Knallbuntes Vergnügen

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Bad Hersfeld. „Don Quijote“ zeigt anschaulich die Macht der Fantasie - und wieviel Spaß sie macht.

Bad Hersfeld. Wenn man eines sicher sagen kann, dann dass es Tobias Bungter und Laura Quarg hervorragend gelungen ist, die überhitzte Fantasie ihres Titelhelden in anschauliche Bilder zu packen; "Don Quijote" ist grellbunt, herrlich überdreht und vor allem quitschfidel.

Der in Dalí-Manier nach oben gezwirbelte Schnurrbart des Titelhelden verrät, wo es langgeht: Das Stück gleicht einem rauschhaften Fiebertraum, aus dem man nach knapp zwei Stunden nur mühsam wieder erwacht. Man ist versucht, sich selbst in den Arm zukneifen, bei dem, was man da sieht: Da knattern Don Quijote und Sancho Pansa auf Mopeds, die in ihrer Aufmachung auch Mad Max zur Ehre gereichen würden,  zwischen neonfarbenen... ja was eigentlich, Häusern? Zirkuswagen? herum, alsbald umringt von singenden und tanzenden bonbonbunten Bardamen, deren Modedesigner es offenbar schwerfiel, sich für irgendeine Farbe zu entscheiden... es kommt einem vor, als wollten die Macher dem Zuschauer erst gar keine Chance geben, das Ganze irgendwie in eine sinnvollen Zusammenhang bringen zu können; Man ist schlicht gezwungen, sich zurückzulehnen und das Ganze einfach zu genießen. In diesem Sinne ist es wahrhaft ein Stück für die ganze Familie geworden, als es auch den Erwachsenen wieder den Blick aus Kinderaugen aufnötigt, mit denen man an diesem quirligen Chaos sein Vergnügen findet – anderenfalls wäre man ja so ein erwachsener Spielverderber wie der gestrenge Commissario der Inquisition. Doch auch der muss am Ende die Waffen vor diesem Wahnwitz strecken – gegen die Macht der Fantasie kommt auch er nicht an.

Dabei hält sich das Stück durchaus ans Original, wenngleich die Sprache modernisiert und um die ein oder andere popkulturelle Referenz erweitert wurde, beispielsweise wenn der Priester die Schundromane, die den armen Don Quijote so verrückt gemacht haben, in einem schmissigen Rap "disst".

Etwaige Bedenken über die seltsam wirkende Besetzung der Titelrolle verflüchtigen sich schnell angesichts Viola von der Burgs großartigem Spiel. Wild gestikulierend und  mit stechendem Blick ist dieserDon Quijote irgendwo zwischen Overacting und Deutschem Expressionismus angesiedelt – jedes Wort und jede Geste ein kleines Drama für sich. Kontrapunkt ist da natürlich Thomas Gimbel als Sancho Pansa, dessen trockener Humor für viele Lacher gut ist. Zu Publikumshelden spielen sich aber auch Harald Horvárth und Lorris Blazejewski, die sich als Don Alonsos Vertraute schließlich als Prinzessin in Not nebst Zofe verkleiden, um ihn mit dieser List endlich wieder nach Hause zu locken – und dabei eine köstliche Travestie-Nummer abgeben. Maximilian Pekrul schließlich spielte den bösen Commissario Rodrigo nicht nur mit Verve, sondern machte sich auch mit seiner atemberaubenden Segway-Performance als ‘fliegender Inquisitor’ unvergesslich.

Und nicht nur das Publikum hatte offenbar seinen Spaß, denn als Applaus und Standing Ovations am Ende gar nicht mehr aufhören wollten, entschloss sich das Ensemble kurzerhand zu einer Zugabe. Wie Don Quijote selbst fiel es an diesem Abend offenbar allen schwer, mit dem Träumen einfach so aufzuhören.

Fotos: Sennewald/www.fotosachse.com

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