Ein Leben mit Autismus

Jutta Ruppel und Roland Friedrich besuchten Volontär Pelle Faust in der neuen Redaktion des Kreisanzeigers, um von ihren Plänen, einen Verein für Autisten zu gründen, zu berichten.
Foto: Fröhnert
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Jutta Ruppel und Roland Friedrich besuchten Volontär Pelle Faust in der neuen Redaktion des Kreisanzeigers, um von ihren Plänen, einen Verein für Autisten zu gründen, zu berichten. Foto: Fröhnert

Rotenburg. Um ihrem Sohn und weiteren Betroffenen zu helfen, möchten einige Waldhessen nun einen Verein für Autisten gründen.

Rotenburg. Die Diagnose kam eines Tages im Jahr 2011 aus heiterem Himmel: Asperger. Für Jutta Ruppel und ihren betroffenen Sohn eine  niederschmetternde Botschaft. Normalerweise wird die Form des Autismus bereits im frühen Kindesalter festgestellt. Besonders wenn Kinder sich anders, als andere Kinder verhalten, unübliche Verhaltensweisen an den Tag legen –  bei kleinen Änderungen in der Routine des Alltags Wutanfälle kriegen, wenig Kontakt zu Gleichaltrigen suchen oder scheinbar nie Emotionen wie Freude oder Trauer offen zeigen – liegt die Erkrankung des Autismus nahe.Dennis Ruppel war schon sein ganzes Leben lang in seinen sozialen Verhaltensweisen auffällig. Dies führte laut Mutter Jutta "besonders in der Schulzeit zu erheblichen Leistungsschwierigkeiten".Oftmals reagierten Lehrer, Mitschüler und leider auch die eigene Familie mit Unverständnis und Intoleranz. Der eigentlichen Diagnose des Asperger Syndroms ging ein 14-jähriger Diagnosemarathon bei Kinderärzten- und Psychologen voraus.Und auch, wenn Dennis nicht vollkommen gesund ist, führt er ein normales Leben: Im August 2012 begann er nach einem dreimonatigen Praktikum eine Ausbildung in einem Rotenburger Unternehmen zum Kaufmann für Bürokommunikation. Die Berufsschule besucht er in Bad Hersfeld am Obersberg.Immer zugegen – zumindest seit knapp einem Jahr – ist ­Roland Friedrich. Er begleitet Dennis im Rahmen seiner Ausbildung und hilft ihm als Arbeits-Assistent dort, wo er nur kann. Gerade im Schul- und Arbeitsalltag sorge Dennis’ Behinderung für Probleme: Mit der Unterstützung des Lehrkörpers und seiner Mitschüler verbessern sich nun auch die schulischen ­Leistungen sowie der zwischenmenschliche Aspekt unter den Schülern.

Jutta Ruppel über die gegebene Situation: "Das Kollegium und auch die Mehrheit Dennis’ Mitschüler weiß über seine Behinderung Bescheid. Wir sind glücklich, dass dies so ist und fühlen uns gut aufgehoben."Problematisch sei jedoch die Förderung nach abgeschlossener Schulausbildung."Es gibt viele Möglichkeiten für Betroffene im Frühkindes- und Kindesalter. Eine riesige Lücke klafft jedoch in der Zeit danach. Bis zum 18. Lebensjahr besteht also eine gute Versorgung, danach kommt nicht mehr viel. Niemand erklärt Betroffenen, wie man das Leben ‘danach’ gestalten und als Autist oder Asperger im Berufsalltag klarkommen kann", so die Mutter.Und so formte sich ein toller Gedanke: Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Ralf Bämpfer und Dennis’ Arbeits- Assistenten Roland Friedrich möchte die Waldhessin einen Verein für Autisten und speziell auch Asperger gründen. Der Verein soll als Plattform für "ganz normale" Menschen dienen, wo Betroffene, Angehörige und Interessierte zusammenkommen und Erfahrungen austauschen können.

Die Vereinsziele sind, auch wenn noch nicht klar ist, wie viele Interessierte bei der Idee zusammenkommen, schon jetzt klar definiert: Ziel des Vereins soll es sein, junge Menschen mit einem Asperger-Syndrom, während und nach der Berfufsausbildung, zu beraten und unterstützen.So soll also nicht nur seitens des Betroffenen geklärt werden, welche Berufe für ihn infrage kommen und wo man Hilfe findet, sondern auch seitens des Arbeitgebers, wenn sich die Frage stellt, wie man mit einem autistischen Mitarbeiter umgehen sollte.

Die Verantwortlichen suchen dabei jedoch nicht nur nach Interessenten, auch Helfer und Unterstützer sind herzlich willkommen. Ralf Bämpfer: "Viele Menschen wollen gerne helfen, wissen aber nicht genau, wie. Psychologen, Therapeuten, Ärzte und Soziale Verbände oder aber auch andere Unternehmen, die vielleicht auch autistische Angestellte beschäftigen, dürfen sich jederzeit bei uns melden.Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Jutta Ruppel, Telefon 0160 90410776 oder per Email  unter jutta-ruppel@t-online.deAbschließend möchte Jutta Ruppel noch verdeutlichen: "Wir möchten die vorhandene Nische füllen, um soziale Strukturen und Förderungen zu unterstützen. Helfen ist wichtig!"

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