Leserbrief: Heringen muss unbedingt attraktiver werden

KA-Leser Tim Helbing mit Rebecca Helbing-Trebert gewährend in ihrem Leserbrief einen Blick auf Heringen und das Leben dort

Bisher dachte ich eigentlich immer, dass wir als Stadt Heringen endlich mal vorwärts kommen. In unseren Nachbargemeinden hat sich unheimlich viel getan, bei uns allerdings tritt man nach wie vor auf der Stelle, so zumindest ist mein persönliches Empfinden. Wie komme ich zu diesem Denken?

Dank meiner Ehefrau, die mir zu Liebe ihren Lebensmittelpunkt von Philippsthal nach Heringen verlegt hat, sehe ich Heringen mittlerweile aus einer ganz anderen Perspektive. Nie zuvor habe ich gemerkt, dass uns unsere Nachbargemeinden in einigen Dingen schon lange überholt haben. Wir als Familie mit zwei kleinen Kindern sehen hier noch viel Nachholbedarf an einigen Punkten, um Heringen zu einer familienfreundlichen Stadt für Jung und Alt zu machen. Heringen muss attraktiver werden für Neuzuwachs, denn dieser entscheidet sich momentan vorwiegend für unsere Nachbargemeinden.

Warum ist das so?

Was ist an unserem schönen Heringen denn eigentlich schlechter als woanders? Ich habe einfach mal ein paar für mich und meine Familie wichtige Gründe aufgezählt. Diese sind nur ein paar auf einer langen Liste, aber für uns mit die wichtigsten.

Die Einkaufs-Situation:  ALDI und Rewe ist alles schön und gut, sie bieten eine Grundversorgung, aber keine Vielfältigkeit. Was ist mit einem Lidl, Edeka, Tegut, Erweiterung des vorhandenen Rewe-Markts? Immer wieder flammen Gerüchte auf, aber passieren tut nichts. Wie viele Jahre soll Heringen noch auf einen Drogeriefachmarkt verzichten und die Bürger weiterhin nach Philippsthal, Obersuhl und Co reisen. Es ist toll, dass wir zwei gut geführte Apotheken und eine funktionierende Ärztliche Versorgung haben, aber angefangen bei besonderer Babynahrung, bis hin zum (Damen)Hygieneartikel, kann nichts davon eine gute Drogerie ersetzen.

Spielplätze/ Familienbegegnungsstätten: Ja, wir haben hier bei uns in Heringen den einen oder anderen süßen Spielplatz, das war es dann auch schon. Diese sind nicht verkehrt, aber nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten in der Nachbarregion. So fahren wir mehrmals jede Woche an andere schöne Orte im Umkreis wie zum Beispiel zum Abenteuerspielplatz nach Philippsthal mit seiner Rollschuhbahn und dem wunderbaren Ambiente im Schlosspark. Wir besuchen die schönen Spielplätze der Gemeinde Hohenroda, erleben Abenteuer auf dem Kinderwanderweg Solztal. Mit großer Vorfreude hoffen unsere Kinder auf die Öffnung des Philippsthaler Schwimmbades, um das neue riesige Holzpiratenschiff kapern zu können.

Dies sind nur ein paar Beispiele. Natürlich ist hier nicht alles schlecht, unser Schwimmbad wird gern genutzt und ist unserer Meinung nach eines der schönsten in Hessen. Gerade mit dem tollen Sandstrand und dem wunderbaren Ausblick auf den Montekali. Was in dieser Stadt fehlt, ist ein eindrucksvoller Abenteuerspielplatz, vielleicht als Themenspielplatz in Bezug auf Kali und Salz gestaltet, mit Förderturm, der Sand oder Wasser über Leitungen und Rohre fördert. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Vielleicht könnte man hier sogar eine Unterstützung des Werra-Weser-Fonds abrufen, oder eine Unterstützung der Firma K+S. Stattdessen entdecken wir mit unseren Kindern hier sogenannte Lost Places (verlassene Orte), die irgendwann einmal den Heringer Bürger viel Geld gekostet haben müssen und mittlerweile total verwahrlost sind und leider vergessen wurden. Der ein oder andere Heringer kennt vielleicht noch die damalige Giggelsburg, ein ehemaliger Teich mit Staumauer im Bereich des Ganzjahresbades. Unsere Kinder erleben dort trotzdem ihre Abenteuer, anders als mal geplant im tiefsten Dschungel. Hier wäre für die Zukunft viel Potenzial für ein Naherholungsgebiet mit Freizeitwert für Jung und Alt, denn auch unsere Senioren haben keine schönen Orte, an denen sie mal die Seele baumeln lassen können.

