Die Lollsrede von Bürgermeister Thomas Fehling

Bürgermeister Thomas Fehling hält die Lollsrede diesmal im Rathaus.

Wegen der Corona-Pandemie kommt in diesem Jahr die Lollsrede digital aus dem Rathaus.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

dieses Jahr kommt meine Lolls-Rede ganz anders daher, als Sie es gewohnt sind. Ich bedaure sehr, dass es dieses Jahr kein Lullusfest in bekannter Form gibt und wir uns nicht wie üblich am Feuer oder in der Innenstadt in großer Zahl versammeln können.

Ich möchte es aber trotz Corona nicht versäumen, Ihnen einen Rückblick auf das letzte Jahr zu geben und einen Blick nach vorne zu werfen.

Als Bürgermeister bin vor allem sehr froh, dass wir in Bad Hersfeld (wie im gesamten Landkreis) bislang sehr gut durch die Corona-Krise gekommen sind, was die Zahl der Erkrankten und Verstorbenen angeht.

Mein Dank gilt allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern für die große Disziplin, mit der Sie sich an die gesetzlichen Maßnahmen gehalten haben. Und ein aufrichtiges Dankeschön auch für die spontan entstandene Hilfsbereitschaft - gegenüber Nachbarn oder sogar Unbekannten, die in der Krise Hilfe brauchten und brauchen.

Als Leiter der Stadtverwaltung bin ich genauso froh, dass auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitgehend unversehrt durch die Pandemiezeit gekommen sind. Das war keineswegs selbstverständlich, als bereits am 12. März eine Führungskraft, aus dem Ski-Urlaub in Ischgl kommend, positiv getestet wurde. Ein Einschlag gleich in die Herzkammer des Rathauses.

Wir haben dann sehr schnell reagiert und alle notwendigen Maßnahmen sofort umgesetzt, so dass es keine weiteren Fälle oder gar einen „Flächenbrand“ gegeben hat. Sicher auch deswegen, weil ich drei Wochen vorher bereits frühe Vorsichtsmaßnahmen für die Stadtverwaltung eingeleitet hatte. Für einzelne dieser Maßnahmen, wie die Aushänge mit dem „Händeschüttelverbot“, musste ich mir damals zahlreiche Sprüche und viel Häme gefallen lassen. Aber am Ende lag ich richtig: Die öffentlichen Einrichtungen der Stadt sind für die Bürgerschaft durchgängig arbeitsfähig geblieben!

Corona hat uns gezeigt, dass auch hochentwickelte Gesellschaften anfällig sind. Wir dürfen uns nicht zu sicher fühlen. Andere Themen, wie die Digitalisierung, hat Corona rapide nach vorne getrieben.

Eben noch waren Telefon- und Videokonferenzen die Ausnahme, dann wurden sie plötzlich zum Alltag. Mithilfe dieser digitalen Formate haben auch wir bis zum Juni den politischen Dialog während des Lockdowns am Leben gehalten. Die Technik dafür war glücklicherweise ja schon weitgehend vorbereitet.

Auch für die Bürgerinnen und Bürger haben sich die städtischen Digitalisierungsbemühungen der letzten Jahre ausgezahlt. Viele von Ihnen konnten während des Lockdowns bzw. in der Quarantäne unsere Dienste im Online-Rathaus von zuhause aus nutzen. Hier zeigte sich der Vorteil, dass Bad Hersfeld gegenüber vielen anderen Städten und Gemeinden weit vorne war und immer noch ist.

So wie wir aktuell das Lullusfest nicht sang- und klanglos „beerdigen“ wollen, haben wir im Sommer auch die Festspiele nicht einfach ersatzlos gestrichen. Und das war gut so.

Das Kulturprogramm „Ein anderer Sommer“ war Beleg dafür, dass man auch in einer Krise positiv gestimmt sein darf und eine Zwangslage auch die Chance ist, mal etwas Neues auszuprobieren. Ich danke allen Beteiligten aus der hiesigen Kunst- und Kulturlandschaft, die unter der Leitung von Intendant Joern Hinkel zusammen mit dem Festspielteam und unserem Stadtmarketing aktiv mitgemacht haben.

Meine Wahrnehmung war, dass sich viele Künstler in neuen Konstellationen zusammenfanden und etwas Neues auf die Beine (bzw. die Bühne) brachten – gemeinsame Formate, die uns alle begeisterten!

Politisch Verantwortliche, Festspiel-Organisatoren, heimische Veranstalter und das Publikum haben in der Krise zueinandergefunden und ein Wir-Gefühl entwickelt. Mal schauen, bestimmt wird das ein oder andere auch zukünftig fortgesetzt.

Momentan sind die Zeiten für die Betonung von Gemeinsamkeiten und die Freude über zusammen Erreichtes politisch aber eher schwierig: Wir laufen auf die Kommunalwahl im März 2021 zu und man merkt, dass sich der Wahlkampf breit macht. Aussagen wie z.B. „Stagnation“ oder „Nullbilanz“, als Mittel der Abgrenzung und eigenen Profilierung, häufen sich.

Es ist das gute Recht jeder politischen Gruppe, sich kritisch zu äußern und auf Dinge eine andere Sicht bzw. eine andere Bewertung zu haben. Aber man sollte aufpassen, dass man bei den Wahlkampfaktivitäten nicht das Wohl der Bürgerinnen und Bürger aus den Augen verliert. Und man sollte nicht aus Aktionismus heraus Argumentationen plötzlich auf den Kopf stellen und Vorhaben ausbremsen.

