Kita-Streik: Heringer Eltern fordern Notgruppe für ihre Kinder

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Wegen des andauernden Kita-Streiks fordern die Heringer Eltern eine Notgruppen-Betreuung für ihre Kinder.

Heringen. "Unsere Vorschulzeit sollte anders zuende gehen", steht auf einem der Plakate, das die rund 30 aufgebrachten Eltern am Donnerstagabend in Heringen in die Luft hielten. Seit fast drei Wochen sind die Kitas geschlossen, eine Notbetreuung gibt es in Heringen nicht. Die Eltern müssen im Moment selbst für die Betreuung ihrer Kinder sorgen. Vor dem Beginn der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend machten die Anwesenden mit rund 15 Kindern jede Menge Lärm und forderten eine Lösung des Problems.

Mehrere Betroffene haben sich bereits zusammengeschlossen und die Sache selbst in die Hand genommen: Von Montag bis Freitag, 8 bis 13 Uhr, betreuen jeweils vier bis fünf Eltern bis zu 20 ­Kinder. "Nicht jeder hat zuhause Oma und Opa, die unsere Kinder beschäftigen können", sagt Timo Thornagel. Im Gespräch zwischen dem Familienvater und Bürgermeister Hans Ries kochten die Emotionen beinahe über. Um für die tägliche Versorgung ­ihrer Kinder aufzukommen, opfern die Eltern ihren Jahresurlaub. Die Eltern stehen zwar hinter den Erzieherinnen und wissen auch um ihre Wichtigkeit, ein Dauerzustand könne die derzeitige ­Situation allerdings nicht werden.Pia Frodermann bedauert vor allem den Zeitpunkt des Streiks: "Viele Kinder wären in den kommenden Wochen aus dem Kindergarten verabschiedet worden. Ende Juni findet der offizielle Übergang in die Schule statt. Dass die Feierlichkeiten ins Wasser fallen, haben die Kinder nicht verdient." Dem Nachwuchs merke man deutlich an, dass ihm die Übergangslösung nicht gut tue.

"Wo soll ich das Personal hernehmen?"

Der Bürgermeister indes forderte Verständnis für die Streikenden: "Unsere Kitas sind enorm wichtig. Es sind keine Verwahranstalten mit Basteltanten, sondern päda-gogische Einrichtungen." Natürlich bedaure auch er die Situation der Eltern und Kinder, machte jedoch auf die Wichtigkeit des Streik-Rechts aufmerksam.

Die Einrichtung einer Notgruppe sei aus dem einfachen Grund nicht möglich, weil alle Heringer Erzieherinnen die Arbeit niedergelegt hätten – "wo soll ich das Personal hernehmen?" Ries kündigte an, sich mit den Erzieherinnen zusammensetzen zu wollen und – wenn möglich – nach ­einer Lösung zu suchen. In Heringen gibt es fünf städtische Kindergärten.Im "Sinne der Eltern und Kinder" wurde ein Dringlichkeitsantrag der UL eingebracht und mehrheitlich angenommen. Der Antrag sieht vor, ab dem 4. Streiktag eine Notgruppe einzurichten. Außerdem wurde beschlossen, dass nach dem dritten Streiktag keine Beiträge mehr zu  zahlen sind. Hans Ries kündigte an, Widerspruch gegen den Beschluss einzulegen, weil die verpflichtende Einführung einer Notgruppe gegen geltendes Streik-Recht verstoße.Ein weiterer Dringlichkeitsantrag seitens des Bürgermeisters wurde ebenso angenommen und beschlossen: Das Parlament fordert den Kommunalen Arbeitgeberverband Hessen dazu auf, im Kita-Streik schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Hans-Jürgen Fischer ­urteilte den Antrag als "reinen Showantrag ohne jegliche Wirkung" ab.

Am Montag, 1. Juni, wollen auch die Bad Hersfelder ­Eltern ihrem Ärger Luft machen: Sie demonstrieren ab 14 Uhr vor dem Rathaus.

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