Kreisfeuerwehrverbandstag in Bosserode: Scharfe Kritik an Gaffern

Bosserode. Geprägt von den Ereignissen der letzten Tage beim Brand des Sägewerks Hahn in Rotenburg und dem schweren Verkehrsunfall auf der B 27 bei

Bosserode. Geprägt von den Ereignissen der letzten Tage beim Brand des Sägewerks Hahn in Rotenburg und dem schweren Verkehrsunfall auf der B 27 bei Bebra, mit drei Toten und einer Schwerverletzten Person, war der Kreisverbandstag der Feuerwehren des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Wildeck-Bosserode. Diese schwerwiegenden und für die Einsatzkräfte aufs Äußerste belastende Einsätze, zogen sich wie ein roter Faden durch die Grußworte von Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten und der Ehrengäste.

"Es könne doch nicht sein, dass er mit seinem Einsatzfahrzeug und eingeschaltetem Sondersignal, von zwei PKW, die mitten auf der Zufahrtsstraße zum brennenden Sägewerk standen und die Fahrer seelenruhig das Geschehen mit dem Handy fotografierten, massiv an der Durchfahrt gehindert wurde. Da müsse er dem Rotenburger Bürgermeister Christian Grunwald zustimmen, der diese Gaffer und Schaulustigen, die sich am Unglück anderer Menschen belustigten und dabei auch noch die Einsatzkräfte massiv behinderten, als Idioten bezeichnete. Diese Bezeichnung findet er noch viel zu harmlos für die Gaffer, die auch noch bei jeder Explosion der Hydrauliktanks der Fahrzeuge in der brennenden Halle, unter lautem Gegröle Beifall klatschten. Auch einige Leserkommentare in Online-Ausgaben von Printmedien seien mehr als beschämend, wir Feuerwehren brauchen keine Ratschläge und Hilfe von sogenannten Bordsteinkommandanten, wenn man wirklich helfen will, dann sollte man einer Feuerwehr als aktives Mitglied beitreten", so die sehr scharfen Worte der Kritik von KBI Jürgen Weingarten zum Einsatz in Rotenburg.

Der Tisch der Ehrengäste war hochkarätig von führenden Persönlichkeiten der Feuerwehr und der Politik besetzt. Und so war der Verbandsvorsitzende Thomas Specht bei der Begrüßung der Anwesenden auch sehr stolz, dass er erstmals zu einem Feuerwehrverbandstag im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, den Direktor der hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel Silvio Burlon begrüßen konnte. Unter den Gästen befanden sich auch die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Thorsten Warnecke und Dieter Franz, der Brandschutzdezernent beim RP in Kassel Erwin Baumann, der Kreisbeigeordnete Helmut Miska als Vertreter des Landrats, der Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg Klaus Wittich, der Leiter der Polizeiinspektion Rotenburg Joachim Stransky, der Leiter des Brandschutzamtes Dieter Pfaff und weitere Ehrengäste.

In seiner gewohnt lockeren Art und mit viel Humor gemixt, erstattete Thomas Specht seinen Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr. In den 152 Feuerwehren des Landkreises sind 3211 männliche, 268 weibliche aktiv gemeldet, dazu kommen noch 82 Aktive in den zwei Werkfeuerwehren. In den Alters-und Ehrenabteilungen sind 1858 Mitglieder gemeldet.In den 39 Kindergruppen unter 10 Jahren sind 332 und in den 84 Jugendfeuerwehren sind 933 Mitglieder aktiv.

Bei den 20 Kommunen des Landkreises mit insgesamt 122.000 Einwohnern sind ca. 12.000 Frauen und Männer als Mitglieder in den Feuerwehrvereinen eingeschrieben.

Die ersten demografischen Probleme machen sich auch bei den Feuerwehren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bemerkbar, aber es gibt zurzeit noch eine stabile Anzahl von aktiven Mitgliedern.

Specht richtete mahnende Worte an alle, die aktive Mitgliederwerbung zu intensivieren.

Und an die Politiker gewandt forderte er, dass der normale Arbeiter oder Angestellte wieder so viel verdienen muss, damit er von dem Lohn oder Gehalt eine Familie ernähren kann. Dann machen sich junge Familien auch wieder Gedanken, mehr Kinder in die Welt zu setzten.

