Johanna Probst hat ein Menschenleben gerettet

Stammzellspenderin Johanna Probst.
+
Stammzellspenderin Johanna Probst.

Die 24-Jährige Johanna Probst war Stammzellspenderin. Nun möchte sie anderen Mut machen, sich bei der DKMS zu registrieren.

Bebra/München. Johanna Probst hat vor wenigen Jahren einer Person neues Leben geschenkt. Sie war der „genetische Zwilling“ eines Leukämie-Patienten und wurde Stammzellspenderin. Die gebürtige Bebranerin lebt heute in München und denkt bis heute mit stolz an die Stammzellspende zurück.

Angefangen hat alles im März 2014, als sie sich bei der DKMS registriert hat: „Die DKMS hat an meiner damaligen Schule auf das Thema aufmerksam gemacht. Dort habe ich dann den Wattestäbchentest für die Registrierung als Stammzellspenderin gemacht“, erinnert sie sich. Im selben Jahr noch erhielt sie Post von der DKMS: Sie sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der „genetische Zwilling“ eines Blutkrebs-Patienten. Das war im November, knapp acht Monate, nachdem sie sich hat registrieren lassen. Damit hat die damals 19-Jährige so schnell nicht gerechnet. „Ich war erstmal sprachlos, aber auch voller Freude und Tatendrang. Für mich war klar, dass ich helfen werde“, erinnert sich die gebürtige Bebranerin.

Der Weg beginnt bei ihrem Hausarzt. Dort wurde

eine Bestätigungstypisierung durchgeführt, welche die Gewebemerkmale noch einmal genauestens analysiert. Die Analyse fällt wenig später positiv aus – Johanna Probst kommt als Spenderin in Frage. Im weiteren Verlauf wurde sie mehrere Monate als Spenderin „reserviert“, bis sie Ende Juni 2015 schließlich zur Voruntersuchung nach Köln eingeladen wurde. „Der Zeitraum war relativ lang. Mir wurde gesagt, dass auch der Patient in Anbetracht seiner Erkrankung fit genug für die Stammzellspende sein muss“, sagt die 24-Jährige.

In Köln angekommen, wurde ein umfangreicher Gesundheitscheck durchgeführt. Nach der Untersuchung wurden ihr außerdem ausführliche Infomaterialien und Erklär-Filme gezeigt, mit denen sie sich als potenzielle Spenderin vertraut machen sollte. „Es war erstmal ein befremdliches Gefühl, weil es etwas Neues war. Was ich aber nie hatte, waren Zweifel. Und auch die Voruntersuchung war für mich wie ein normaler Arztbesuch, also alles andere als schlimm“, berichtet die Münchnerin. Das einzige Manko, so sagt sie, sei ihre Angst vor langen Nadeln und Spritzen gewesen.

Johanna durfte zwischen einer peripheren Stammzellspende und einer Knochenmarkspende wählen.

Während bei der peripheren Stammzellspende die Stammzellen bei Bewusstsein aus der Blutbahn entnommen werden, erfolgt die Knochenmarkspende unter Vollnarkose, da bei dieser Methode Knochenmark mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm entnommen wird. Da sie für beide Methoden offen war, wurde sie letztlich der peripheren Stammzellspende zugeteilt.

Knapp anderthalb Wochen nach der Voruntersuchung fand schließlich die Stammzellspende statt. Bevor es losging, musste eine Mobilisierungstherapie mit einem körpereigenen Hormon durchgeführt werden. So wurde ihr fünf Tage vor dem Ereignis täglich zwei Mal das Medikament Granulocyte-Colony Stimulating Factor G-CSF) unter die Haut gespritzt.

Die Vorbehandlung diente dazu, die Anzahl der Stammzellen im Blut zu erhöhen. Nebenwirkungen waren in ihrem Fall starke Gliederschmerzen. „Dass das eintreten kann, wurde mir im Vorfeld gesagt“, berichtet Johanna Probst und weiter: „Ich habe mich ansonsten gut gefühlt und konnte meinen Alltag ganz normal bewältigen“.

