"A Long Way Down": Eichhof-Stück mit Humor und Hintersinn

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Das Eichhof-Stück begeistert mit Humor zu einem ernsten Thema - und tollen Darstellern.

Bad Hersfeld. In der Silvesternacht treffen auf einem Hochhausdach in London vier Menschen aufeinander, die ihrem Leben mit einem Sprung - dem "langen Weg nach unten" - ein Ende setzen wollen. So beginnt "A long way down", das diesjährige Eichhof-Stück, das am Samstag Welturaufführung feierte. Zunächst klingt das nicht nach dem Auftakt zu einem heiteren Abend, doch unter Nick Hornbys Feder entwickelt sich daraus schnell eine schwarzhumorige und doch hintersinnige Komödie, bei der trotz des ernsten Themas auch herzhaft gelacht werden darf. Da bei diesem Andrang auf dem Dach nun keinem mehr nach Selbstmord zumute ist, geraten die vier ungleichen Charaktere ins Gespräch über die Probleme, die sie hierher geführt haben: Da ist Martin Sharp (Karsten Speck), einstmals ein beliebter Fernsehmoderator, doch nach einem Sex-Skandal mit einer Minderjährigen und dem darauffolgenden Gefängnisaufenthalt liegt sein Leben in Trümmern. Die etwas biedere Hausfrau Maureen (Natascha Hirthe) ist mir ihrem schwerbehinderten und pflegebedürftigen Sohn überfordert. Bei der aufmüpfigen Jess (Helena Sigal) sind es familiäre Konflikte und aktuell Liebeskummer, die sie aufs Dach geführt haben. Zu ihnen gesellt sich schließlich JJ (Mick Riesbeck), ein erfolgloser Musiker, dessen Traum von der Musikkarriere geplatzt ist und der mit Depressionen ringt. Gemeinsam beschließen sie, den Selbstmord aufzuschieben und sich mit gegenseitiger Unterstützung noch einmal auf das Leben einzulassen, was oft zu skurrilen, aber auch anrührenden Szenen führt. Freilich vermag es die Theaterfassung von Bettina Wilts nicht, alle Facetten des Romans umzusetzen, der auf weite Strecken die Gedankengänge der Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählt. Einiges davon wird auch als Monolog oder Überleitung präsentiert, doch manches musste auch zugunsten einer flüssigen Handlung gerafft werden. Für Eingängigkeit sorgt allen voran ein hervorragendes Ensemble. Unter den vier Protagonisten kann man keinen einzeln hervorheben, denn alle vier verleihen ihren Charakteren mit großartiger Darstellung Glaubwürdigkeit und harmonieren auch bestens miteinander. Karsten Speck setzt als Zyniker Martin seine Spitzen gekonnt, spielt sich aber dennoch sofort in die Herzen der Zuschauer, während Helena Sigal als freche Rotzgöre glänzt. Mick Riesbeck verleiht dem besonneren JJ eine ganz eigene Würde und Natascha Hirthes Maureen möchte man tatsächlich manchmal einfach nur in den Arm nehmen und sagen: "Das wird schon wieder". Hinzu kommt Peter Englert in diversen Nebenrollen und als eifriger Bühnen-Umdekorierer, denn auch beim Bühnenbild trumpft die Inszenierung auf der kleinen Eichhof-Bühne mit stimmigen Settings und mit wenigen Accessoires wird aus einem Loft eine trendige Bar oder gar ein Beach-Resort auf Teneriffa. Das Happy End, wenn man es so nennen will, kommt am Ende bedächtig daher: Auch durch die eigenwillige Gruppentherapie renkt sich nicht plötzlich alles von selbst wieder ein, doch immerhin regt sich bei den Vieren schließlich neuer Lebensmut. Es geht eben nicht darum, das alles perfekt ist, sondern auch die oftmals kleinen Dinge zu schätzen, die das Leben doch lebenswert machen. Begeisterter Applaus zeigte an, dass Christian Nickels Festspiel-Regiedebüt gut ankam und beweist, dass der Eichhof nicht nur für leichte Kost reserviert werden muss.

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