Specht prangerte die Flut von Erlassen und Vorschriften an, die sich vom Ehrenamt immer mehr entfernen mit der Folge, dass immer weniger Frauen und Männer für Führungsaufgaben gewonnen werden können. Mitreden wollen alle, aber keiner will Verantwortung übernehmen.

Bei den Jugendfeuerwehren in Hessen ist ein Rückgang von 25 Prozent in den letzten 10 Jahren bei den Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg macht sich die Entwicklung langsam bemerkbar.

Thomas Specht berichtete noch vom fünften Frauentreffen mit Seminar, einem Motorkettensägen-Lehrgang für Frauen und vom Seniorentag in Bad Hersfeld-Asbach, an dem 180 Kameraden teilgenommen hatten.

Zwei Firmen konnten wieder als "Partner der Feuerwehr" ausgezeichnet werden. Es sind dies die Firmen Grenzebach und RS Components.

Es folgten die Berichte des Kreisjugendfeuerwehrwartes Bernd Spoelstra und der Kassenbericht durch Kassierer Thomas Schneemilch.

Kreisbeigeordneter Helmut Miska lobte die sehr gute und informativ aufgemachte Homepage als starken Auftritt des Kreisverbandes. Sein Dank ging an alle Feuerwehrleute, die beim Brand in Rotenburg und bei dem schweren Verkehrsunfall auf der B 27 dabei waren. Da die Rotenburger Drehleiter beim Brandeinsatz des Sägewerks Hahn stark beschädigt wurde, müsste es doch möglich sein, dass die hier versammelten wichtigen Führungskräfte der Feuerwehr und die Vertreter der Politik, für eine schnelle Ersatzbeschaffung sorgen.

SPD-Landtagsabgeordneter Dieter Franz versprach alles dafür zu tun, dass die finanziellen Mittel des Landes für die Feuerwehren nicht gekürzt werden und stellte die enorme Wichtigkeit der Feuerwehren heraus. Er dankte allen, die sich für die Feuerwehr einsetzen.

Silvio Burlon freute sich über die Zusage von Dieter Franz und hofft, dass die Zusage auch für alle Gültigkeit hat. Was wäre, wenn es die Feuerwehren nicht gäbe, wer soll denn dann helfen? An alle Anwesenden gerichtet, macht weiter so und in Anspielung der Brandereignisse in Rotenburg, lasst euch dadurch nichts vermiesen.

Erwin Baumann erinnerte die Schutzschirmkommunen daran, dass sie trotz der angespannten Haushaltslage, den Brandschutz sicherstellen müssen.

Kriminaldirektor Klaus Wittich bemängelte, dass bei dem Brand des Sägewerks in Rotenburg die Einsatzkräfte noch auf der Anfahrt waren, und schon die ersten Bilder auf Facebook bereits zu sehen waren und um die Welt gingen. Dies zieht natürlich auch Schaulustige an solch einen Brandort. Klaus Wittich prangerte die sinn-und hirnlosen Kommentare in Online-Portalen an. Beim schweren Verkehrsunfall auf der B 27, wurde von der Polizei festgestellt, dass die Autofahrer nicht anhalten um zu helfen, sie drehten rum um setzten ihre Fahrt in entgegengesetzter Richtung fort. Auch bei Straftaten wird viel zu viel Wegesehen anstatt Hilfe zu leisten. Die Damen und Herren von Radio, Fernsehen und Presse müssen, genau so wie die Polizei, ihren Job machen, das können und werden wir im gebotenen Rahmen auch in Zukunft unterstützen. Eine enge und aufeinander abgestimmte Pressearbeit ist notwendig und wird auch so praktiziert.

Markus Rimbach von der Sparkassenversicherung übergab noch zwei Rauchverschlüsse und ein Hohlstrahlrohr an die zuständigen Kreisausbilder Patrick Kniest und Martin Orf und an den Kreisverband und die Wehr Bosserode je einen Scheck.Der Verbandstag 2014 wird von der Feuerwehr Hohenroda-Oberbreitzbach ausgerichtet.

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