Jetzt wird's laut!

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Eine ordentliche Rauchfahne gehört bei einem Salutschuss dazu. Fotos: Ling

Asmushausen. Die "Salut-Pioniere" von Asmushausen treten an - Köpfe einziehen, Leute!

Asmushausen. "Achtung!"Ein Warnruf geht stets voraus, bevor es kracht. Erst wenn das Schußfeld ordnungsgemäß gesichert ist, wird die Mini-Kanone gezündet und ein Schuss hallt durch die Auen am Rande von Asmushausen.Denn dort wohnt Bernd Fuge, der mit seinem Freund Reinhard Barosch seit kurzem unter die Böller-Kanoniere gegangen ist."Salut-Pioniere Waldhessen" nennen sich die beiden, und machen damit auch gleich klar, worum es ihnen geht: "Ein Salut ist eine Ehrenbezeugung" erklärt Barosch. "So wurden früher Fürsten und Könige geehrt." Das wollen Fuge und Barosch auch machen – bei Geburtstagen, Hochzeiten oder  Vereinsjubiläen zur Feier des Tages einen Salut schießen. Und Pioniere sind sie, weil sie in der Region Vorreiter auf diesem Gebiet sind.

Überregional sind sie seit vielen Jahren in der Western-Szene vernetzt und praktizieren bereits das Schießen mit historischen Vorderladerwaffen. Und da bei den Szenetreffen auch kräftig geböllert wird, beschlossen Fuge und Barosch, ebenfalls als Kanoniere tätig zu werden.Einen Schauwert hat es auf jeden Fall, denn die Mini-Kanone mit der selbstgebauten Lafette wird stilecht geladen. 30 Gramm Schwarzpulver werden eingefüllt und mit dem Ladestock komprimiert. Obendrauf kommt ein Korken – nicht als Geschoß, sondern zur Verdämmung, also damit der nötige Explosionsdruck aufgebaut wird. Sonst würde das Schwarzpulver einfach abbrennen.Der Schuß wird per Reißleine ausgelöst, und danach muss die Kanone ausgewischt werden, bevor der nächste Schuß vorbereitet werden kann.Alle diese Vorgänge müssen natürlich geübt sein. Mehrere Monate an Vorbereitung waren nötig, um schließlich den "Sprengschein" zu erwerben. Denn Schwarzpulver fällt unter das Sprengstoffgesetz und zum Umgang muss man einen entsprechenden Kurs absolvieren.Auch das Böllergerät muss vom Beschussamt abgenommen werden. Alle fünf Jahre müssen die Genehmigungen erneuert werden.

Allerdings zählt die Böllerkanone nicht als Waffe, sondern als "Gerät", das Böllern selbst ist seit Kurzem nicht mehr genehmigungspflichtig. Fuge muss lediglich beim Ordnungsamt anmelden, wenn er schießen will und sich natürlich an die Vorschriften halten, wann und wo geböllert werden darf.Vorsichtshalber informiert Fuge auch seine Nachbarn, wenn er auf dem Grundstück schießt, damit die Hundbesitzer nicht gerade in dieser Zeit  hinausgehen – wegen ihres scharfen Gehörs reagieren Hunde empfindlich auf den Lärm.

Überhaupt: "Sicherheit ist oberstes Gebot", bekräftigt Fuge. So besteht für die Kanoniere vor dem Einsatz striktes Alkoholverbot. Und geraucht werden darf an der Kanone natürlich auch nicht. Das Publikum muss einen Sicherheitsabstand einhalten und im Schußfeld darf sich, obwohl es nur eine Druckwelle gibt, selbstverständlich niemand aufhalten.Da niemand ohne Berechtigung an der Kanone hantieren darf, müssen die Kanoniere auch mit Problemen alleine fertig werden, beispielsweise wenn es eine Fehlzündung gibt. "Da muss man dann Ruhe bewahren", sagt Fuge. "Meistens liegt es am Zündplättchen, das wird ausgetauscht und nochmal geschossen." Anderenfalls muss der Zündkanal überprüft werden.

"Wir Schwarzpulverleute sind schon die Aristokraten unter den Schützen", meint Barosch. Während der normale Schütze einfach eine genormte Patrone einsetzt, muss der Schwarzpulverschütze sich mit allen Vorgängen rund ums Schießen auskennen, um die Wirkung der Pulvermenge richtig abzuschätzen. "Das ist kein Hobby für nebenher, da muss man schon mit Leib und Seele dabei sein", ergänzt Fuge.

Falls jetzt bei dem ein oder anderen Leser das Interesse geweckt wurde: Die "Salut-Pioniere" suchen noch weitere Mitstreiter. Interessierte können sich bei Bernd Fuge unter der Telefonnummer 0173/2761199 melden.

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