Rücktritt als Intendant: Jagd auf Dieter Wedel ist ungeheuerlich

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MB-Redakteur Daniel Blöthner kommentiert die Hintergründe zu Dieter Wedels Rücktritt Anfang dieser Woche.

MB-Redakteur Daniel Blöthner kommentiert die Hintergründe zu Dieter Wedels Rücktritt Anfang dieser Woche.

Bad Hersfeld. Zur Stellungnahme von Dieter Wedels Rücktritt, bisheriger Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. 

Es ist ungeheuerlich, was aktuell in Bezug auf Dieter Wedel in Bad Hersfeld vor sich geht. Sexuelle Vorwürfe, die zum Teil so weit zurückliegen, dass die Taten, insofern sie denn stattgefunden haben, rechtlich verjährt sind, reichten aus, um Wedel aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus zu bringen.

Mögliche Zeugen, die ihn entlas­ten könnten, sind laut Wedels Aussage bereits verstorben. In seiner Stellung­nahme erklärt er sogar, dass einige Personen auf ihn zugekommen sind und mehr Geld von ihm verlangten als Verlage oder Zeitungen ihnen geben wollten, um eine entsprechend belastende Aussage zu machen. Und das völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt! Wenn nichts an den Vorwürfen dran sein sollte, wird damit sogar Geld ausgegeben, um Fake-News (Anm. d. Red.: Verbreitete Falschmeldungen, die virale Verbreitung erfahren) veröffentlichen zu können.

Was nun aus rechtlicher Sicht weiter passiert, ist den jeweiligen Anwälten überlassen, doch stimmt der eben erwähnte Sachverhalt, dass lediglich eine Zahl mit ein paar Nullen ausreicht, um Personen des öffentlichen Lebens derart zu beschuldigen, ist quasi niemand vor so etwas sicher. Dies gilt natürlich immer mit dem Hintergedanken, dass sich Wedel nichts zu Schulden hat kommen lassen. In 75 Jahren knüpfte Wedel zahlreiche Kontakte und machte sich bestimmt nicht nur Freunde. Dass er nun aber als Zielscheibe herhalten muss, ist eine ganz miese Art der Konfliktbewältigung.

Ich kann und will niemandem etwas unterstellen, aber auf mich wirkt die ganze Sachlage so, als hätte sich jemand mit ausreichend finanziellen Rücklagen das Ziel gesetzt, Wedels Ruf zu ruinieren. Einige Trittbrettfahrer springen auf den Zug auf, freuen sich über das geflossene Geld und schaffen es auf diese Weise, mal wieder in den Nachrichten aufzutauchen.

Einige der Namen habe ich in Bezug auf Wedel generell das erste Mal gehört. Die Leidtragenden sind zuallererst die Familienmitglieder von Wedel. Im weiteren Verlauf aber auch die Bad Hersfelder Festspiele, die zunächst vom künstlerischen Leiter Joern Hinkel nun kommissarisch weiter geleitet werden. Hinkel wird den Job bestimmt mit bestmöglichem Gewissen erfüllen – sein Talent für große Kunst auf der Bühne hat er in der Vergangenheit bereits mehr als bewiesen. Ich persönlich wünsche Wedel eine schnelle Genesung und dass sich der ganze Aufruhr so schnell wieder beruhigt, wie er entstanden ist.

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