Im Zweifel für den Angeklagten

Redakteur Rick Fröhnert mit einem Kommentar zum Skandal rund um Festspiel-Intendanten Dieter Wedel

Am Mittwochnachmittag wurde bekannt, dass Bad Hersfelds Festspiel-Intendant Dieter Wedel von drei Schauspielerinnen der sexuellen Nötigung angeklagt wird. In den 90ziger Jahren soll Wedel sich an Patricia Thielemann und Jany Tempel vergangen haben – eine dritte Frau, die Anschuldigungen erhob, wollte anonym bleiben. ­Alle drei Schauspielerinnen gaben eidesstattliche Versicherungen ab.

Dieter Wedel tat es ihnen gleich und äußerte zudem über seinen Rechtsanwalt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Zwar räumte Wedel ein, mit Jany Tempel eine Affäre gehabt zu haben – jedoch sei es zu keiner Vergewaltigung gekommen, die die gebürtige Berlinerin dem Star-Regisseur nun vorwirft. Das Dieter Wedel kein Kind von Traurigkeit ist, weiß jeder, der die Karriere und das Leben des heute 75-Jährigen verfolgt hat. So lebte er unter anderem 15 Jahre in einer polyamoren Beziehung mit Filmproduzentin Uschi Wolters und der Schauspielerin Dominique ­Voland.

Doch von Gewaltausbrüchen und Vergewaltigung war bisher nie die Rede. Am Set gilt Regisseur Wedel zwar als knallhart – doch privat gab es nie Meldungen, die in eine ­solche Richtung gingen. Was aber auch durchaus „interessant“ ist: Jany Tempel, die ­Wedel eine Verge­waltigung beim Vorsprechen für den TV-Hit „Der König von St. Pauli“ vorwirft, hat die Rolle ­später dennoch angenommen und wurde durch den Film deutschlandweit bekannt. Da fragt man sich doch, wie verdorben es in der Filmbranche zugehen muss, wenn man kurz nach einer so schreck­­lichen Tat mit ­seinem angeblichen Verge­wal­tiger zu­sammenarbeiten will.

Wie es in Bad Hersfeld nun mit Dieter Wedel weitergeht, wird sich zeigen. Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling stärkte seinem Intendant Wedel aber zunächst den Rücken.

Die ­Antwort auf die Frage nach Schuld oder Unschuld obliegt nun zweifellos Anderen. Ich bin sicher, dass das Deutsche Rechtssystem hier die Wahrheit herausfinden wird und offene Fragen geklärt werden. Warum sich die mutmaßlichen Opfer erst jetzt, über zwei Jahrzehnte später zu Wort melden, zum Beispiel. Aktuell steht es eben Aussage gegen Aussage – beide Seiten gaben eidesstattliche Versicherungen ab. Daher sage ich aktuell: „Im Zweifel für den Angeklagten“.

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