Klartext: Eine Stadt der Kultur (auch ohne Festspiele)

Redakteur Christopher Göbel freut sich darüber, dass trotz der Absage der Bad Hersfelder Festspiele das alternative Programm "Ein anderer Sommer" hervorragend umgesetzt und angenommen wurde.

Ich stehe immer noch unter dem Eindruck des „Anderen Sommers“, dem alternativen Kulturprogramm, das in diesem Jahr an die Stelle der corona-bedingt abgesagten „Bad Hersfelder Festspiele“ getreten ist. Ich konnte leider nicht alle der mehr als 100 Veranstaltungen wahrnehmen – auch wenn ich das liebend gerne getan hätte. Aber was ich erleben durfte, war einfach großartig. Kunst oder Kleinkunst, Klassik oder Musical, Schauspiel oder Konzert – das Programm hätte kaum vielseitiger sein können.

Dass dies alles in wenigen Wochen von Festspiel-Intendant Joern Hinkel, seinem Team und zahlreichen Kulturschaffenden aus der Stadt geplant, umgesetzt, inszeniert und durchgeführt wurde – Chapeau!

Der „andere Sommer“ hat gezeigt, dass Kultur für viele Menschen einfach nicht verzichtbar ist. Auch nicht in Zeiten von Corona. Die mehr als erfreuliche Auslastung beweist dies deutlich. A propos Corona: Spitzenmäßig organisiert war auch das Sicherheits- und Hygienekonzept, an das sich die Zuschauer zum allergrößten Teil hielten. Desinfektion, Ausfüllen der Meldezettel, das Warten, bis man auf den Platz geführt wird, Mund-Nasenschutz und alles, was dazu gehört, um einer Ausbreitung des Virus entgegenzutreten, wurde vom Personal und den Besuchern vorbildlich gehandhabt. Und alles immer noch mit einem freundlichen Wort oder einem Lächeln – auch wenn dies nur an den Augen zu erkennen war.

Meine Hochachtung gilt allen, die sich an der Ausgestaltung des „Anderen Sommers“ beteiligt haben – egal ob ideell, finanziell oder in höchsteigener Person auf oder hinter den Brettern, die die Welt bedeuten. Bad Hersfeld kann auch ohne Festspiele eine Kulturstadt sein.

Charmant fand ich die Aufstellung in der Stiftsruine, die so ganz anders war als gewohnt. Dennoch fühlte man sich wohl, sicher und Theaterfeeling kam auf. Die Krypta, die ansonsten vom Bühnen-Aufbau verdeckt ist, erwies sich ebenfalls als brillanter Theaterort. Großartig auch „Niemandsland“ und „Nachtschichten“, bei denen die Zuschauer den Akteuren auf Schritt und Tritt folgten und Theater aus einer ganz neuen Perspektive erleben durften.

Ich hoffe, dass solche Veranstaltungen den Weg ins Rahmenprogramm der zukünftigen Festspiele finden werden. Ganz nebenbei: Grundsätzlich fände ich es toll, wenn die Zusammenarbeit der Kulturschaffenden in der Stadt auch zukünftig Bestand haben könnte. An einem Strang zu ziehen hat sich diesen Sommer ausgezahlt. Kleine Animositäten oder gar Konkurrenzdenken gab es nicht. Jeder präsentierte sein Angebot, jeder hatte seine Besucher, alle waren glücklich. So hat dieser „Andere Sommer“ also neben der kulturellen Vielfalt auch für eine Vereinigung gesorgt. Toll!

Ich will nicht unken, aber sollte es auch im kommenden Jahr nicht möglich sein, eine „normale“ Festspielsaison zu starten, dann würde ich mich über einen solch vielfältigen, interessanten und erlebnisreichen „Anderen Sommer Vol. II“ durchaus auch freuen!

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