Am 8. Juli 2015 war es dann soweit: Die Stammzellentnahme stand an. Diese wurde bei „Cellex Gesellschaft für Zellgewinnung“ in Köln vorgenommen. „Ich bin bereits einen Tag vorher angereist, damit es am Ereignistag pünktlich losgehen konnte“, erinnert sie sich. Der Tag der Stammzellspende startete mit einem ausgewogenen Frühstück: „Ganz wichtig war, dass ich gestärkt bin. Schließlich sollte es auch für meinen Körper ein kleiner Kraftakt werden“, sagt die 24-Jährige.

Bei „Cellex“ angekommen, wurde der Spenderin zuerst an beiden Armen ein venöser Zugang gelegt, da die zur Transplantation benötigte Stammzelle aus dem Venenblut gewonnen wird. Im Laufe der Blutstammzellspende läuft das Blut des Spenders mehrfach durch die sogenannte Apheresemaschine. Das Blut verlässt den Köper auf der einen Seite, fließt durch die Maschine und wird dem Körper auf der anderen Seite um ein paar Zellen leichter wieder zugeführt. Während dieses Vorganges werden die für den Erkrankten wichtigen Stammzellen gefiltert. Die periphere Stammzellspende hat bei der damals 19-Jährigen etwa fünfeinhalb Stunden gedauert. Schmerzen hatte sie eigenen Angaben zufolge keine: „Ich war anschließend nur sehr müde und habe bis zum nächsten Mittag durchgeschlafen“.

Johanna Probst ist stolz darauf, die Stammzellspende durchgezogen und einer kranken Person somit die Chance auf ein zweites Leben gegeben zu haben. Drei Monate nach der Spende hat sie Bescheid bekommen, dass die Transplantation geklappt hat. Der Körper der erkrankten Person hat die Stammzellspende angenommen. „Das war, ist und bleibt ein gutes Gefühl“, so die 24-Jährige.

Die Erfahrung, die Johanna Probst gemacht hat, wird sie ein Leben lang begleiten. Sie denkt gerne an den 8. Juli 2015 zurück und möchte mehr Transparenz schaffen und registrierten Stammzellspendern die Angst nehmen. Ihr Tipp: Niemals den Mut verlieren und stets im Hinterkopf bewahren, dass die Stammzellspende einem Menschen das Leben retten kann. Abschließend sagt sie: „Das, was ich während der peripheren Stammzellspende aushalten musste, ist nichts im Vergleich zu dem Leid, was der oder die Erkrankte durchmachen muss“.

Während der Stammzellspende bleiben sowohl der Patient als auch der Spender anonym. Johanna Probst hat lediglich die Information, dass es sich bei der erkrankten Person um eine damals 56-jährige Frau aus Italien gehandelt hat.

Die Anreise und die Unterkunft wurden für den Zeitraum der Stammzellspende übernommen – Selbstkosten sind nur für die Begleitperson angefallen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Reinhard Weimar ist tot – Ex-Mann von Monika Böttcher starb am Sonntag in Hohenroda an Herzversagen

Hohenroda. Reinhard Weimar ist tot. Das bestätigte Bad Hersfelds Polizeipressesprecher Manfred Knoch am Montag auf Kreisanzeiger-Anfrage. Reinhard We
Reinhard Weimar ist tot – Ex-Mann von Monika Böttcher starb am Sonntag in Hohenroda an Herzversagen

Brüder-Grimm-Gesamtschule: drei Lehrer in den Ruhestand verabschiedet

Bebra. Schon seit Jahrzehnten treffen sich die Lehrer der Brüder-Grimm-Gesamtschule Bebra am Vorabend des Beginns der Sommerferien, um gemeinsam das
Brüder-Grimm-Gesamtschule: drei Lehrer in den Ruhestand verabschiedet

Neuer Service in Bad Hersfeld: Strafzetteln online widersprechen

Strafzettel mit Komfort: Ab sofort kann man seinem Strafzettel jetzt auch online widersprechen.
Neuer Service in Bad Hersfeld: Strafzetteln online widersprechen

Flexible Stadtbusse für Bad Hersfeld

FWG macht sich stark für ein attraktiveres ÖPNV-Angebot
Flexible Stadtbusse für Bad Hersfeld

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.