Landrat zu Hassl: Erst Infos googeln, dann Unfug verbreiten

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Landrat kritisiert Bebras Bürgermeister zur Breitband-Thematik: „Uwe Hassl sollte erst googlen, bevor er wieder Unfug in der Welt verbreitet“

Bebra/Waldhessen. In der Ausgabe vom letzten Mittwoch sprach der KA mit ­Bebras Bürgermeister Uwe Hassl über die Breitband-Versorgung in Bebra. Seiner Einschätzung nach würden die kleineren Ortsteile Bebras nicht vor Ende 2017 angeschlossen. Daher dürfe man es ihm nicht verwehren, nach  ­Alternativlösungen zur Breitband Nordhessen GmbH zu ­suchen.

Der KA sprach daher mit Hersfeld-Rotenburgs Landrat Dr. Michael Koch, der der  ­Vorsitzende der Breitband Nordhessen GmbH ist. Diese will als Eigengründung der fünf nordhessischen Landkreise auch dort für schnelles Internet sorgen, wo Firmen wie die Deutsche Telekom kein Interesse haben.

Herr Dr. Koch, sind die ­Befürchtungen des Bebraer ­Bürgermeisters, dass es am Ende in Bebra ein Zwei-­Klassen-Internet gibt, begründet?Es wird wirklich Zeit, dass ­Bebra endlich schnelles ­Internet bekommt. Dann kann auch der dortige ­Bürgermeister ein paar Informationen googeln, bevor er wieder Unfug in der Welt verbreitet. Aber zur Sache: Breitband Nordhessen baut auch dort aus, wo die großen Anbieter sagen: Das lohnt sich für uns nicht. Wir hingegen wollen Highspeed-Internet für alle in Nordhessen und wir müssen keinen Millionengewinn für Aktionäre machen.

Gemeint ist aber wohl die unterschiedliche Geschwindigkeit der Netze von Breitband Nordhessen und Telekom.Was die Technik angeht: die ist vollkommen identisch mit der der Telekom und anderer Anbieter. Mich ärgert, dass Bürgermeister Hassl es ­besser weiß, da er ja unlängst am ersten Breitbandgipfel in Nordhessen teilgenommen hat. Es stellt sich daher die Frage, ob er es tatsächlich nicht versteht oder einfach nicht verstehen will.

Die Telekom wirbt mit Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Mbits/sec. – die Breitband Nordhessen GmbH mit 30 bis zu 50 Mbits/sec. Warum gibt es hier so große Unter­schiede?Wir bieten – ebenso wie ­andere Anbieter – bis zu 50 Mbit pro Sekunde als Download an, garantieren seriöserweise flächendeckend eine Mindestbandbreite von 30 Mbit/s. Nichts anderes macht die Telekom. Bei der kommen auch nicht in jedem Haushalt 100 Mbit/s an. Unser Be-­treiber setzt ebenso wie die Deutsche Telekom Vectoring-fähige Technik ein, so dass nach Freigabe durch die EU-Kommission auch bei uns bis zu 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload erreicht werden könnten.

Die Breitband Nordhessen GmbH befindet sich derzeit noch ­im Ausschreibungsverfahren, wann kann man also mit einem Anschluss der ­kleineren und nicht ver-­sorgten Ortsteile rechnen?In den kommenden Wochen werden wir einen General-­unternehmer ausgesucht ­haben, der den eigentlichen Tiefbau, die gesamte Planung des Netzes und die damit verbundene Trassenführung verantwortet. Die Vergabe ist aus jetziger Sicht für das zweite Quartal geplant, also noch vor Juli 2016.

Herr Hassl hat die Angst, dass die Bebraer Ortsteile ans Ende der Erschließung der fünf Landkreise fallen – auch aus wirtschaftlichen Gründen? Ist das richtig? Und nach ­welchen Kriterien wird entschieden, wann welches Gebiet mit schnellem Internet versorgt wird?Vielleicht wird Bebra nicht die erste Stadt in Nordhessen sein, die von uns schnelles ­Internet bekommt, ganz sicher aber auch nicht die ­letzte. Die Planung steht in ­etwa einem Vierteljahr, Herr Hassls Blick in seine Glas-­kugel, wann Bebra an der ­Reihe ist, ist deshalb schlicht unseriös. Die Anschluss-­planung hängt von der ­Trassenführung ab. Aber das vorweg: Die ersten Gemeinden im Ausbaugebiet der Breitband Nordhessen sollen schon dieses Jahr ans Netz gehen.

Der Bürgermeister liebäugelt damit, der Breitband Nordhessen den Rücken zuzu-­kehren und die Telekom zu beauftragen…Da sei Bürgermeister Hassl an drei Dinge erinnert. Der Ausbau kostet die Städte und Gemeinden keinen einzigen Euro. Wo hat man das schon? Zudem gibt es durch die Bebraer Stadtverordnetenversammlung einen einstimmigen Beschluss, die Breitband Nordhessen zu beauftragen. Da kämen im Zweifelsfall beachtliche Strafzahlungen auf die Stadt und Herrn Hassl zu. Der wesentlichste Punkt aber ist: Mit gewinnorientierten Anbietern wie der Telekom ­allein wird es immer Flecken ohne schnelles Internet in ­Bebra geben. Das müsste dann der Bürgermeister verantworten.

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