Jäger kritisieren Aufhebung der Schonzeit für Hirsche

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Im Knüll dürfen jetzt auch im Januar Hirsche geschossen werden, doch die Jäger finden das nicht richtig.

Ludwigsau. Im Knüllwald droht im neuen Jahr gleich Ärger. Grund ist eine Anordnung des hessischen Umweltministeriums, wonach die sonst übliche Schonzeit für Rotwild im Wald im Januar für dieses Jahr aufgehoben wird. Und der Widerstand dagegen kommt von eher ungewohnter Seite: Die Jäger selbst wollen nicht mehr Hirsche schießen.

Denn nach Ansicht des Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Ersrode-Hainrode, Klaus Nöding und seines Stellvertreters Karl Bornkessel, sind die Abschusszahlen derzeit viel zu hoch angesetzt. Und auch die Gründe, die das Ministerium anführt, namentlich die ansteigenden Wildschäden, scheinen den Jagdgenossen nicht glaubhaft – im Schnitt seien die Wildschäden in den letzten Jahren nicht nennenswert angestiegen. Und dass das Wild ohnehin durch Wanderer und Spaziergänger mit Hunden fortlaufend gestört würde, nennt Nöding "an den Haaren herbeigezogen". Denn im Gegensatz zu Spaziergängern, die sicherlich nicht in höherer Zahl als vorher im Wald zu finden sind, gibt es durchaus eine Störungsquelle im Wald bei Ludwigsau, die jedoch im Schreiben des Ministeriums nicht erwähnt wird: Auf der  Windpark-Baustelle am Klosterstein herrscht mittlerweile fast rund um die Uhr Betrieb. Dass die Hirsche durch den Baustellenbetrieb in andere Teile des Waldes verdrängt würden und es dort dann zu Schädigungen komme, sei ganz natürlich, so Nöding.

Auch Jagdpächter Jochen Müller nennt die Probleme der Waldbesitzer "hausgemacht". Als langjähriger Vorsitzender der Hegegemeinschaft Rotwild im Knüllwald war er an der Erstellung des Lebensraumgutachtens für das Knüllgebiet beteiligt. Doch die darin enthaltenen Forderungen nach dem Erhalt der letzten Rückzugsräume für das Rotwild und deutlicher Bejagungspausen statt weiterer Ausdehnung der Jagdzeiten sieht er mit der neuen Anordnung ignoriert. "Damit rotten wir das Rotwild aus", fürchtet er.Für die Jäger hat das Methode, denn in den letzten Jahren stellen sie mit Bedauern fest, dass sich die Regelungen immer mehr zugunsten der  großen Waldbesitzer – Hessen-Forst und der Riedesel- Waldgesellschaft – entwickeln. In einer immer rücksichtsloser betriebenen Forstwirtschaft bleibt kein Platz für "Schädlinge" wie den Hirsch.

Nicht dass wirtschaftliche Interessen der Waldbesitzer nicht legitim seien, gibt Nöding zu – schließlich sind die Interessen der Jäger auch zum Teil wirtschaftlicher Natur. Es gehe aber darum, die widerstreitenden Interessen der beteiligten – Forstwirte, Landwirte und Jäger, sowie letztlich auch der Bürger – unter einen Hut zu bringen, wie dies übrigens auch gesetzlich vorgesehen sei. Lange Zeit sei dies auch in gutem Einvernehmen möglich gewesen, doch jetzt stellen die Jäger zunehmend eine Verschiebung zugunsten der Forstwirtschaft fest. "Jetzt geht es nur noch um den Profit", stellt Nöding fest. "Der Staat gebärdet sich als Konzern und nicht mehr als Verwalter unserer Interessen."

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