Kommentar zur Wahl: Kreisanzeiger-Volontär zu Besuch in den USA

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Cupcakes und Ausmalbücher zu politischen Kandidaten – undenkbar in Deutschland. Fotos: Kolb

Kreisanzeiger-Volontär Daniel Kolb war vergangene Woche selbst in New York City und kommentiert die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl.

New York City.Kaum ein Tag vergeht, an dem keine Meldung über die US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton in den deutschen Medien auftaucht. Aber wie wird der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten präsentiert? Man könnte meinen, dass in einer riesigen Stadt wie New York City zwei Wochen vor der Wahl alles zugepflastert ist mit Wahlplakaten, wie man es von Regionalwahlen in Deutschland kennt. Doch sucht man diese Plakate fast vergebens. Auf dem einen oder anderen Dach thront ein Banner über nur regional bekannte Kandidaten für entsprechende Wahlen um das Bürgermeisteramt oder ähnliches. Auch in der TV-Werbung zeigen eben jene Kandidaten, was ihre Kontrahenten dem Land alles Negatives antun werden, insofern sie gewählt werden sollten.

Anstatt auf die eigenen Ziele zu setzen, scheint es Mode zu sein, den Kontrahenten niederzumachen. Lediglich in einer TV-Werbung wird auf einen Livestream zur Präsidentschaftswahl am 8. November, mit unter anderem Journalist Larry King, aufmerksam gemacht. Zugegeben, die Zeitungen an den Kiosks haben immer wieder die beiden Präsidentschaftskandidaten auf der Titelseite. Auch im Rockefeller-Center prangert ein großes Banner von Trump und Clinton, jedoch als Werbung für die TV-Debatten, die zu dem Zeitpunkt meines Besuches bereits alle ausgestrahlt wurden.

Da hat der dort ansässige TV-Sender nbc wohl vergessen, das Banner abzuhängen oder lässt es einfach bis zum Stichtag hängen. Apropos TV-Debatten: Falls eine Bar diese ähnlich des Sportprogramms auf mehreren Bildschirmen an nahezu jeder Wand ausstrahlen würde, dann nur ohne Ton, wie eine im Stadtteil Harlem lebende New Yorkerin auf Nachfrage mitteilte. Verstörend sind einige Cupcakes mit Gesichtern von Trump und Clinton aus Zucker. Ausmalbücher der beiden Kandidaten, in denen sie unter anderem Superheldenrollen einnehmen, setzen dem Ganzen noch eins drauf. Selbiges Merchandise mit Kandidaten um das Bundeskanzleramt wäre vermutlich ein sicherer Ladenhüter in Deutschland. Beim Verlassen einer Metrostation brüllt ein Mann etwas aus Frustration "Donald Trump ist ein Stück .... Gebt ihm nicht eure Stimme!”

Mehr Halloween-Dekoration als Wahlwerbung

Abgesehen davon ist es aber spürbar, dass der Fokus der US-Amerikaner auf etwas anderem liegt, das noch vor der Wahl anstand: Halloween. Schon einige Tage vor dem großen Fest Ende Oktober waren die Treppenaufgänge zu Häusern, Geschäfte in Einkaufszentren sowie Foodcourts schaurig schön geschmückt und auch an zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten für ein neues Halloweenkostüm fehlte es nicht.

Totenköpfe, Skelette, mexikanische Versionen der Totenschädel, aufstellbare Särge mit den Initialen "R.I.P." darauf, Gespenster oder auch Absperrbänder mit den Schriftzügen "Caution” oder "Zombies Inside” zieren zahlreiche Häuser. Bei einigen sind sogar Warnschilder angebracht, dass der gesamte dekorierte Bereich von Kameras überwacht wird. Verständlich, denn so umfangreiche Deko ist durchaus kostspielig. Besonders aufwendig ist die Dekoration in den Gängen einiger Einkaufszentren. Alle paar Meter hängt eine andere groteske Gestalt von der Decke hinab und einige von ihnen geben dauerhaft wiederholende Geräusche von sich. Andere Figuren, die immer mal anfangen zu leuchten, sind dagegen weit weniger störend beim abendlichen Einkaufsbummel.

Ob sich dieses subjektiv festgestellte Desinteresse zur Präsidentschaftswahl nächste Woche in der Wahlbeteiligung niederschlägt, bleibt abzuwarten. Hierzulande hört man schließlich des Öfteren, dass die US-Amerikaner die Wahl zwischen Pest und Cholera hätten – die Wahl sowie die kommenden Jahre also ohnehin schlechter als mit dem amtierenden Präsidenten Barack Obama verlaufen werden.

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