Individuelle Stärken in kultureller Bildung

Andrea Exner (hinten, dritte von rechts) überreichte gemeinsam mit dem Schauspieler und Musical-Darsteller Jurriaan Bles (hinten, zweiter von rechts) die Zertifikate „Kompetenznachweis Kultur“ an (vorne, von links) Felix Noah Gäde, Suad Beciri, Mohammad Bkdash sowie (hinten, von links) Fay Dimmerling, Amelie Wischer, Anna Ross und Hannes Neumann.

Sieben Jugendliche aus Bad Hersfeld wurden jetzt mit dem "Kompetenznachweis Kultur" ausgezeichnet.

Bad Hersfeld. Wenn Jugendliche in Kunst und Kultur aktiv sind, dann lernen sie beispielsweise, Theater zu spielen. „Dabei entwickeln sie gleichzeitig Fähigkeiten, die in allen Lebensbereichen nützlich sind, darunter Selbstbewusstsein, Verantwortungsbereitschaft, Toleranz und Kritikfähigkeit“, sagt Andrea Exner, die auch als Theaterbeauftragte der Kulturschule KDS die Jugendlichen schon früh für das Theater begeistert..

Die „Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung“ hat ein Instrument entwickelt, diese Fähigkeiten zu dokumentieren und die Wirkung kultureller Bildung sichtbar zu machen: den „Kompetenznachweis Kultur“. „Dieser ist ein anerkanntes Dokument, ein Bildungspass. Er beschreibt, was die Jugendlichen konkret gemacht haben und ihre besonderen Stärken, die dabei sichtbar geworden sind. Diese Anerkennung stärkt ihr Selbstbewusstsein“, so Exner. Personalverantwortliche in den Betrieben seien sehr daran interessiert, wo Jugendliche aus eigener Initiative aktiv geworden sind. Daher könne der „Kompetenznachweis Kultur“ auch eine Hilfe bei der Bewerbung um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz sein. In einer achtmonatigen Fortbildung mit abschließendem Kolloquium hat Andrea Exner das Zertifikat zur Vergabe des „Kompetenznachweises Kultur „unter Wahrung der entwickelten Vergabekriterien erworben und sich zur „Kompetenznachweis Kultur“-Beraterin qualifiziert.

Mindestens zwei Jahre dabei

Nun zeichnete sie sieben junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Bad Hersfeld damit aus. Die Geehrten haben regelmäßig über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren an dem Projekt „Künste öffnen Welten“ teilgenommen. Durch Beobachtungen und das gemeinsame Gespräch wird sichtbar, was sie gemacht haben und wo ihre Stärken liegen. In dem vergangenen Projekt wurden die Teilnehmenden befähigt, sich mit Kultur, Geschichte und Sprache kognitiv-intellektuell, fantasievoll, emotional und kreativ auseinanderzusetzen, einzelne Inhalte choreografisch umzusetzen sowie ihr gestalterisch-ästhetisches Handeln zu fördern. „Sie lernten die lokale Geschichte zur ,Vitalisnacht‘ kennen, transkribierten wesentliche Inhalte der alten Sage, fertigten mit Mitteln der Improvisation die Bühnenfassung an und brachten das Theaterstück zunächst als Collage und schließlich an verschiedenen Spielorten als Schauspiel zur Aufführung“, sagt Exner. Der „Kompetenznachweis Kultur“ macht die Stärken von Jugendlichen sichtbar, entsteht im Dialog zwischen Jugendlichen und Fachkräften, belegt die positive Wirkung künstlerischer und kultureller Projekte.

„Im gemeinsamen Dialog wird deutlich, dass die Jugendlichen dem, was sie im Zusammenhang mit dem Theaterspielen gelernt haben, eine große Bedeutung beimessen“, so die Leiterin. Der „Kompetenznachweis Kultur“ ist laut Exner nicht nur eine Urkunde oder Teilnahmebescheinigung, sondern eine auf Grundlage des europäischen Referenzrahmens basierende Dokumentation der individuellen Stärken eines Jugendlichen, der sich in einem längerfristigen Kulturprojekt engagiert hat.

Theaterstück und Film über Stadtgründer Lullus

Aktuell beschäftigen sich die etwa 60 schauspielenden Kinder und Jugendlichen zwischen elf und achtzehn Jahren mit der „Lullusreise oder der Kraft der Kastanien“. Das Stück befasst sich mit dem Leben des Lullus, der Gründung Bad Hersfelds sowie dem Lullusfest. In den vergangenen zwei Ferienwochen haben sie intensiv geprobt und das ursprünglich als Schauspiel geplante Textbuch zu einem Drehbuch umgestaltet und das Stück dann als Film gedreht. Leider mussten die Verantwortlichen eine geplante Aufführung am Samstag absagen. "

Aufführung wegen Corona-Pandemie abgesagt

"Im Probenprozess hat sich gezeigt, dass eine Inszenierung unter Beachtung der aktuellen Hygieneauflagen den Inhalt des Stückes nicht unverfälscht transportiert; eine LULLUSREISE mit Kindern und Jugendlichen verliert ohne die angedachten rhythmischen und choreographischen Bewegungen an Ausdruck. Die Kinder, Lehrer und Schauspieler haben sich also schweren Herzens entschlossen, auf die Aufführungen in diesem Sommer zu verzichten", heißt es auf der Website der Bad Hersfelder Festspiele.

Lesen Sie auch

Mehr als lebendige Stadtgeschichte: Jubel für die "Vitalisnacht"

Schüler proben intensiv für die "Vitalisnacht"

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Hitze und Blitze heizten den Sportlern beim Vulcano Race und Battle ein

Bildergalerie: Hobbysportler auf dem Weg zum Gipfel.
Hitze und Blitze heizten den Sportlern beim Vulcano Race und Battle ein

Waldhessen erkunden: Jetzt zur Sommertour mit dem Landrat anmelden

Am Donnerstag, 13. August, und Freitag, 14. August, findet die Sommertour mit Landrat Dr. Koch statt. Anmeldungen sind ab heute möglich.
Waldhessen erkunden: Jetzt zur Sommertour mit dem Landrat anmelden

Memorabilien aus vergangenen Theater-Aufführungen

Am Sonntagnachmittag gab es im "Anderen Sommer" einen kleinen, aber feinen Verkauf von Requisiten, Kostümen und Ausstattungsstücken der vergangenen Festspieljahre.
Memorabilien aus vergangenen Theater-Aufführungen

Richy Müller bei den "Nachteulen": "Ich gehe nach meinem Bauchgefühl"

2016 spielte er in "Hexenjagd" und in der Nacht zu Sonntag plauderte Richy Müller bei Dominic Mäckes "Nachteulen" in der Stiftsruine.
Richy Müller bei den "Nachteulen": "Ich gehe nach meinem Bauchgefühl"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.