Liebes-Guru kauft Seepark Kirchheim

Der Seepark Kirchheim wurde nun an die umstrittene Religionsgemeinschaft „Bhakti Marga“ verkauft. Deren Guru, Paramahamsa Vishwananda, werden seit Jahren unter anderem Sexualverbrechen an Mitgliedern vorgeworfen. Foto: www.facebook.com/ParamahamsaVishwananda

Kann man das Glauben? Der Seepark Kirchheim soll Religionszentrum werden

Kirchheim. Es war die Meldung der Woche im Kreis: Der Seepark Kirchheim ist verkauft, am 30. November ist Schluss mit dem Hotelbetrieb – nach mehr als 40 Jahren. Käufer ist „Bhakti Marga“, eine hinduistisch-synkretistische Religionsgemeinschaft, die das Hotel künftig sowohl als Religionszentrum sowie auch als Deutschlandsitz nutzen wollen.

Verkauf letzter Ausweg

Grund für den Verkauf sei die Corona-Pandemie. Tagungen wurden abgesagt, die Gäste blieben fern. Wie Geschäftsführer Andreas Engelhoven in der Presse bekannt gab, hätte man ohnehin schließen müssen. Durch den Verkauf konnte zumindest eine Insolvenz abgewendet werden.

Da der Seepark nun nicht mehr als Hotel genutzt werden soll, kann auch keiner der Mitarbeiter übernommen werden. Nach der geplanten Übergabe des Seeparks sollen dort Umbaumaßnahmen stattfinden.

Doch was genau ist diese Religionsgemeinschaft „Bhakti Marga“? Auf der Internetseite bewirbt man alles mit dem Slogan „Just Love“. So werden dort unter anderem Meditation, Yoga und sogar Online-Segen angeboten.

Gründer ist Paramahamsa Sri Swami Vishwananda, der von sich selbst behauptet ein erleuchteter spiritueller Meister auf dem Weg der Hingabe zu sein. Doch sucht man weiter, findet man auch zahlreiche negative Berichte über die Religionsgemeinschaft und deren Guru Vishwananda – unter anderem von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfrage.

So werden dem „Bhakti Marga“-Gründer zahlreiche Straftaten vorgeworfen. Unter anderem soll er Sex mit 16 männlichen Jüngern gehabt haben, die sich dadurch vergewaltigt gefühlt hätten. In der Schweiz habe Swami Vishwananda sogar im Gefängnis gesessen, nachdem er als Priester verkleidet Reliquien aus der Kirche gestohlen habe. In den Schriften von „Bhakti Marga“ heißt es, dass „alle Aufmerksamkeit, alle Hingabe und aller Dienst [...] ausschließlich dem Satguru und niemand anderem erbracht“ werden.

Übersetzt bedeutet das, dass man alles tun soll, was der Guru sagt. Das wiederum deckt sich mit den Aussagen von zahlreichen Aussteigern der bald in Kirchheim an- sässigen Religionsgemeinschaft. Ein Ex-Mitglied wirft dem Guru sogar sexuellen Missbrauch vor.

Er ist eine schillernde Persönlichkeit

Der KA fragte darum direkt bei „Bhakti Marga“ an und sprach mit deren Geschäftsführer Peter Maier. Zu den Vorwürfen wollte sich Maier nicht so recht äußern, sagte dazu lediglich: „Paramahamsa Vishwananda ist natürlich eine schillernde Persönlichkeit der für Kontroversen sorgt.“ Auf Nachfrage bestätigte Maier dann, dass der Gründer in der Schweiz wegen Störung der Totenruhe zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.

Auch für die negativen Berichte ehemaliger Mitglieder hatte Maier eine Begründung: „Viele kommen mit hohen Erwartungen zu uns. Werden diese nicht erfüllt, suchen leider viele die Schuld nicht bei sich selbst, sondern eben bei dem Guru.“

Der Standort Kirchheim sei vorallem wegen der hervorragenden Lage in der Mitte Deutschlands für „Bhakti Marga“ interessant gewesen. Man sehe die Bedenken der Menschen, doch versicherte Maier, dass man sich gut in die neue Heimat integrieren möchte.

Kirchheims Bürgermeister ist zuversichtlich

Stattdessen fragte der Kreisanzeiger beim Kirchheimer Bürgermeister Manfred Koch nach. Der zeigte sich positiv gestimmt: „Zunächst war ich natürlich auch sehr skeptisch.“ Doch ein Telefongespräch mit Peter Maier vom Vorstand von „Bhakti Marga“ habe ihm die Bauchschmerzen etwas genommen.

„Es war ein sehr positives und weltoffenes Gespräch. Angst, dass es sich hier um eine Sekte handelt, muss man nicht haben.“ Der Sitz von „Bhakti Marga“ sei bisher in Heidenrod ge- wesen, also sprach Koch auch mit dem Bürgermeister von dort. „Er berichtete mir nichts Negatives. Die Mitglieder der Religionsgemeinschaft haben sich gut in die Gemeinde dort integriert“, so Koch. Daher sei Koch positiv gestimmt, dass hier ähnlich ablaufen wird.

In der kommenden Woche soll es ein persönliches Gespräch zwischen Koch und Maier geben. „Ich habe aber schon erfahren, dass es kein abgeschottetes Relgionszentrum werden soll. Im Gegenteil – seitens der Religionsgemeinschaft plane man ein Strandcafe und ein Restaurant, dass für alle Gäste geöffnet ist. „Und vielleicht“, so hofft Koch, „kann die Ansiedlung auch eine Aufwertgung für die Region werdem.“

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