BI Ludwigsau wirft RP Täuschung bei Windlärm-Messungen vor

+

Von der Bürgerinitiative durchgeführte Messungen belegen Verstöße gegen Grenzwerte.

Ludwigsau. Schwere Vorwürfe erhebt die Bürgerinitiative "Für ein l(i)ebenswertes Ludwigsau" gegen das Regierungspräsidium in Kassel: Um die Einhaltung der Lärmgrenzwerte der Windkraftanlagen auf dem Wehneberg zu belegen, soll die Behörde gefälschte Messergebnisse verwenden. "Wozu brauchen wir einen RP, der Politik gegen die eigene Bevölkerung macht?", klagt die Bürgerinitiative und konfrontiert die Behörde mit deren falschen Lärm-Mess-werten.

"Die Wirtschaftslobby aus dem Regierungspräsidium hat nicht die geringste Vorstellung davon, was sie den Menschen antut", schimpft der Rohrbacher Ortsvorsteher Karl Grebe, der sich in der Bürgerinitiative engagiert und selbst seit vielen Jahren Mitglied der Ludwigsauer Gemeindevertretung ist.Seit die sechs Windkraftanlagen auf dem Bad Hersfelder Wehneberg stehen, hat sich das Leben in dem beschaulichen Dorf Rohrbach radikal verändert. "Wir finden keine Ruhe mehr", sagt Markus Sauerwein, ebenfalls in der Gemeindepolitik aktiv und Vorsitzender der Bürgerinitiative. "Von Anfang an haben die Windgiganten einen Höllenlärm verursacht. Spazierengehen im Wald macht keinen Spaß mehr, wenn die Räder in Betrieb sind. In Rohrbach ist der Krach durch die Riesenmaschinen, vor allem bei Westwind, nicht auszuhalten." Unzählige Beschwerden beim RP brachten keine Besserung. "Man hat versucht, uns ruhig zu stellen", sagt Karl Grebe. "Das gipfelte in dem Versuch, uns Lärmmessungen unterzujubeln, die mit einem defekten Gerät unternommen worden waren. Demnach wären sämtliche Messwerte innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte gewesen. Wie soll man einer politischen Institution, die so mit ihren Bürgern umgeht, denn noch etwas glauben? Unser Vertrauen in das Regierungspräsidium ist zerrüttet!"

Die Bürgerinitiative ist erstaunt über die Vorgehensweise des RP. Die BI schaffte sich ein eigenes, professionelles Lärmmessgerät an, ließ sich in Kursen in der Bedienung unterweisen und führte eigene Lärmmessungen durch."Sobald wir unser eigenes Gerät gekauft hatten, wurde man in Kassel nervös", sagt Karl Grebe. "Auf einmal wurden noch mehr Versuche unternommen, dem Krach der Anlagen Herr zu werden. Flügelstellungen und Einstellungen an den Transformatoren wurden verändert und immer wieder sieht man Teams, die Rotoren der Krachmacher polieren, um auch noch das letzte Quäntchen herauszukitzeln. Sogar ein neues DezibelMessgerät hat sich das RP daraufhin besorgt."

Laut der Bürgerinitiative war all das aber vergebliche Liebesmühe. "Die Messergebnisse, die man uns vorgelegt hat, sollten zeigen, dass die Anlagen alle im genehmigungsfähigen Rahmen liegen. Das heißt: Nachts nicht mehr als 45 dB in einem Mischgebiet wie dem Ortskern von Rohrbach."Schon allein die Messpunkte hält die Bürgerinitiative für eine Frechheit. Denn nur wenige Meter von dem Mischgebiet entfernt beginnt das ausgedehnte reine Wohngebiet des Dorfes, in dem nächtliche Grenzwerte von 40 dB eingehalten werden müssen. Vor allem hier hat die Bürgerinitiative an vielen Punkten ihre eigenen Messungen durchgeführt. "Die Ergebnisse unserer Anlage sind allesamt eindeutig", sagt BI-Vorsitzender Markus Sauerwein. "Wir haben nachts bei den entsprechenden Windlagen über 65 dB gemessen. Das ist völlig unzumutbar."

Karl Grebe ergänzt: "Wenn man sich vorstellt, welchen riesigen Aufwand wir getrieben haben, um dem Regierungspräsidium seine Fehler nachzuweisen – das ist schon irre. Dabei sollte diese politische Einrichtung doch uns Bürger schützen und für uns arbeiten. Und nicht umgekehrt."Markus Sauerwein zieht ein bitteres Fazit: "Wir müssen uns in unserer Freizeit ehrenamtlich engagieren, um den hauptamtlichen Politikern und Verwaltern, die von uns bezahlt werden, dafür auf die Finger zu klopfen, dass sie bürgernahe Politik machen. Das kann es doch nicht sein!"

Am Montag hat die Bürgerinitiative ihre Messergebnisse offiziell an das Regierungspräsidium übergeben. Nun hoffen die engagierten Rohrbacher auf entsprechende Maßnahmen zur Lärmminderung. Windkraft im Wald, unmittelbar neben idyllischen Dörfern, wird für die Rohrbacher wohl immer ein Reizthema bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Zeugen und Helfer gesucht: Drei Unbekannte berauben und verletzen 17-Jährigen in Wolfsanger
Kassel

Zeugen und Helfer gesucht: Drei Unbekannte berauben und verletzen 17-Jährigen in Wolfsanger

Drei bislang unbekannte Täter haben am gestrigen Sonntagabend in der Straße „Roßpfad“ in Kassel-Wolfsanger offenbar einen 17-Jährigen beraubt und verletzt.
Zeugen und Helfer gesucht: Drei Unbekannte berauben und verletzen 17-Jährigen in Wolfsanger
Homberg-Mörshausen: Schäferhund durch Messerstich getötet
Kassel

Homberg-Mörshausen: Schäferhund durch Messerstich getötet

Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein.
Homberg-Mörshausen: Schäferhund durch Messerstich getötet
Heinevetter geht, Morawski kommt: MT Melsungen verpflichtet polnischen Nationaltorwart
Kassel

Heinevetter geht, Morawski kommt: MT Melsungen verpflichtet polnischen Nationaltorwart

Die MT Melsungen und Silvio Heinevetter (37) gehen ab kommender Saison getrennte Wege. Denn die MT Melsungen setzt zur neuen Saison den Prozess der Verjüngung ihres …
Heinevetter geht, Morawski kommt: MT Melsungen verpflichtet polnischen Nationaltorwart
Wildschweine: Teurer Unfall für Mann aus Hofbieber
Fulda

Wildschweine: Teurer Unfall für Mann aus Hofbieber

Wildschweine: Teurer Unfall für Mann aus Hofbieber

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.