Kommentar zur aktuellen Debatte der verhafteten Kapitänin Carola Rackete

Wenn Regeln vor dem Überleben stehen - die "Sea Watch 3" hat Migranten im Mittelmeer gerettet und trotzdem drohen der Kapitänin nun massive Konsequenzen.

Seinen Mitmenschen zu helfen und im Notfall auch Opfer für sie zu bringen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Zumindest in meiner Welt spricht man dabei noch von Nächstenliebe.

Dass die deutsche Kapitänin Carola Rackete für ihr helfendes Handeln bestraft wird, ist lachhaft. Obwohl sie 40 Migranten im Mittelmeer gerettet hat, wird ihr nun unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen. Dabei ist „jeder Kapitän verpflichtet, allen Personen [...] die auf See in Lebensgefahr angetroffen werden [...], Beistand zu leisten“. Rackete hat sich also an das internationale Seerecht gehalten und zudem völlig menschlich gehandelt. Vielleicht irre ich mich, aber ich habe das Gefühl, dass das Wohl der Mitmenschen vermehrt von Gehässigkeit übertrumpft wird. Vor allem dann, wenn es um Asyl in Europa und um die Flüchtlingspolitik geht.

Für Matteo Salvini, Chef der rechtspopulistisch-fremdenfeindlichen Lega, ist der Fall juristisch gesehen ja von vornherein klar; die italienische Regierung untersagt, dass NGO-Schiffe in die Hoheitsgewässer steuern dürfen. Rackete hat sich entschieden gegen das Verbot gewehrt – nun drohen ihr massive Konsequenzen: Die Regierung möchte die Kapitänin hinter Gittern sehen. Doch mit welcher Begründung wäre eine langjährige Haftstrafe gerechtfertigt? Carola Rackete hat doch keinen Mord begangen. Im Gegenteil: Sie hat Menschenleben gerettet. Die Rettung all dieser Menschen an der Lybisches Küste hatte oberste Prioriät – ganz klar. Daher hat Carola Rackete absolut richtig agiert.

Mir ist schon klar, dass Rackete unerlaubt in den Hafen von Lampedusa angelaufen ist und somit eine Straftat begangen hat. Doch hier geht es schlicht und ergreifend ums Prinzip. Sollen Menschen wirklich auf Grund einer sinnlosen Regel sterben? Ganz klar: Nein!

Viele Leser werden nicht meiner Meinung sein. Doch sollten Regeln nun vor dem Überleben von Menschen stehen, dann frage ich mich, was ein Menschenleben noch wert ist.

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