Be!sonderes Bastelprojekt: Ein Nachbau von Bebra aus Pappe

Malki Mousa und sein Klein-Bebra aus Pappe. Foto: Lorey

Malki Mousa braucht viel Pappe für sein Hobby: Er baut seine neue Heimat, die Stadt Bebra, aus Pappe nach.

Bebra.  Es ist ein schwieriges Unterfangen, sich einen Weg durch das Wohnzimmer von Malki Mousa und seiner Frau Ghada Khouri zu bahnen. Denn man läuft nicht nur durch die Stube, sondern gleichzeitig auch durch eine ganze Stadt im Miniaturformat. Auch im Schlafzimmer stehen kleine Häuser und jede Menge Kartons. Obst und Gemüse wurde dort mal gelagert; Mousa und seine Frau haben sie aus dem Supermarkt mitgebracht. Mousa braucht die Pappe für sein Hobby. Der 53-Jährige, der aus dem syrischen Dorf Rotan nach Bebra kam, baut seine neue Heimat Bebra mit Pappe nach.

Noch vor einigen Monaten sah sein Leben anders aus. Bürgerkrieg, Bedrohung durch religiöse Fanatiker. Marodierende Banden ziehen durch Syrien; wer wie Mousa und seine Frau Ghada Khurie Christ ist, lebt dort zunehmend gefährlich. Mousas Töchter Basma, 22 und Yara, 20, leben schon seit einiger Zeit in Bebra. Irgendwann hatten Ghada und Malki den Entschluss gefasst, die Heimat zu verlassen und dem Ruf ihrer Töchter zu folgen. Der Familie geht es in Bebra gut, zumindest „den Umständen entsprechend“. Seit Januar 2017 ist das Ehepaar hier. Mit 53 Jahren lernt man neue Sprachen nicht mehr so leicht. Mousa versteht fast alles, aber selbst sprechen – da ist er etwas gehemmt. Er könnte ja etwas falsch sagen, und das will er nicht. Er bekommt Hilfe von seinen Töchtern, die beide perfekt deutsch sprechen, und von der syrisch-orthodoxen Gemeinde, den Aramäern, die in Bebra eine Heimat haben. Die Gemeindemitglieder helfen sich gegenseitig, hier wurde Familie Mousa warmherzig aufgenommen.

„Meine Frau und ich haben hier Geld, eine Wohnung und Sicherheit bekommen. Ich muss doch irgendetwas tun, um mich bei den Menschen aus Bebra für ihre großartige Gastfreundschaft zu bedanken!“, meint er und so verlässt Mousa meist am frühen Morgen das Haus und geht durch die Bebraer Straßen. Sein wichtigstes Werkzeug: Das Handy. In den vergangenen drei Monaten hat er Bilder von vielen Bebraer Gebäuden aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Nach diesen Vorlagen baut er dann die Pappmodelle. Ungefähr maßstabsgerecht; mit den Fenstern an den richtigen Stellen und den korrekten Proportionen. Mittlerweile wurden 38 Modellhäuser, darunter das be!, das Inselgebäude und viele andere prominente Gebäude gebastelt. Von dem wenigen Geld, das Mousa und seine Frau bekommen, gelingt es ihnen, noch etwas zu sparen und in Farben für die Häuser zu investrieren. Ghada Khouri blickt ihren Mann liebevoll an. „Mitbauen darf ich nicht, das macht mein Mann ganz alleine“, lacht sie strahlend. Sie weiß, dass ihr Mann Beschäftigung braucht. Die Häuser von Bebra gefallen ihr. Dann macht der gelernte Schweißer, der noch auf der Suche nach Arbeit ist, noch ein Angebot: „Vielleicht möchte ja jemand aus Bebra sein eigenes Haus nachgebaut haben. Dann soll er sich nur bei mir melden.“ Wer sein eigenes Haus als Pappmodell haben möchte, meldet sich bitte bei der SEB, Dirk Lorey, Telefon 06622/501-220. Lorey stellt den Kontakt zu Malki Mousa her.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Zwei neue bei Opel Dürkop in Bad Hersfeld

Premierentag im Autohaus: Rabattgewinne und Autogrammstunde mit Markus Majowski
Zwei neue bei Opel Dürkop in Bad Hersfeld

Smarte Mülleimer fassen 20-Mal mehr Müll

Ein erster Testversuch mit zwei smarten Abfallbehältern ist in Bad Hersfeld gestartet.
Smarte Mülleimer fassen 20-Mal mehr Müll

Traktor in Mühlbach völlig ausgebrannt

Heute Nachmittag geriet in Mühlbach ein Traktor in Vollbrand. Die Brandursache ist bisher nicht bekannt.
Traktor in Mühlbach völlig ausgebrannt

Wedel feuert Luther-Darsteller Manker

Ein Streit zwischen Schauspieler und Intendant führt zur kurzfristigen Umbesetzung kurz vor der Premiere.
Wedel feuert Luther-Darsteller Manker

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.