Mittlerweile können sie ja nicht mal mehr an Sonntagnachmittagen einen Kaffee trinken gehen, oder ein Stück Kuchen essen, da der einzige Bäcker der Sonntags in Heringen geöffnet hat, neuerdings um 13.00 Uhr schließt. Aber die Nachbargemeinden begrüßen trotz Corona mit Freude auch sonntags bis 17.00 Uhr das eine oder andere Heringer Gesicht.

Verkehrssicherheit in den Ortsteilen:  An diesem Punkt ist der Mann selbst gefordert, trotzdem sind bisher alle Versuche gescheitert in irgendeiner Art eine Verkehrsberuhigung zu erlangen. Man wird alleine gelassen mit einer Schwerlaststraße im OT Heringen Leimbach. Hier gibt es keine Hilfe für Kinder die versuchen eine mit LKW und PKW stark befahrene Landesstraße zu überqueren. Es gibt weder einen Zebrastreifen, noch eine Ampel (vorhanden in Lengers), keine Dreißigerzone (vorhanden in Harnrode für LKW), keine Verkehrsinseln (vorhanden in Harnrode). Was man bekommt ist Angst um den Nachwuchs und Autobahnflair pur, inklusive Mitnutzung der Bürgersteige durch den Schwerlastverkehr.

Alles was wir bisher ausrichten konnten, ist eine dramatisch korrekte Verkehrsfrüherziehung bei unseren Kindern, sowie ein gestohlenes Dreirad am Zaun unseres Grundstücks direkt an der besagten Straße. Dieses haben wir selbstständig durch *Benny Brems (Schild von einem Jungen mit Fußball in der Hand) ersetzt, um an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer zu appellieren. Ich kann in dieser Situation nur von Leimbach sprechen, aber wenn man sich mit Bewohnern der Ortsteile Wölfershausen und Widdershausen unterhält, ist die Verkehrssituation ebenfalls problematisch.

Kinderbetreuung: Unsere Kindergärten sind hier modern und schön, aber warum noch nicht kostenlos? Friedewald und Philippsthal sind mal wieder die Vorreiter. Das einzige was man von Heringen bekommt sind Rechnungen. Unsere Kinder sind die Zukunft und Träger unserer Region. Man muss zielstrebig daran arbeiten, der Jungend die Heimat attraktiv und lebenswert zu machen einschließlich der Vorhaltung von guten Arbeitsplätzen.

Hochachtungsvoll appelliere ich mit meiner Familie an unser Stadtparlament und den amtierenden Bürgermeister. Wann wollen Sie endlich mehr für Familien tun, außer ihnen das Leben mit der neuen Abwassersatzung noch schwerer zu machen?! Wann wollen Sie anfangen Beschlüsse und Entscheidungen zugunsten des Allgemeinwohls der Bürger zu treffen?! Hier wären mehr Bürgerentscheide und Bürgerbegehren wünschenswert. Zum Glück können wir als Stadt stolz sein auf unsere Vereine, in denen Vielfältigkeit für Familien und Senioren geboten wird. Dies erfolgt alles ehrenamtlich und verdient höchsten Respekt und Anerkennung. Auch das Ehrenamt wie zum Beispiel unsere Feuerwehren sind an dieser Stelle in besonderem Maße hervorzuheben. Ihre seid Diejenigen die Heringen lebenswert machen.

Zum Abschluss möchte ich sagen, hier ist nicht alles schlecht, es hat sich auch schon das ein oder andere getan. Wir leben hier gut und gerne, aber zum Thema modern und mittendrin, familienfreundlich und bürgernah ist noch Platz nach oben. Um dem Namen „Stadt“ gerecht zu werden, müssten wir Vorreiter und Vorbild für unsere umliegenden Gemeinden sein und nicht umgekehrt.

Tim Helbing mit Rebecca Helbing-Trebert

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