Leserbrief: Ärger um Kurzarbeit und Tweet des Umweltministeriums

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Harald Döll, Betriebsvorsitzender des Werkes Werra der K+S Kali GmbH, äußert sich zu einem Tweet des Umweltministeriums und zur Kurzarbeit.

Werra.Harald Döll, Betriebsvorsitzender des Werkes Werra der K+S Kali GmbH, zu einem Tweet des Umweltministeriums bezüglich der Kurzarbeit

Mein Herz gehört meiner Frau, meinem Motorrad und den USA – in dieser Reihenfolge. Ich herze meine Enkelkinder. Meine Arbeit als Betriebsratsvorsitzender im Werk Werra der K+S KALI GmbH ist mir eine Herzensangelegenheit. Das Herz kommt immer dann ins Spiel, wenn einem Menschen und Dinge nah und wichtig sind. In den sozialen Medien wird das Herz heutzutage gerne und häufig eingesetzt – immer dann, wenn einem etwas gut gefällt.

Genau aus diesem Grund ist es skandalös, was sich kürzlich auf Twitter zugetragen hat: Dort hat das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt die Nachricht von der Kurzarbeit auf den Standorten Unterbreizbach und Hattorf des Kaliwerkes Werra mit einem Herz kommentiert. 1.000 Mitarbeiter, darunter 300 Thüringer, werden in Kurzarbeit geschickt und sind unsicher, wie es mit ihrer Anstellung und ihrer finanziellen Lebensgrundlage weitergeht – und dem Umweltministerium gefällt das?

Es kam aber noch "besser": Als mein Betriebsratskollege des Werkes Werra, Stefan Böck, auf den Tweet reagierte und sein Unverständnis äußerte, ging ihn Stefan Wogawa scharf an. Wogawa ist Mitarbeiter der Die Linke-Fraktion, war übrigens vergangenes Jahr fünf Monate Pressesprecher der Fraktion und ist ein Vertrauter von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Wogawa warf CDU-Mann Böck vor, parteilich zu agieren. DGB-Chef Sandro Witt – übrigens wie Wogawa Mitglied von Die Linke, so dass man zumindest ihm keine Parteilichkeit vorwerfen kann – schaltete sich in die Diskussion ein, da er das Herz mitnichten billigen konnte. Und auch er bekam von Wogawa "sein Fett weg". Nicht mal Bodo Ramelow konnte seinen Partei-Kollegen stoppen, als er sich erst mal in Rage gezwitschert hatte.

Das Herz wurde mittlerweile vom Account des Umweltministeriums gelöscht; in einem Artikel über die ausgelöste Diskussion und ihre Folgen in der Thüringer Allgemeinen wurde das Umweltministerium mit den Worten zitiert, das Herz sei ein Missverständnis gewesen. In einer Nachricht an Stefan Böck hieß es: "Da dies [das Herz] bei Ihnen und anderen zu Irritationen geführt hat sowie als Beweis, dass wir Kurzarbeit nicht toll finden, haben wir das Herz zurückgenommen. Mehr können wir auf diesem Kanal leider nicht anbieten." Wie wäre es mit einer Entschuldigung gewesen?

Wie auch immer, zurück bleiben ein mehr als ungutes Gefühl und viele Ungereimtheiten: Ein Teil derselben Landesregierung des Freistaates Thüringen, die sich aus Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und SPD zusammensetzt und die sich im Koalitionsvertrag offiziell verständigt hat, die Mitbestimmung der Arbeitnehmer zu stärken, beschimpft öffentlich Betriebsräte und will deren freie Meinungsäußerung einschränken? Wir Betriebsräte des Werkes Werra werden als "veritable Sackgänger" bezeichnet, also als wahrhafte Nervensägen, und als Heulsusen – und das von Mitgliedern einer Partei, die sich angeblich die Selbstbestimmung der Arbeitnehmer und Solidarität auf die Fahnen geschrieben hat. Welche Farce! Oder bezeichnet die Landesregierung das als transparente Kommunikation? Wird hier die ehrliche Meinung zu K+S und der Umweltdebatte offenbart? Werden Umweltschutzziele vor den Schutz von Arbeitsplätzen gestellt?Man kann es nicht oft genug sagen: Es geht hier nicht um Parteiinteressen, sondern um 4.400 Mitarbeiter im Werk Werra, darunter 1.700 Thüringer, die auf der Straße stehen, wenn im Werk "die Lichter" ausgehen. Und es geht auch darum, dass wir, die Mitarbeiter bei K+S, auch künftig einen Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung, zur Beibehaltung unserer Lebensqualität und Gesundheit leisten können.

Rund 130 Gramm Kalium enthält der Körper eines erwachsenen Menschen. Kalium ist lebensnotwendig, aber der Organismus kann es nicht selbst erzeugen. Also muss Kalium über die Nahrung aufgenommen werden. Jeder Erwachsene benötigt mindestens 2 Gramm Kalium pro Tag – jeder, unabhängig von politischem Engagement oder Couleur! Kaliummangel führt zum Beispiel zu Abgeschlagenheit, Muskelschwäche und sogar das Herz kann ins Stottern geraten. Die Produkte, die wir bei der K+S KALI GmbH herstellen, sind Kaliumquellen. Deshalb kann niemand sagen: Was habe ich denn mit Kali zu tun? Deshalb ist unsere Produktion zu unser aller Nutzen!

Die Bezeichnung  "veritable Sackgänger" nehmen wir übrigens als Kompliment, drückt es doch aus, dass wir für unsere Kollegen kämpfen und nicht bequem den Mund halten. Als Betriebsratsvorsitzender des Werkes Werra stehe ich hinter meinen Betriebsräten. Und wir nerven weiter, denn wir haben ein Herz für die Belegschaft des Werkes Werra und unseren Arbeitgeber K+S.

Mit freundlichen Grüßen und einem herzlichen Glückauf

Harald DöllBetriebsratsvorsitzender des Werkes Werra der K+S KALI GmbH

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