KA-Leser Hans-Walter Ernst zu Herfa-Neurode: „Da bekomme ich Gänsehaut und ein mulmiges Gefühl“

Zum Artikel "K+S: Es geht überhaupt nicht um eine Erhöhung der Mengen, die unter Tage eingelagert werden sollen" schreibt KA-Leser Hans-Wa

Zum Artikel "K+S: Es geht überhaupt nicht um eine Erhöhung der Mengen, die unter Tage eingelagert werden sollen" schreibt KA-Leser Hans-Walter Ernst:

Zu den Ausführungen des Pressesprechers der K+S, Herrn Göbel, fallen mir frappierende Ähnlichkeiten zu den Äußerungen des damaligen Bundeskanzlers Kohl ein. Der sagte seinerzeit, dass nicht die Steuern erhöht würden, sondern "nur" die Abgaben.

So ähnlich verhält es sich wohl mit der Aussage, den Umschlag gefährlicher Abfälle ohne technische und bauliche Veränderungen zu erweitern. Diese Aussagen beruhigen mich als Einwohner von Herfa keineswegs, im Gegenteil! Wenn ich etwas von Immissionen lese, bekomme ich erst recht eine Gänsehaut und ein mulmiges Gefühl!

Es ist bereits jetzt schon so, dass auffällig oft Silolastzüge Richtung Herfa-Neurode unterwegs sind, obwohl die L 3255 ab dem Schacht Herfa-Neurode in Richtung Heringen zurzeit voll gesperrt ist. Mit meinen eigenen Augen konnte ich sehen, dass Silolastzüge das Werksgelände des Schachts Herfa-Neurode verließen.

Was bringen die eigentlich da hin? Werden da jetzt schon hoch toxische Stoffe ver- oder bearbeitet oder wird etwa (illegal?) Kalilauge im Herfaer Bach entsorgt? Jedenfalls kann es sich nicht um eine Beladung mit Streusalz oder anderer Produkte handeln, da dort keine Verlademöglichkeit vorhanden ist.

Die Landstraße 3255 ist zwischen Friedewald und Herfa von Schlaglöchern und Rissen übersät. In Frühjahr 2012 wurde diese mehr als notdürftig von Hessen Mobil "geflickt", so dass nun starke Verwerfungen und Absätze vorhanden sind. Wenn man nun über diesen "Flickenteppich" rumpelt, muss man aufpassen, dass einem das Lenkrad nicht entgleitet und das alle Zahnfüllungen an ihrem Platz bleiben. Die Höchstgeschwindigkeit ist in diesem Bereich teilweise auf 50 km/h aus gegebenem Anlass begrenzt.

Wenn man jedoch bedenkt, dass diese Landstraße auch zur Untertagedeponie Herfa-Neurode führt und auch regelmäßig von Lkw mit zum Teil hoch brisanter Ladung benutzt wird, hört der Spaß wirklich auf! Hier wird wissentlich und grob fahrlässig mit der Gesundheit der Bewohner von Friedewald und Herfa gespielt!

Direkt neben der Landstraße befinden sich im Übrigen einige Wasserquellen und es verläuft parallel ein Bach, der einige Fischteiche speist. Was hier passieren kann, wenn mal ein Lkw mit "Spezialladung" auf dieser tollen Straße verunglückt, kann sich sicher jeder ausmalen. Da hilft dann auch sicherlich nicht die angebliche spezielle Schulung der Lkw-Fahrer. Auch deren Ausrüstung (u. a. ein Schäufelchen, Feuerlöscher, Augenspülung usw.) wird dann am giftigsten Ort der Welt wenig bis nichts ausrichten können.

Auch dass die Fahrer der Gefahrguttransporter besonders umsichtig unterwegs wären, ist mir bisher noch nicht aufgefallen, dass Gegenteil dürfte der Fall sein. Einige "kleinere" Verkehrsunfälle hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben, jedoch sind die meistens erstaunlicherweise nie publik geworden.

Auch der Winterdienst für diesen Straßenabschnitt lässt sehr zu wünschen übrig und ist dem Gefahrenpotential nicht mal ansatzweise angepasst. Man konnte in der Vergangenheit schon mehrmals Lkw sehen, die stecken geblieben oder in den Graben gerutscht waren.

Herrn Bürgermeister Ries möchte ich empfehlen mal darüber nachzudenken, von wem er eigentlich sein Mandat erhalten hat und wem er eigentlich verpflichtet ist. Herr Bürgermeister Ries ist eigentlich sonst schnell zur Stelle, wenn es darum geht, andere zu kritisieren und meldet sich dann auch meistens ungefragt lautstark zu Wort. Wenn es jedoch die Firma K+S betrifft, hält er sich seit einiger Zeit erstaunlich bedeckt.

Frau Blumenstein möchte ich fragen, warum sie sich eigentlich nicht ein schönes kleines Atomkraftwerk in ihren Garten baut und vielleicht daran angrenzend noch einige schöne Deponien zur Entsorgung der Abfälle? Die Bürger von Friedwald, Herfa und Wölfershausen haben sich vor langer Zeit hier niedergelassen. Da war von einer Giftmülldeponie noch nicht die Rede, sonst hätten sich wahrscheinlich viele überlegt, hier ein Haus zu bauen.

Auch das Argument der Arbeitsplätze zieht so nicht, da nur wenige Angestellte in der Untertagedeponie tätig sind. Die Deponie und die Kaliproduktion sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Die Deponie Herfa-Neurode dient K+S lediglich dazu, mit wenig Aufwand möglichst viel Profit zu generieren und sie spielt dabei bewusst mit dem Leben und der Gesundheit vieler Menschen! Wenn Frau Blumenstein empfiehlt, hier wegzuziehen, dann verhöhnt sie die hier lebenden Menschen! Oder wäre die Firma K+S bereit, die hier lebenden Menschen adäquat zu entschädigen? Bezahlen könnte K+S das sicherlich aus der "Portokasse".

Hans-Walter ErnstHeringen-Herfa

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Lesen Sie hier mehr zum Thema:

K+S will Sondermüll-Deponie Herfa-Neurode erweitern! Die waldhessische Linke ist "besorgt" (vom 25. Oktober 2012)

K+S: Es geht überhaupt nicht um eine Erhöhung der Mengen, die unter Tage eingelagert werden sollen (vom 25. Oktober 2012)

Ries auf Zanger: "Dame" war beleidigend und rabiat – Und: Wir behalten uns rechtliche Schritte vor (vom 26. Oktober 2012)

RP sagt: "Die Abfälle werden zum großen Teil auch jetzt schon angeliefert, nur schon fertig verpackt" (vom 28. Oktober 2012)

KA-Leserin Sonja Blumenstein meint: "Herr Zanger: Fahren Sie Auto, essen Sie?" (vom 28. Oktober 2012)

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