Klinikum Bad Hersfeld überprüft Patienten auf Multiresistente Erreger

Krankenhausbesucher Lutz Schmidt macht es vor: Handdesinfektion schützt vor sämtlichen Erregern. Fotos: Buschky

Präventive Maßnahmen durch gezielte Kontrollen: Klinikum Bad Hersfeld untersucht alle Patienten auf multiresistente Erreger mit Hilfe von Screening

Bad Hersfeld.  Multiresistente Erreger (MRE) sind weltweit, vor allem in Krankenhäusern, ein großes Thema – mehrere Menschen auf engstem Raum, die womöglich schon erkrankt sind und ein geschwächtes Immunsystem haben, sorgen dafür, dass sich Bakterien in Krankenhäusern besonders gut verbreiten. Aus diesem Grund hat sich das Klinikum Bad Hersfeld zu einer stärkeren Präventation entschlossen: Zusätzlich zu der seit Jahren routinemäßi- gen Testung auf den sog. MRSA (Methicillin-resi- stenter Staphylococcus aure- us) sollen Patienten auf Intensivstationen und solche mit einem hohen Risikoprofil zusätzlich auf MRGN (Multiresistente Gram-Negative) getestet werden. MRGN sind Keime, die beim Menschen unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Harn- und Atemwege hervorrufen können und gegen bestimmte Antibiotika resistent sind. Bereits seit Juni werden alle Patienten im Intensivbereich zusätzlich auf MRGN getestet. Prof. Dr. Reinier Mutters, Leiter der Krankenhaushygiene des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushgyiene der Philipps-Universität Marburg, ein bundesweit renommierter Experte, informierte bei einem Pressegespräch im Klinikum Bad Hersfeld zum Thema Multiresistente Erreger. Auch der Ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Dr. Markus Horn und Geschäftsführer Martin Ködding standen für Fragen und Antworten zur Verfügung.

Multiresistente Erreger seien weltweit ein wachsendes Problem, erklärte Prof. Dr. Mutters. Überall in der Bevölkerung seien diese Erreger verbreitet, in Deutschland trügen etwa acht Prozent einen solchen Keim in oder auf sich. Um der Verbreitung im Klinikum Bad Hersfeld entgegenzuwirken würden seit kurzem alle Patienten auf diesen Keim gescreent. Das bedeutet, die Patienten bekommen eine Vorsorgeuntersuchung, um Besiedlungen durch besagte MRE frühzeitig zu erkennen. Das Screening erfolge durch Rachen- und Analabstriche, da das die besten Methoden seien, den Keim zu entdecken, fuhr Prof. Dr. Mutters fort.

Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier entwickeln multiresistente Erreger auch eine vermehrte Antibiotikaresistenz, weshalb diese Erreger schwer zu behandeln seien. Seit Juni wurden im Klinikum Bad Hersfeld 800 Patienten auf den Keim getestet, bei 12 Patienten wurde der Keim tatsächlich entdeckt. Patienten mit diesem Keim würden umgehend isoliert, um eine Ausbreitung im Krankenhaus zu vermeiden. Am häufigsten würden die Erreger nämlich durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch weiter gegeben. Der Hauptübertragungsweg seien dabei die Hände. Deshalb sei das Händewaschen beziehungsweise eine Handdesinfektion generell – vor allem aber in Krankenhäusern – sehr wichtig. Eine weitere Quelle für MRE sei der Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren. Vor allem der Bereich der Massentierhaltung, wo vermehrt Antibiotika für die Tierzucht eingesetzt wird, sei eine Quelle für MRE-Keime.

„Zum Schutz der Patienten ist das Wissen über eine Trägerschaft der Keime von hoher Bedeutung“, erläuterte der Experte. „Ziel der systematischen Suche durch das Screening ist, Träger frühzeitig zu identifizieren, um weiterführende Maßnahmen einleiten zu können.“ Zwar würden die intensiverin Untersuchungen der Patienten Mehrkosten bedeuten, um aber eine Übertragung zu vermeiden, sei die Investition sinnvoll und nötig, so Ködding abschließend.

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