Auch sollte man es unterlassen, den von den Bürgern gewählten Bürgermeister zu hintergehen und ihn bei seiner Arbeit für die Stadt zu blockieren. Und als Krönung will ein einzelner Mandatsträger dem Bürgermeister und dem Feuermeister die jährlichen Lolls-Ansprachen untersagen. Ich will es hier nochmal betonen: Der Feuermeister und der Bürgermeister lassen sich von niemandem einen Maulkorb verpassen!

Liebe Bürgerinnen und Bürger, lassen Sie sich von den Schlechtrednern nicht täuschen, sondern bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Dazu ein paar Beispiele zu der jüngsten Vergangenheit: - Die Stadt hat ihre Investitionen für dieses Jahr bislang fast zu 100% umgesetzt. 

• Der Rückbau der Infrastruktur für den Hessentag, 

• die Sanierung von Friedhofskapellen, 

• das neue Feuerwehrhaus in Asbach,

• die Fertigstellung der komplett digitalen Anzeigesysteme für das Parkleitsystem oder 

• der Ausbau von touristischen Projekten wie dem neuen Katharinenweg oder dem barrierefreien Fuldasee-Rundweg zeigen:

Wir haben unsere Aufträge trotz Corona wie geplant vergeben, die lokal und regional Einkommen und Beschäftigung sichern: Wir wollen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine lokale Konjunkturbremse sein!

• Bad Hersfeld gehört zu den Seniorenparadiesen in Deutschland! Zu diesem Ergebnis kommt eine ganz frische Studie im Auftrag des deutschen Städte- und Gemeindebundes. In einem deutschlandweiten Vergleich unter mehr als 600 mittelgroßen Kommunen ist Bad Hersfeld unter den besten 30! Der Autor der Studie bescheinigt: „Hier können Senioren bei der Wahl ihres Wohnortes kaum etwas falsch machen“.

• Möglicherweise auch deshalb wächst unsere Einwohnerzahl! In den letzten 10 Jahren ist unsere Bevölkerung um rund 5% gewachsen – kein sprunghafter Anstieg, aber angesichts der Verluste im restlichen Landkreis doch ein Zeichen für eine nach wie vor intakte Attraktivität Bad Hersfelds.

• Europas größtes und modernstes Print-on-demand-Druckzentrum beim Buchgroßhändler Libri hat letzte Woche an der Europaallee Richtfest gefeiert - der Betrieb wird in 2021 starten. Ein tolles Signal für den Standort Bad Hersfeld! Zu den bestehenden 650 Beschäftigten kommen dann etwa 100 neue Arbeitsplätze bei der Schwestergesellschaft BoD hinzu. Ein neues digitales Geschäftsmodell, nicht in Amerika umgesetzt, sondern in Bad Hersfeld, der Stadt von Konrad Zuse, dem Erfinder des Computers!

• Die positive Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre im Bereich der Logistik haben sogar ARD und ZDF zu positiven Fernsehberichten über Bad Hersfeld motiviert. Wir dürfen nicht nachlassen, die Entwicklung unserer Stadt weiter voranzubringen. Einige „dicke Bretter“ für die Zukunft müssen da heute schon gebohrt werden: Ganze Arbeit haben wir bislang bei der Lobbyarbeit bezüglich der ICE-Neubaustrecke geleistet. Alle Beteiligten in der Stadt hatten sich zuvor auf eine Trassenvariante verständigt. Dieser Trassenvorschlag und unsere gemeinsame Argumentation für einen Ausbau des ICE-Bahnhofs Bad Hersfeld sind noch voll im Rennen des Planungsverfahren – und mittlerweile in Berlin, Wiesbaden und bei der Deutschen Bahn in aller Munde.

Erschwerend in der Umsetzung dieser Zukunftsprojekte wird sein, dass sich die finanzielle Situation der Stadt durch Corona deutlich verschlechtert hat. Wir werden also im nächsten Jahr - wie sagt man? - den Gürtel deutlich enger schnallen müssen. Die anstehenden Haushaltsberatungen werden kein Quell der Freude für die Stadtpolitiker sein.

Aber wir lassen uns trotzdem nicht entmutigen. Wir werden jetzt erst einmal ein anderes Lolls feiern. Unter dem Motto

Lolls im Herzen - Wir feiern zu Hause

wird jede und jeder Einzelne von uns zeigen können, dass wir in 2020 kein großes Fest brauchen, um mit der Familie und Freunden in kleinen Runden an unseren Stadtgründer und unsere Traditionen zu erinnern! Unsere Stadt ist nun 1.284 Jahre alt und hat viele Krisen überstanden. So wird es auch diesmal sein.

Machen Sie mit und halten Sie sich weiterhin diszipliniert an die Hygieneregeln. Helfen Sie nicht nur über Lolls mit, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass Stadt und Landkreis nicht zu einem Risikogebiet werden und es womöglich zu einem lokalen Lockdown kommt.

Bleiben Sie zuversichtlich und gesund!

Ihr Thomas Fehling

Das Video der Lollsrede finden Sie auf der Facebook-Seite der Stadt Bad Hersfeld

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