Leserbrief: Jugendhilfe soll in Rotenburg bleiben

UBR-Fraktionsvorsitzender Hartmut Grünewald sieht nichts Bürgernahes in der Verlegung der Jugendhilfeeinrichtungen von Rotenburg und Bebra nach Bad Hersfeld.

Rotenburg. Die UBR fordert: Jugendhilfeeinrichtungen in Rotenburg und Bebra belassen!

Dass Bund und Land wegen angeblicher Kosteneinsparungen immer wieder Zentralisierungen vornehmen und Institutionen und Dienststellen abziehen, ist schlimm, aber meist nicht zu ändern. Dass aber der Landkreis nun die Jugendhilfeeinrichtungen in Rotenburg und Bebra wegrationalisieren und in Bad Hersfeld ansiedeln will, kann man beim besten Willen nicht nachvollziehen. Dafür Räume anzumieten oder gar neu zu bauen, ist töricht. Was vor Jahren als bürgernah und erfolgreich geschaffen und gepriesen wurde, hat heute wohl keine Bedeutung mehr.

Einerseits werden die politisch Verantwortlichen nicht müde, zu beteuern, wie sie sich bemühen, dem demographischen Wandel, der auf dem flachen Land verstärkt auftritt und die Lebensbedingungen verschlechtert, entgegenzusteuern. Doch sie tun das Gegenteil.

Zentralisierung von Behörden und Dienststellen bedeutet zwangsläufig auch Umzug von Menschen zu den Arbeitsplätzen und somit auch Bevölkerungsverlust in den Mittelzentren mit Schwächung der Wirtschaftlichkeit der Kommunen bei Eigenbetrieben und Rückgang der Steuer- und Schlüsselzuweisungen. Auch die wirtschaftliche Infrastruktur wird damit geschwächt. Im digitalen Zeitalter ist Zentralisierung nur in Ausnahmefällen notwendig. Bester Beweis ist die Beihilfestelle des Regierungspräsidiums in Hünfeld, die sogar Heimarbeit machen lässt.

Zentralisierungen werden meist mit Kosteneinsparungen begründet. Wahrscheinlicher ist, dass Bürokraten in den Verwaltungsapparaten meinen, ihre Existenzberechtigung nachweisen zu müssen und Berechnungen anstellen, wie man vermeintlich durch Zusammenlegung Geld sparen kann. Manchmal tatsächlich, öfter mit ein bisschen Schönrechnerei kommt man immer zum gewünschten Ergebnis.

Allerdings werden die negativen Auswirkungen auf die Bürger nicht berücksichtigt. Was die Behörde spart, müssen diese doppelt und dreifach an zeitlichem und finanziellem Aufwand drauflegen. Wer zum Grundbuchamt oder zur Kreisverwaltung nach Bad Hersfeld fahren muss, hat nicht nur Fahrtkosten, sondern auch Zeitaufwand, während der andere Arbeit hätte verrichtet werden können oder eine notwendige Erholungsphase möglich gewesen wäre.

Ganz vergessen wird auch, dass die Politik andererseits diese Nachteile durchaus ausgleichen möchte und Millionen für Dorferneuerung oder Stadtumbau etc. ausgibt, um die Landflucht aus Dörfern und Kleinstädten zu bekämpfen und das Leben dort lebenswerter zu machen, damit Menschen dorthin ziehen. Ein völliger Widersinn und von Nachhaltigkeit keine Spur!

Die UBR fordert deshalb von den Verantwortlichen ein Umdenken im Interesse der betroffenen Bürger vor Ort!

Hartmut Grünewald

UBR-Fraktionsvorsitzender

Rubriklistenbild: © nh

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