Weiter durch die Krise

In den Apotheken haben sich die Schutzmaßnahmen gut bewährt, berichtet Apothekerin Saskia Hildwein.

Apothekerin Saskia Hildwein aus Bad Hersfeld erklärt, wo wir stehen und wie es weitergeht

Bad Hersfeld. Mit den jetzt eingetretenen Lockerungen kehrt wieder ein wenig Normalität ein. Wie geht es in der Pandemie nun weiter? Der Kreisanzeiger sprach mit Apothekerin Saskia Hildwein. Sie befürwortet die beschlossenen Maßnahmen. Die Apotheken in Deutschland haben diesbezüglich bereits Erfahrung gesammelt, da sie während der Krise weiterhin geöffnet waren. Hier haben sich die getroffenen Schutzmaßnahmen wie Barrieren – die teilweise auf eigene Initiative eingerichtet wurden – bewährt, denn die Apotheken in ganz Deutschland verzeichneten nur sehr wenige Ansteckungen (von über 19.000 Apothekenbetrieben deutschlandweit sind nur 30 kurzfristig wegen Infektionen von Mitarbeitern geschlossen worden). Die empfohlenen Maßnahmen – Distanz und Barrieren – tragen also dazu bei, die Infektion zu verhindern. „Nun liegt es an uns, sie auch weiter umzusetzen“, meint Saskia Hildwein.

Ebenso haben sich die Apotheken schnell auf den Krisenmodus umgestellt. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln kam in der Krise die deutschlandweite Produktion von dringend benötigten Desinfektionsmitteln hinzu. Hier habe auch die Regierung schnell gearbeitet, um Hürden abzubauen, berichtet Saskia Hildwein – beispielsweise, dass die Apotheken Alkohol als Grundstoff für Desinfektionsmittel steuerfrei von Brennereien beziehen können.

Neu auf den Markt kommen Coronaschnelltests, mit denen sich eine bereits durchgemachte Infektion mit dem Virus nachweisen lässt. Man hofft natürlich darauf, dass jemand, der die Erkrankung schon durchgemacht hat, dadurch eine Immunität entwickelt hat.

Panikmache ist zwar unnötig, dennoch sollte man die Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Obwohl rund 80% der Erkrankten nur leichte Symptome aufweisen, sind die wenigen schweren Fälle besonders gravierend. Bei einem akuten Lungenversagen müssen die Patienten oft wochen- teilweise monatelang beatmet werden. Obwohl es also nur wenige Patienten mit ernsten Symptomen sind, binden sie die verfügbaren Kapazitäten über einen langen Zeitraum, so dass diese bald ausgeschöpft sind.

Die Hoffnungen richten sich auf die Entwicklung eines Impfstoffes, doch hier rät Saskia Hildwein zu realistischen Erwartungen. Die Entwicklung eines Impfstoffes ist ein langwieriges Verfahren, denn hier müssen alle Neben- und Wechselwirkungen genau erforscht werden. Ebenso wird aber auch daran gearbeitet, Medikamente, die es schon gibt, hinsichtlich ihrer Wirkung gegen Corona zu testen, darunter solche, die die Viren direkt bekämpfen und solche, die die schweren entzündlichen Verläufe hemmen. Auch diese müssen natürlich auf eventuelle Nebenwirkungen geprüft werden, doch die ersten Ergebnisse seien vielversprechend.

Eine weitere Therapiemöglichkeit bietet Rekonvaleszenzplasma. Dabei werden aus dem Blutplasma von genesenen Patienten die Antikörper gegen das Virus extrahiert. Diese können dann schwerkranken Patienten verabreicht werden, um deren Immunsystem direkt im Kampf gegen die Krankheit zu stärken. Mit der höheren Anzahl an Patienten, die die Erkrankung überstehen, rückt diese Möglichkeit in den Fokus. Auch mit Blutseren der verwandten SARS-Erkrankung wird bereits geforscht – möglicherweise könnten diese Antikörper ebenfalls gegen das COVID-19 helfen. „Hier sollte mit vollen Ressourcen gearbeitet werden“, so Saskia Hildwein.

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