habe die ersten dreiMonate in Bad Kissingen gelebt, danach einige Monate in Berlin. Ich sprach kein Deutsch, kein einziges Wort.

Es war lustig, ich habe studiert und danach ein halbes Jahr unterrichten mssen in einer Schule, bei uns hie das hospitieren. Niemand hat mich verstanden! (lacht) Dann sollte ich zurck nach Belgrad zum Militr, dabei hasse ich das Militr. Ich bin ein groer Gegner von Gewalt und Krieg. Stattdessen habe ich ein Angebot bekommen, in Deutschland zu bleiben und dies natrlich gleich angenommen.

Ich beschloss hier zu bleiben, weil es mir sehr gefallen hat. Irgendwann trieb es mich nach Bad Hersfeld und ich habe heute schon das Haus gesucht, in dem ich damals gelebt habe... aber ich finde es nicht mehr.

Es war ein Neubau der Sechziger und ich habe dort einen Monat lang ein Zimmer mit Bad gehabt und jeden Abend bei einem amerikanischen Ehepaar gesungen. Lustigerweise war er Amerikaner, sie Russin, aber sie war wahrscheinlich in Amerika geboren.

Das war mein erste Mal in Bad Hersfeld. Aber '66 war ich dann noch einmal hier, habe in einem Hotel gewohnt, wieder einen Monat lang. Es ist wirklich eine wunderschne Erinnerung fr mich.

Ich war damals noch sehr jung und habe mit viel Freude Musik gemacht, das war wunderbar. Ich habe diese Stadt geliebt. Leider fehlt mir nach der langen Zeit die Orientierung, ich kann mich nicht erinnern wo die Basis der Amerikander war.

Sie scheinen nie Probleme gehabt zu haben, neue Menschen kennenzulernen. Sind Sie auf die Hersfelder zugegangen oder kamen sie zu Ihnen?

Ich lerne gerne neue Menschen kennen. Damals wie heute. Wenn man selbst offen ist, begegnen einem auch die andere so. Ich kann mich noch an eine Familie aus Belgrad erinnern, sie kam neben vielen anderen abends zu den Amerikanern zum Tanzen und um Musik zu hren.

Sie lebten damals in Bebra und hatte eine junge Tochter. Einmal luden sie mich abends ein. Wir saen beisammen, haben gegessen, getrunken, getanzt. Es war alles ungezwungen und ganz natrlich. Ich kann mich nur wiederholen: Es war einfach eine wunderschne Zeit hier!

Die Jugend ist etwas besonderes. Man hat keine Probleme und denkt an gar nichts auer zu lernen. Ich habe immer versucht alles in mich hineinzusaugen. Neues Land, neue Menschen, neue Mentalitt. Es war sehr spannend!

Sie sagen, die Jugend sei etwas besonderes. Es steigen heutzutage auch sehr viele junge Knstler in die deutsche Schlagermusik ein. Sehen Sie diese als Konkurrenz?

Nein, keine Konkurrenz im Gegenteil: Ich finde das sehr gut. Ich bin kein Nationalist, aber es fllt mir immer wieder auf. Wenn ich in Amerika bin hre ich kein einziges deutsches Lied, die Amerikaner spielen ihre Musik.

Und wir hier in Deutschland? Wir spielen amerikanische Musik. Das ist etwas das ich nie verstehen werde. Wir verdienen doch viel mehr Geld mit deutschen Produktionen als mit amerikanischen alles wrde hier im Land bleiben.

Es ist gut wenn die jungen Leute daran erinnern, dass wir eine schne Sprache haben! Ich bin schon soweit gegangen zu berlegen, welche Automarke noch wirklich deutsch ist.

Ich will schlielich meine Wirtschaft hier untersttzen und nicht anderswo. Natrlich komme ich selbst aus dem Ausland, aber ich lebe hier. Ich verdanke Deutschland alles und ich muss daher Deutschland etwas zurckgeben.

Sie haben mittlerweile auch sehr viele junge Anhnger. Nehmen Sie einzelne Fans berhaupt noch wahr?

Ich nehme jeden Menschen, der sagt, dass er mich oder meine Musik mag, sehr ernst. Das mein Publikum immer jnger wird habe ich erst letzte Woche in der Nhe von Hamburg nach einem Konzert gemerkt.

Da kamen zwei zehnjhrige Mdchen und eine Dreizehnjhrige zu mir, haben sich Autogramme geholt und mir einen Zettel gegeben. Es war ihnen ein bisschen peinlich, aber ich bin dann in die Garderobe gegangen und habe ihn gelesen.

Darauf stand: Bata du bist unser Star, bitte schreibe uns! und sie haben ihre Adresse und Telefonnummer darunter notiert. Diesen Zettel habe ich auf meinen Schreibtisch gelegt und wenn ich wieder zuhause bin, dann schreibe ich ihnen einen Brief. Ich glaube das es sie viel berwindung gekostet hat, dass aufzuschreiben und damit zuzugeben: Ich mag einen lteren Kerl, der singt deutschen Schlager.

Es ist schlielich nicht normal in dem Alter so etwas zu mgen. Als ich jung war habe ich Schlager verachtet. Ich dachte immer, dass diese jungen Mdchen eher die Jungs mgen die auf der Bhne herumbrllen oder irgendwelche Gymnastik machen. Aber wie man sieht, wird man immer wieder eines Besseren belehrt.

Durch die Fernsehsendung Ich bin ein Star, holt mich hier raus haben Sie ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen, hat sich dadurch fr Sie etwas verndert?

Ja, vor einem Jahr war ich in Australien in dieser Dschungelsendung. Ich habe eigentlich gar nichts getan. Ich habe gar keine Verdienste geleistet, ich war nur dort. Ich habe mich nie bemht, sondern war nur froh, dass ich es irgendwie ausgehalten habe. Verndert hat sich danach einiges.

Ich habe dadurch noch mehr junge Menschen auf meine Seite bekommen. Die kannten mich vorher nicht... woher auch? All die nach 1980 geboren sind knnen mich theoretisch berhaupt nicht kennen. Schlielich hatte ich in den Siebzigern meine groen Hits.

Daher schtze ich es sehr, dass ich immer noch prsent bin und es die ganze Zeit ber war. Ich habe jedes Jahr viele Auftritte im Fernsehen und im Radio und damit wissen die jungen Leute auch wo sie mich einordnen mssen.

Das nimmt ihnen die Hemmungen und das ist der Grund, warum ich die letzten zwei Jahre fast ausschlielich vor jungem Publikum gesungen habe. Bei ihnen ist das alles unkompliziert, sie kommen einfach auf mich zu.

Michaela ist wohl der bekannteste Ihrer Hits. Schreiben Sie ihre Lieder selbst?

Teile schon, aber bisher habe ich noch keinen Hit komponiert. Ich sitze meistens am Klavier und probiere etwas herum. Manchmal fllt mir etwas ein, manchmal nicht. Aber ich werde wohl kein groer Komponist werden.

Wenn keine groen Kompositionen geplant sind, stehen dieses Jahr noch irgendwelche besonderen Ereignisse an?

Ja, am 30. September! Da feiere ich meinen 70. Geburtstag. Ich mache mir nicht viel aus Zahlen, aber ein bisschen aufgeregt bin ich schon!

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